Sylter Wehrführer : Feuerwehrmann mit Leib und Seele

Freut sich auf einen Sommer ohne Termindruck: Hauke Block, Gemeindewehrführer a.D., vor seinem Haus in Westerland.
Freut sich auf einen Sommer ohne Termindruck: Hauke Block, Gemeindewehrführer a.D., vor seinem Haus in Westerland.

Gemeindewehrführer a.D. Hauke Block blickt im Interview zurück auf 50 Jahre Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr

shz.de von
02. Juli 2015, 05:59 Uhr

Den Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr lernte er von der Pike auf – und brachte es zuletzt bis zum Amt des Gemeindewehrführers der Gemeinde Sylt. Nach sechs Jahren gab Hauke Block (64) diesen Posten nun ab. Unser Mitarbeiter Frank Deppe blickte mit ihm zurück – und auch in die Zukunft.

Herr Block, als Feuerwehrmann ist das für Sie ja ein besonderes Jahr, denn Sie feiern Jubiläum.
Das stimmt. 1965 zählte ich zu den Gründungsmitgliedern der Westerländer Jugendfeuerwehr.

Von da an ging es quasi konstant aufwärts ...
Richtig, 1966 wurde ich Jugendgruppenleiter, 1972 Jugendfeuerwehrwart. 1982 wählte mich die Versammlung zum stellvertretenden Wehrführer, 2004 dann zum Wehrführer.

Und 2009 wurden Sie als Gemeindewehrführer quasi das Oberhaupt aller sechs Ortswehren der Gemeinde Sylt. Welche Aufgabe verbirgt sich dahinter eigentlich genau?

Der Gemeindewehrführer ist gleichsam das Bindeglied zwischen den Ortswehren und der Gemeinde. Er berät zudem die Gemeinde in allen Feuerwehr-Fragen, übernimmt administrative Tätigkeiten und repräsentative Aufgaben.


Außerdem waren Sie vornehmlich bei Großeinsätzen der Einsatzleiter. Da bleiben sicherlich einige dramatische Erlebnisse in Erinnerung ...

Natürlich – insbesondere dann, wenn Menschen sterben, etwa bei Verkehrsunfällen oder Suiziden.


In diesem Zusammenhang ist die seelsorgerische Betreuung der Helfer ...
... sehr wichtig, insbesondere für die jüngeren Kameraden. Glücklicherweise haben wir auf Sylt sehr engagierte Pastorinnen und Pastoren.


In der Vergangenheit gab es einige Querelen zwischen den Ortswehren untereinander und auch mit dem Gemeindewehrführer. Wie belastend war das?

Natürlich hat das bei mir nicht gerade Freude erzeugt. Man muss aber auch den Zeitpunkt berücksichtigen: Sechs Ortswehren nach der Gemeindefusion unter einen Hut zu bringen, ist keine leichte Aufgabe. Es gab einige Reizthemen wie etwa die neue Westerländer Feuerwache, da waren die Fronten teilweise verhärtet und es ging bis ins Persönliche hinein. Aber all das ist deutlich besser geworden – das gemeinsame Fahrzeugkonzept der Wehren ist ein Beispiel für fruchtbare Zusammenarbeit.

Sie hätten theoretisch noch einmal kandidieren können ...

... dann hätte ich das Amt noch maximal drei Jahre bis zur vorgeschriebenen Altersgrenze ausüben können. Das ist für mich eine halbe Sache und macht wenig Sinn. Es war genau der richtige Zeitpunkt, den Posten in jüngere Hände abzugeben.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger Wolfgang Klodt? Stehen Sie ihm beratend zur Seite?Ich wünsche ihm vor allem eine gute Zusammenarbeit zwischen den Ortswehren. Natürlich stehe ich ihm auf Wunsch mit Rat und Tat zur Seite und dies war in den vergangenen Tagen auch schon der Fall.


Eine ganz andere Frage: Die Feuerwehren plagen Nachwuchssorgen, auch verschiedene Werbeaktionen brachten nicht den gewünschten Erfolg. Kann man dieser unerfreulichen Entwicklung überhaupt noch entgegen steuern?
Die Wehren bemühen sich nach Kräften. Aber wir dürfen dabei nicht vergessen, dass die Kommunen für den Brandschutz verantwortlich zeichnen. Ich halte es für durchaus sinnvoll, wenn die Gemeinde Sylt gerade mit Blick auf junge Menschen Anreize für den Dienst in der Feuerwehr schaffen würde. Das könnten bestimmte Vergünstigungen sein oder aber auch eine Kostenbeteiligung beim Erwerb von Führerscheinklassen – was sich bei Einsätzen dann ja wieder bezahlt macht.


Last but not least: Bleiben Sie der Feuerwehr verbunden – und wie nutzen Sie die neu gewonnene Freizeit?
Ich bin Feuerwehrmann mit Leib und Seele. Theoretisch könnte ich schon in die Ehrenabteilung übertreten, aber ich möchte noch drei Jahre in der Reserveabteilung verbleiben. Ich freue mich, dass der Termindruck jetzt raus ist – und werde sicherlich öfters am Strand beim Angeln anzutreffen sein...


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