zur Navigation springen

Angelstopp am Außenriff : Fischerei-Verband spricht sich gegen Angelverbot aus

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ist Hochseeangeln bald passé? Der Verein beklagt mangelnde Kenntnis über Sylter Außenriff und kritisiert fehlende fachliche Begründung für Pauschalsperre.

shz.de von
erstellt am 01.Mär.2016 | 05:31 Uhr

Der deutsche Fischerei-Verband spricht sich gegen ein komplettes Angelverbot vor dem Sylter Außenriff aus. Nachdem eine Lobbyorganisation für den Schleswig-Holstein-Tourismus, der Tourismusverband Schleswig-Holstein (TVSH), in der vergangenen Woche bereits seinen Protest ausgedrückt hatte, positioniert sich jetzt auch der Fischerei-Verband mit Verwaltungssitz in Hamburg. Auch das Umweltministerium in Schleswig-Holstein hatte sich zuvor gegen ein komplettes Verbot ausgeprochen (wir berichteten). Vor rund einer Woche war bekannt geworden, dass das Bundesministerium für Umwelt plant, vor Sylts Küste ein Naturschutzgebiet einzurichten. Schlechte Nachrichten für Hochsee-Angler: Denn das Angeln soll dann in dem westlich von Sylt gelegenen Meeresgebiet künftig verboten werden.

„Es gibt keine Daten oder Fakten über den physikalischen oder biologischen Status quo des Gebietes, die eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes des Habitats oder der schützenswerten Poulation belegen“, heißt es in einem rund fünf Seiten langen Schreiben des Fischerei-Verbandes. Dieser übt zum Teil scharfe Kritik an den Plänen des Bundes. Die Freizeitfischerei-Verbote würden „ohne Kenntnis des tatsächlichen Ausmaßes der Feizeitfischerei“erfolgen, zudem fehle die Darstellung der ökologischen Auswirkungen. „Sollte eine Gefährdung von Schutzgütern durch die Angelfischerei stattfinden, gibt es jenseits von Pauschalverboten andere, angepasste Instrumente zur Regelung“, schreibt der Verband. Ein Angelverbot am Sylter Außenriff habe „im deutschen Naturschutzrecht keine Rechtfertigung und keine naturschutzfachliche Begründung“, schildert der Verein seine Sichtweise auf die Problematik. Abschließend empfiehlt er unter anderem, mit wissenschaftlich überprüfbaren Daten zu belegen, warum die Habitate schützenswert seien sowie die Kosten zu kalkulieren, die durch eine Sperre entstehen können.

Der Sylter Anglerverein zeigte sich angesichts des drohenden Verbots gelassen: „Ich kenne kaum jemanden der 60 Kilometer rausfährt um zu Angeln“, sagt der Sprecher des Vereins. Für die Angler auf der Insel seien die Pläne des Bundes „völlig unproblematisch“, da das geplante Natuschutzgebiet fernab der Küste liegt. Andere Angler auf der Insel sehen das anders: „Ich gehe seit über 50 Jahren Hochseeangeln und will auch weiter uneingeschränkt rausfahren können“, sagt ein Angler, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, beunruhigt.

Natürliche Riffe – wie das Sylter Außenriff, das aus Sandbänken und Steinriffen besteht – sind einmalig in den küstenfernen Gebieten der deutschen Nordsee. Das Areal gehört zum EU-Schutzgebietsnetz Natura 2000. Die Fischerei sowie der Abbau von Sand und Kies sind dennoch erlaubt.Die Pläne des Bundes für ein Angelverbot in neuen Naturschutzgebieten sollen demnach acht gemeldete Flora-Fauna-Habitate in Nord-und Ostsee betreffen. Neben dem Sylter Außenriff sind darunter unter anderen die Gebiete Kadetrinne und Pommersche Bucht in Mecklenburg-Vorpommern sowie der Fehmarnbelt in der westlichen Ostsee, die Doggerbank und der Borkumer Riffgrund. Bevor entschieden wird, will der Bund die Stellungnahmen von Politik und Verbänden prüfen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert