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Asyl : Flüchtlinge sollen am Sylter Flughafen leben

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Falls es die steigende Anzahl von Asylsuchenden auf Sylt nötig macht, sollen südlich der Sylter Werkstätten mobile Einheiten aufgestellt werden.

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erstellt am 05.Feb.2016 | 05:43 Uhr

Ob für Flüchtlinge eine Siedlung aus Holzhäusern gebaut oder ob Wohncontainer aufgestellt werden, das entscheidet sich erst, wenn im Laufe des Jahres – wie angekündigt – deutlich mehr Asylsuchende auf die Insel kommen. Wo dann solche so genannten mobilen Einheiten aufgestellt werden, das allerdings steht jetzt fest: Der Zweckverband Inselgemeinschaft Flugplatz hat beschlossen, dafür unentgeltlich eine zirka 8  000 Quadratmeter große Fläche unmittelbar südlich der Sylter Werkstätten zur Verfügung zu stellen. Damit folgte der Verband auf seiner Sitzung am Mittwochabend einer Empfehlung des Tinnumer Ortsbeirats aus der vergangenen Woche (wir berichteten).

Insgesamt waren drei unterschiedlich große Grundstücke im Gespräch, die sich im Besitz des Zweckverbandes gegenüber vom Alten Tower befinden. Die jetzt ausgewählte Fläche sei optimal geeignet, damit dort maximal 100 Personen wohnen können, sagte Ordnungsamtsleiterin Gabriele Gotthardt. Dafür spreche die Lage in der Nähe zu Westerland mit den Behörden und Sprachschulen, aber ebenso seien logistische Synergien mit den Sylter Werkstätten nutzbar. Gotthardt betonte auch, dass dort – egal, ob mit Holzhäusern oder Wohncontainern – auf keinen Fall eine Art von „Ghetto“ entstehen wird, sondern die Unterkünfte großzügig und locker aufgestellt werden, inklusive Gemeinschaftseinrichtungen für die Bewohner.


Wunsch nach mehr Familien


Sorge bereiten einigen Teilnehmern der Sitzung allerdings die möglichen sozialen Strukturen in solch einer Siedlung. Holger Flessau plädierte dafür, auf eine geeignete Durchmischung zu achten: „100 junge Männer dort, das könnte zu Problemen führen“, so der CDU-Politiker. Katrin Fifeik fragte, ob es möglich wäre, die Zuweisung von Flüchtlingen so zu steuern, dass mehr Familien als Einzelpersonen auf die Insel kämen. „Schließlich sind ja alle Sylter Gemeinden Familienbäder“, sagte die Bürgermeisterin von Wenningstedt-Braderup. Laut Ordnungsamtschefin Gotthardt ist ein entsprechendes Schreiben bereits an den Kreis rausgegangen. Man warte derzeit noch auf Antwort, hoffe aber, dass diesem Wunsch entsprochen würde.


Aufstellen ist einfach


Damit die mobilen Einheiten aufgestellt werden können, ist ein Gang durch Instanzen wie Bauausschuss und Gemeindevertretung nicht notwendig. Auch im Außenbereich können Holzhäuser oder Container für zunächst fünf Jahre mit einer Option der Verlängerung um weitere fünf Jahre aufgestellt werden, weil sie baurechtlich als „fliegende Bauten“ eingestuft werden. Nach dieser Zeit allerdings müssen sie entweder abgebaut werden oder es müsste in dem Gebiet Baurecht für Wohnzwecke geschaffen. Dass sie später zum Beispiel als Wohnheime für Auszubildende oder als Mitarbeiterwohnungen für Saisonkräfte genutzt werden, sei ohne neue B-Pläne nicht möglich. „Aber das ist Zukunftsmusik“, sagte Gemeindevertreter Holger Flessau. „Jetzt haben wir das erstmal erfolgreich für Flüchtlinge auf den Weg gebracht. Alles Weitere wird sich zeigen.“


Neue Pläne für Landesbetriebe


Der aktuelle Beschluss des Zweckverbandes sei allerdings nicht nur wichtig für die Flüchtlingsunterbringung, betonte Manfred Uekermann (CDU), sondern auch für andere geplante Ansiedlungen auf dem weitläufigen, insgesamt 24  000 Quadratmeter großen Gelände südlich der Sylter Werkstätten. Dort könnten künftig auch die Neubauten der Landesbetriebe für Straßenbau und Verkehr (LBV) und für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) entstehen. Die Straßenmeisterei des LBV gibt ihren Standort am Königskamp auf und wollte ursprünglich auf die andere Seite der Keitumer Landstraße neben Aldi ziehen. Auf Vorschlag des Bauausschusses, der diese Pläne ablehnt, laufen seit einiger Zeit Gespräche des Landes mit der Gemeinde Sylt zu einem alternativen Standort. Laut Landesbetrieb erscheinen die Flächen am Flughafen Sylt grundsätzlich als geeignet. Weil bislang kein Planungsrecht für einen Neubau besteht, muss ein Bauleitverfahren eingeleitet werden. Die dazu notwendigen Vorarbeiten laufen derzeit, teilte Frank Quirmbach vom LBV mit. Ziel sei es, der Gemeinde Sylt die erforderlichen Unterlagen bis Ende Februar zuzuleiten. Damit würden dann die notwendigen Voraussetzungen für eine Entscheidung über den zukünftigen Standort des LBV-Gerätestützpunktes geschaffen.

Der Landesbetrieb für Küstenschutz würde sich den Planungen des Straßenbaubetriebes anschließen und bei einer positiven Entscheidungen mit seinem Stützpunkt ebenfalls zum Flughafen ziehen, teilte LKN-Direktor Johannes Oelerich auf Anfrage mit. Erhalten bliebe zwar der Standort am Katrevel in Morsum, der Stützpunkt am Gaadt in Westerland westlich vom Dorint-Hotel würde dann jedoch aufgegeben, die Gebäude abgerissen und die Fläche in den Dünen anschließend renaturiert.

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