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Aufruf : Flüchtlinge auf Sylt privat unterbringen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Interview spricht Juliane von Holdt über die Initiative der Integrationshilfe Sylt, Flüchtlinge auf der Insel zu Hause unterzubringen

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2015 | 05:30 Uhr

Werden Flüchtlinge auf der Insel bald auch privat untergebracht? Die Integrationshilfe Sylt veranstaltet am kommenden Dienstag, 20. Oktober, um 18 Uhr im Congress Centrum Sylt eine Informationsveranstaltung zu diesem Thema, bei dem unter anderem auch der Innenminister des Landes, Stefan Studt, als Schirmherr des Projektes anwesend sein wird. Die Sylter Rundschau hat mit Juliane von Holdt von der Integrationshilfe über die Veranstaltung und die Notwendigkeit der privaten Unterkunft gesprochen.

Frau von Holdt, Sie setzten sich dafür ein, dass Flüchtlinge auf Sylt privat untergebracht werden. Haben Sie denn auch ein Bett, das Sie anbieten werden?

Ja, das haben wir. Zur Zeit stehen wir im engen Kontakt mit dem Jugendamt vom Kreis Nordfriesland, weil wir dieses Bett mit einem minderjährigen unbegleiteten Flüchtling belegen wollen. Leider sind die Rahmenbedingungen vom Jugendamt noch nicht so weit, dass es da gerade vorangeht, es wird aber intensiv daran gearbeitet.

Ihre Veranstaltung richtet sich an Personen, die Flüchtlinge privat unterbringen möchten. Was möchten Sie an dem Abend vermitteln?

Es geht bei der Veranstaltung um das grundsätzliche Thema der privaten Unterkunft. Wir möchten Menschen, die eine Wohnung an Flüchtlinge vermieten wollen, die wichtigsten Fragen beantworten: Wie mache ich das, bekomme ich Geld dafür, wenn ja, wie viel. Außerdem wollen wir Sylter informieren, die darüber nachdenken, Flüchtlinge in ihrer Wohnung aufzunehmen und ob in so einem Fall Mietzahlungen übernommen werden und was beachtet werden muss. Dazu werden Fachleute zu den relevanten Themen referieren und es wird auch um psychosoziale Aspekte und interkulturelle Kompetenzen gehen. Also Fragen wie: Was habe ich für Erwartungshaltungen an meinen neuen Mitbewohner? Was hat er für Erwartungen an mich? Welche Probleme könnten im zwischenmenschlichen Bereich entstehen, die vielleicht vermieden werden können?

Kennen Sie denn auf Sylt bereits Menschen, die Flüchtlinge in ihrer Wohnung aufnehmen wollen?

Ja, ich kenne Sylter, die darüber nachdenken. Die haben ein Zimmer frei, in dem vielleicht Kinder gewohnt haben, die ausgezogen sind. Die spielen jetzt mit dem Gedanken, Flüchtlinge bei sich in der Wohnung aufzunehmen.

Werden Sie denn auch kontrollieren, wo die Flüchtlinge untergebracht werden?

Sicherlich werden sich die Räumlichkeiten angeguckt, wenn die Vermietung und Unterbringung über die Integrationshilfe Sylt erfolgt. Wir werden aber nicht die Personen überprüfen und Führungszeugnisse anfordern, das wäre ein bisschen übertrieben. Aber wer die Unterbringung über uns abwickeln möchte, steht auch mit uns im Kontakt.

Schleswig-Holsteins Innenminister Stefan Studt ist Schirmherr über das Projekt und wird bei der Veranstaltung anwesend sein. Ist das ein Zeichen für die Dringlichkeit dieses Themas?

Das Thema betrifft ganz Schleswig-Holstein. Herr Studt und auch Herr Albig haben ganz offen die Formulierung benutzt, dass es Priorität hat, dass bei uns im Land möglichst wenig Menschen frieren und hungern. Die private Unterbringung ist sicherlich nicht die Lösung für das große Problem der Unterbringung und mag in vielen Bereichen vielleicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein, aber viele Tropfen sind auch Wasser. Die Situation ist bundesweit katastrophal und ich denke Herr Studt hat eingewilligt, Schirmherr zu werden, weil er auch unserer Meinung ist: Dass jedes Bett zählt.

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