Reise auf die Insel : Flixbus streicht Sylt vom Fahrplan

Abfahrt um 15.45 Uhr: Von Mai bis September 2016 bediente der Flixbus mittwochs bis sonntags die Strecke vom Westerländer Zob über Flensburg und Hamburg bis nach München.
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Abfahrt um 15.45 Uhr: Von Mai bis September 2016 bediente der Flixbus mittwochs bis sonntags die Strecke vom Westerländer Zob über Flensburg und Hamburg bis nach München.

Fernbus von München über Hamburg nach Sylt wird in der kommenden Saison nicht mehr angeboten.

shz.de von
24. März 2017, 04:31 Uhr

Für sieben Euro bequem im Bus von Flensburg nach Sylt – ohne lästiges Umsteigen in Niebüll. Ein gutes Angebot, das aber nicht genug Fahrgäste überzeugt hat. In der kommenden Saison fährt der Flixbus Sylt nicht mehr an.

Am Himmelfahrtstag 2016 war Premiere – zum ersten Mal hielt der grüne Doppeldeckerbus auf dem Westerländer Zob. Mit zwei Stunden Verspätung erreichten damals Busfahrer Antal Farkas, sein Kollege Karsten Sonneck und sieben Fahrgäste den Busbahnhof. Der neue Fernbus war am Abend zuvor in München gestartet, hielt auf seiner Fahrt Richtung Norden unter anderem in Nürnberg, Hannover, Hamburg und Flensburg. Auch die Abreise klappte am Himmelfahrtswochenende nicht immer pünktlich. Der Flixbus nutzte den Sylt-Shuttle – und da stand er gemeinsam mit unzähligen Autos im Abreiseverkehr erst einmal im Stau.

Doch im Normalfall, sagen Flixbus-Nutzer, habe das Angebot sehr gut funktioniert. Von Sylt aus startete der Bus um 15.45 Uhr Richtung Festland und hielt das erste Mal um 18.10 Uhr am Flensburger Bahnhof. Kürzere Verbindungen dürfen Fernbusse in Deutschland aus rechtlichen Gründen nicht anbieten – 50 Kilometer sind das Minimum. So gilt ein Fernbus gemäß Personenbeförderungsgesetz auch nicht als Linienbus.

Der Aufwand für den Syltshuttle war nun auch einer der Gründe, die den Fernbusbetreiber zum Rückzug von der Nordseeinsel bewogen haben. „Für die Einstellung waren hauptsächlich die hohen Kosten verantwortlich“, sagt Flixbus-Sprecher Martin Mangiapia – „sowohl für den Sylt-Shuttle als auch für den Abstellplatz und anderes mehr.“

Das Münchner Unternehmen Flixbus schickt keine eigenen Busse auf die Straße – betrieben wird die Fernbusflotte von zahlreichen mittelständischen Busunternehmern. Der Bus nach Sylt gehörte der Firma Omnibus-Koch aus dem niederbayerischen Rohr. Flixbus selbst sorgt vor allem für das Marketing und den Online-Ticketverkauf, bei dem sich die Fahrpreise flexibel an die Nachfrage anpassen. Wer erst beim Fahrer sein Ticket kauft, bezahlt deutlich mehr als bei der Onlinebuchung in der Smartphone-App. Zur Digitalisierung des einst als Verkehrsmittel für alte Leute verpönten Reisebusses gehört denn auch auch das kostenlose Wlan an Bord.

Eine einzige Überfahrt mit einem Reisebus dieser Größe kostet beim DB Sylt-Shuttle laut Preisliste 218 Euro brutto – da müssen schon mehr als 30 Fahrgäste mit Sieben-Euro-Tickets an Bord sein, um überhaupt den Autozug wieder reinzuholen, ganz zu schweigen von Busbetrieb und Personalkosten. Doch in der Realität, so berichten Beobachter, erreichte die Zahl der Fahrgäste in Westerland nur selten das volle Dutzend.

„Nicht ganz überrascht“ vom Flixbus-Rückzug war denn auch Moritz Luft von der Sylt Marketinggesellschaft SMG, die das Fernbusangebot mitbeworben hatte. In seinen Augen war das Angebot zu kompliziert, die Fahrtzeit zu lang.

„Es war ein Test“, sagt Omnibus-Koch-Sprecher Florian Koch. Die Flixbus-Fahrt von Sylt nach Hamburg wurde für 13 Euro angeboten, doch auch mit 20 Euro sei die Strecke wirtschaftlich nicht zu betreiben gewesen. „Dazu wären mindestens 50 Fahrgäste nötig gewesen, aber die hatten wir nicht“, sagt Koch. Allein die Überfahrt mit dem Sylt-Shuttle habe hin und zurück 436 Euro gekostet. Deshalb habe sein Unternehmen im September die Reißleine gezogen und die Verbindung eingestellt.

Doch 2018 könnten die grünen Busse für Sylt-Besucher wieder an Bedeutung gewinnen. Flixbus-Pressesprecher Martin Mangiapia: „Für das kommende Jahr planen wir, attraktive Verbindungen nach Niebüll ins Programm zu nehmen, die dann perfekte Umstiegsmöglichkeiten nach Sylt ermöglichen werden.“

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