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Altar in St. Niels : Figur für Figur zurück zu altem Glanz

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Mühevolle Kleinstarbeit: Eine Restauratorin hübscht den Altar in St. Niels wieder auf.

Wenn Heike Binger spricht, strahlt sie eine große Ruhe aus. Ruhe ist für ihre Arbeit besonders wichtig: Heike Binger ist Diplom-Restauratorin für Gemälde und Skulpturen in Flensburg und ihr aktuelles Restaurierungs-Objekt ist der Altar in der kleinen Westerländer Kirche St. Niels.

Dass der Altar restauriert werden muss, fiel Pastor Christoph Bornemann schon vor einigen Jahren auf. Über das Landeskirchenamt kam der Kontakt zu Heike Binger zustande und Bornemann rief zu Spenden auf. Die Spendenaktion kam bei der Sylter Bevölkerung sehr gut an und die kleine Kirche konnte für ihr Vorhaben Spenden von 5 bis 5000 Euro verbuchen. Bei einer nötigen Gesamtsumme von 80 000 bis 90 000 Euro sind weitere Spenden aber gerne gesehen.

Der Altar stellt die Krönung Marias durch den Gottvater dar, eines der zentralen Bilder der katholischen Kirche. Flankiert wird die Szene von zwei Bischöfen, über Maria und dem Gottvater schweben drei Engel. In den Flügeln des Altars stehen die zwölf Apostel. Sechs der zwölf Figuren hat Heike Binger bereits in diesem Jahr in ihrer Flensburger Werkstatt bearbeitet. Die nächsten sechs folgen 2015. Die Restaurierung des Mittelteils soll realisiert werden, wenn die nötigen Spenden da sind. Pastor Bornemann erwägt auch die Idee, Patenschaften für die Figuren zu vergeben, um so eine Finanzierung zu ermöglichen.

Die Restaurierung des Altars gestaltet sich sehr aufwendig: „Vor allem müssen die Figuren von viel Staub und Schmutz auf der Oberfläche befreit werden. Schwarze Ablagerungen von Kerzenruß, Wachsspritzer und ein brauner Überzug haben den Zustand der Skulpturen in den letzten Jahren verschlechtert“, erzählt Binger und fügt hinzu: „Das Arbeiten mit den Skulpturen ist aber immer wieder spannend, denn jede Figur hat eine Geschichte.“

Ein Problem, mit dem die Restauratorin bei dem Altar in der Kirche zu kämpfen hatte, war, dass die Verbindungen zwischen den einzelnen Altarteilen nicht mehr ordentlich hielten: „Die Flügel des Altars sind sehr schwer und die Verbindungen zwischen den einzelnen Altarteilen waren zerstört“ erklärt sie. „Das war eine große Herausforderung für uns. Wir haben es aber geschafft, ein Konzept zu entwickelt, mit dem der Altar auch ohne viele Schrauben und ohne Bohren statisch stabil ist: Es sind filigrane Metallbänder an der Außenseite des Altar verlegt, die nur bei genauem Hinsehen erkannt werden können.“

Es wird angenommen, dass der Holzaltar um 1475 in Lübeck gefertigt wurde. „Möglicherweise war er auch in der alten Kirche in Eidum aufgestellt“ erklärt Pastor Bornemann und weiß eine kleine Anekdote zu erzählen: Von 1892 bis 1925 wurde die Szene der Marienkrönung von einem anderen Bild überdeckt. Wie es dazu kam, hat mit der Glaubensgeschichte der Insel zu tun: Während des Deutsch-Dänischen Krieges verliebte sich der österreichische Soldat Wenzel Wohner in eine junge Morsumerin und zog nach dem Krieg in den Norden. Die beiden bekamen sechs Kinder und lebten bis zu ihrem Tod auf der Insel. Es ist urkundlich belegt, dass Wohner der erste ortsansässige Katholik auf Sylt war, der dafür sorgte, dass im Zentrum Westerlands eine katholische Kirche gebaut wurde. Die evangelische Kirche St. Niels lag etwas abseits des Zentrums und die Räumlichkeiten waren zu klein für die Anzahl der Gläubigen. Da man ihnen den Bau einer neuen und größeren Kirche verwehrte, war ihnen der Bau einer katholischen Kirche ein Dorn im Auge und so kam es zu Reibereien der Gläubigen. Da es sich bei dem Altar um einen katholisches Werk handelt, beauftragte der damalige Pastor von St. Niels eine Künstlerin, ein Bild zu malen, mit dem die Krönung Marias schließlich abgedeckt wurde.

 

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erstellt am 22.Okt.2014 | 05:31 Uhr

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