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Aktion der Sylter Wirtschaft : Flüchtlinge: Der besondere Inselweg

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Mit einer Gemeinschaftsaktion wollen der Verein Sylter Unternehmer und der Dehoga Flüchtlingen nicht nur Jobs, sondern auch Ausbildungen ermöglichen

von
erstellt am 26.Sep.2015 | 05:30 Uhr

Die verschiedenen Initiativen zur Integration der immer weiter steigenden Zahl von Asylbewerbern auf Sylt werden auch außerhalb der Insel mit großem Interesse wahrgenommen. „Flüchtlinge unterm Reetdach: Ausgerechnet Sylt“ lautete die Schlagzeile im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, und das Hamburger Abendblatt titelte „Flüchtlinge arbeiten in einem Luxushotel auf Sylt“. Im Fokus der Berichterstattung steht der Keitumer Claas-Erik Johannsen, der als erster Unternehmer auf der Insel in seinem Hotel Benen-Diken-Hof drei Asylbewerber als Arbeitskräfte eingestellt hat. Doch das gute Beispiel hat mittlerweile Schule gemacht: Es wurden eine Arbeitsgruppe zur „Integration von Flüchtlingen in den Sylter Arbeitsmarkt“ gegründet und aktuell ein Leitfaden für die Beschäftigung von Asylsuchenden herausgegeben – siehe Hinweistexte unten. Federführend beteiligt an den Aktionen sind der Verein Sylter Unternehmer (SU) sowie der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Sylt.

„Es geht natürlich um Jobs, um Arbeitsmöglichkeiten für die bei uns lebenden Flüchtlinge“, sagt Johannsen, der auch Sprecher der Dehoga-Fachgruppe Hotels ist, „aber es geht ebenso darum, diesen Personen Praktika anzubieten oder sogar eine Berufsausbildung zu ermöglichen.“ Wie zum Beispiel für Salih Shekhan: Der junge Afghane arbeitete bereits seit April 2014 zunächst als Aushilfsgärtner im Benen-Diken-Hof, hat Anfang September jedoch seine Ausbildung zum Restaurantfachmann in dem Keitumer Hotel begonnen. „Dadurch verdient er zwar weniger als mit dem Aushilfsjob“, so Johannsen, „aber es ist für ihn genauso wichtig wie für uns, dass Salih nach der dreijährigen Ausbildung einen Beruf und eine feste Anstellung mit Perspektive hat.“

Natürlich sei es auch im Interesse der Unternehmen, dass auf Sylt lebende Flüchtlinge hier arbeiten können, sagt der Dehoga-Sprecher: „Die aktuelle Situation in unserer Branche ist geradezu dramatisch. Dieses Jahr fehlen uns, nicht nur in der Hochsaison, weit über 300 Arbeitskräfte. Und auch viele Ausbildungsplätze konnten überhaupt nicht besetzt werden.“ Das habe sich nur schwer kompensieren lassen, so Johannsen, und dazu geführt, dass es Qualitätsprobleme bei den Angeboten für die Gäste gab, Mitarbeiter völlig überlastet waren und teilweise sogar ganze Bereiche in Hotels oder Restaurants geschlossen bleiben mussten.

Auch Gordon A. Debus, der Direktor des A-Rosa Resorts in List, klagt über einen „eklatanten Personalnotstand.“ Allein in seinem Hotel gibt es derzeit 18 bis 20 freie Stellen, die er am liebsten sofort mit Asylbewerbern besetzen würde. „Das ginge am besten in der Küche, im Bereich Floristik oder beim Housekeeping“, sagt Debus, „denn da kommt es weniger auf deutsche Sprachkenntnisse an, die ja vielen noch fehlen.“

Die Aktion von SU und Dehoga unterstützt der A-Rosa-Manager, wie viele Branchenkollegen, ausdrücklich – allerdings will er noch einen Schritt weitergehen: Gemeinsam mit dem ehrenamtlichen Sylter Flüchtlingsbetreuer Bernd Frühling plant Debus den Aufbau eines Integrations-Kolleg-Sylt in den Gebäuden des ehemaligen Jugendaufbauwerkes (JAW) in Hörnum. „Die ganze Infrastruktur mit einer Großküche ist ja noch vorhanden und gut erhalten. Das wäre ideal – die Flüchtlinge könnten dort zusammen wohnen, Deutsch lernen und auch ausgebildet werden.“
 

Leitfaden zur Arbeit von Flüchtlingen in Sylter Unternehmen

Grundsätzlich gilt in Deutschland während der ersten drei Monate nach Ankunft für alle Asylsuchenden ein Arbeitsverbot. Anerkannte Flüchtlinge brauchen jedoch keine Genehmigung und können, wie deutsche Arbeitnehmer auch, sofort eine Arbeit aufnehmen. Wohnraum müssen Arbeitgeber nicht zur Verfügung stellen – jedoch ist zu beachten, dass die Flüchtlinge in ihren Unterkünften meistens keine Einzelzimmer haben und die Arbeitsleistung darunter leiden kann, wenn dort Zimmernachbarn mit unterschiedlichen Tagesrhythmen zusammen leben.

Zur Beschäftigung von Asylsuchenden und Flüchtlingen auf Sylt gibt es folgende Möglichkeiten:

Hospitation, mit einer Dauer von zwei oder drei Tagen. Dafür ist keine Genehmigung erforderlich. Allerdings darf der Asylsuchende lediglich als „Gast“ Kenntnisse über betriebliche Abläufe erlangen. Er kann zuschauen, aber selbst keinerlei Arbeit verrichten und auch bei keiner Arbeit assistieren. Eine Hospitation ist keine Beschäftigung im Sinne des § 7 SGB IV und benötigt daher keine Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit und auch keine Genehmigung der Ausländerbehörde. Die Teilnahme ist unentgeltlich.

Praktikum, mit  einer Dauer von maximal vier  Wochen. Dafür ist lediglich eine Genehmigung durch die Ausländerbehörde erforderlich. Der Arbeitgeber muss ein Schreiben aufsetzen, das der Asylsuchende zusammen mit seiner Aufenthaltsgestattung der Behörde in Husum vorlegt. Dort wird ihm sofort die Arbeitserlaubnis für das Praktikum in seine Aufenthaltsgestattung eingetragen. Ein Praktikum ist zwingend unentgeltlich, anderenfalls genehmigungspflichtig.

Für eine Berufsausbildung ist keine Genehmigung durch die Bundesagentur für Arbeit erforderlich. Nähere Informationen erteilt die Ausländerbehörde in Husum.

Für eine Anstellung muss der Arbeitgeber die Stellenbeschreibung der Bundesagentur für Arbeit ausfüllen  und per Mail an die Ausländerbehörde schicken. Die Stellenbeschreibung wird zur Zentralen Arbeitsvermittlung (ZAV) weitergeleitet. Dort erfolgt eine Vorrangprüfung, ob ein deutscher oder EU-Bürger für die Besetzung der Stelle in Frage kommt. Dann wird der Ausländerbehörde die Entscheidung mitgeteilt, die  wiederum den Asylsuchenden informiert. Ist der Bescheid positiv, wird der Asylsuchende aufgefordert, seine Aufenthaltsgestattung nach Husum zu schicken, damit die Arbeitserlaubnis eingetragen werden kann. Die Bearbeitungszeit für solche Genehmigungen liegt derzeit bei vier bis sechs Wochen. Die Bezahlung eines Flüchtlings muss mindestens nach dem branchen- und ortsüblichen Mindestlohn erfolgen.

Weitere Infos über Danica Jansen, Verein Sylter Unternehmer, Stephanstraße 6 in Westerland, Telefon: 046 51-2 36 68, E-Mail: jansen@sylter-unternehmer.de, Internet: www.sylterunternehmer.de/beschaeftigung-von-asylsuchenden-und-fluechtlingen

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