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Flüchtlinge auf Sylt : Flüchtlinge sind auf der Insel medizinisch gut Versorgt

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Gesundheitsversorgung der Flüchtlinge auf Sylt klappt bisher gut. Eine neue Gesundheitskarte soll ihnen im kommenden Jahr den Arztbesuch vereinfachen.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2015 | 05:16 Uhr

Schnupfen, Husten oder ein gebrochenes Bein: Wer krank ist, oder verletzt geht zum Arzt. Auf Sylt sind laut der Kassenärztlichen Vereinigung 39 1/2 Hausärzte für Insulaner und Urlauber zuständig. Auch die rund 160 Flüchtlinge, die derzeit auf Sylt leben, haben einen Anspruch auf medizinische Versorgung. Wie gehen die Ärzte auf der Insel mit den ausländischen Patienten um? Gibt es Verständigungsprobleme aufgrund der unterschiedlichen Sprachen? Haben die Mediziner gar Angst vor einer Überfüllung der Praxen? Wir haben und auf der Insel umgehört.

Er würde nicht besonders viele Flüchtlinge in seiner Westerländer Praxis behandeln, sagt Dr. Thomas Blanck: „Bei uns ist es ganz entspannt – ich sehe kein Problem, auch wenn 200 oder 300 Flüchtlinge auf die Insel kommen würden, gibt es meiner Meinung nach keinen Versorgungsengpass.“ Die Praxen auf Sylt könnten die Zahl der neuen Patienten locker kompensieren, ist Blanck überzeugt. Das könnte auch daran liegen, dass die Dichte der Hausärzte auf der Insel im Verhältnis zur Bevölkerung so hoch ist wie nirgendwo sonst in Schleswig-Holstein: So liegt der errechnete Versorgungsgrad durch Hausärzte auf Sylt bei 208 Prozent - in Kiel sind es beispielsweise nur 116 Prozent. Zudem sind die Sylter Ärzte durch den Saisonbetrieb auf Sylt daran gewöhnt, dass die Zahl der Patienten extrem schwankt.

 


Ärzte berichten von Verständigungsschwierigkeiten


 

Ob mit akutem Infekt oder Kriegsverletzungen: Die Bandbreite der Gründe, mit denen die ausländischen Patienten zu ihm kommen, sei groß. Schwierigkeiten habe er bei der Behandlung bisher nicht gehabt. Die Verständigung allerdings sei häufig schwer: „Wir haben den Wunsch, dass immer ein Dolmetscher mitkommt, aber das ist nicht immer möglich“, so Blanck.

Diese Erfahrung hat auch Dr. Antje Röhrs gemacht, die in ihrer Hörnumer Praxis bisher nur vereinzelt Flüchtlinge behandelt. Die Verständigung sei nicht immer leicht: „Die Sprachproblematik ist schwierig, denn man braucht mehr Zeit für die Behandlung“, sagt sie. Ehrenamtliche Helfer würden sich zwar viel Mühe geben, das Gesagte zu übersetzt. Häufig sprächen aber auch diese nur Englisch und nicht die Muttersprache des Patienten. Besonders bei einer falsch verstandenen Dosierung von Medikamenten könne das dann auch gefährlich sein. Kritisch sieht sie auch den anderen kulturellen Hintergrund der Flüchtlinge: „Wenn eine Frau mit Burka kommt, werde ich sie bitten diese abzulegen, denn diese Bekleidung ist für mich extrem frauenfeindlich“, sagt Röhrs. Zudem wüsste sie nicht, wie männliche Flüchtlinge auf sie als blonde Frau reagieren würden, gibt die Ärztin zu bedenken.

Die Kosten für ärztliche Behandlung, einen Krankenhausaufenthalt oder Medikamente tragen in Deutschland in der Regel – bis auf einen Eigenanteil - die Krankenkassen. Die Arztwahl auf der Insel (Allgemeinmediziner) ist für alle frei, teilte Bürgermeister Nikolas Häckel mit. „Behandlungsscheine gibt es beim Sozialzentrum, für eine fachärztliche Behandlung benötigt man eine Überweisung.“

 


Neue Gesundheitskarte soll Arztbesuch leichter machen


 

Um das bürokratische Verfahren rund um den Arztbesuch zu vereinfachen, werden Flüchtlinge in Schleswig-Holstein vom nächstem Jahr an eine elektronische Gesundheitskarte bekommen. Die entsprechende Vereinbarung mit den Krankenkassen hatte Gesundheitsministerin Kristin Alheit (SPD) gestern in Kiel unterschrieben. Mit der Karte können Flüchtlinge künftig direkt zum Arzt gehen und sich behandeln lassen - ohne Umweg über die örtlichen Behörden. „Das hat sicher große Vorteile, besonders was den bürokratischen Aufwand betrifft“, sagt der Sylter Arzt Dr. Roland Klockenhoff aus eigener Erfahrung. Auch Thomas Blanck begrüßt die Einführung der Karte, denn das jetzige Verfahren sei unnötig umständlich, auch für die Abrechnung in den Praxen.

 

Informationen vor zu Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen geben unter anderen die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) und Jugendmigrationsdienste (JMD), der Hausarzt, die Krankenkasse sowie das Gesundheitsamt.

 

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