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Orkan „Xaver“ : Feuerwehrmann auf Sylt: „Das war ein echter Kraftakt“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Westerlands Wehrführer spricht über Schlafentzug und Glück im Einsatz. Jörg Elias erklärt auch, warum er auf seine Kameraden stolz ist.

von
erstellt am 06.Dez.2013 | 16:35 Uhr

Seit 38 Jahren bei der Feuerwehr: Heute ist Jörg Elias Westerlands Wehrführer. Er leitete die Einsätze in den vergangenen Xaver-Sturmnächten.

Herr Elias, heute ist Freitag, momentan ist es 13 Uhr. Wann haben Sie das letzte Mal geschlafen?

Jörg Elias: Ich bin gestern Morgen gegen 8.30 Uhr auf die Wache gekommen. Seitdem sind die Kameraden und ich wach. Für Schlaf war keine Zeit.

Was schätzen Sie – Wann bekommen Sie die verdiente Pause?

Ich denke, dass wir etwas Ruhe haben werden, sobald alles abgearbeitet ist. Aber das wird sicher noch einige Stunden dauern. Im Moment ist unsere Stimmung noch sehr gut.

Wie oft sind Sie in der ersten Sturmnacht ausgerückt?

Eine genaue Zahl habe ich in diesem Moment noch nicht parat, es werden aber rund 100 Einsätze über die gesamte Nacht gewesen sein, die wir mit etwa 40 Mann abgearbeitet haben.

Welche Einsätze sind Ihnen persönlich am eindrücklichsten im Gedächtnis geblieben?

Sicher war der Einsatz auf dem Dach des Hauses Metropol nicht ohne, aber auch die Bugspitze der Sylter Welle hat uns auf Trab gehalten. Diese drohte im Sturm abzustürzen. Im Hotel Roth ist dann noch eine ganze Fensterfront in das Gebäude gedrückt worden. Kurz zuvor haben wir dort noch etwas zu essen bekommen und kaum waren wir raus, kam das Glas rein.

Das klingt so, als hätten Sie und ihre Kameraden da einen Schutzengel gehabt?

Das muss man wohl so sehen. Das hätte sicher auch anders ausgehen können.

Was haben Sie auf dem Dach des Metropol gemacht. immerhin hat das Gebäude 13 Stockwerke. Das dürfte sehr windig gewesen sein?

Dort oben drohte das Dach wegzufliegen. Deswegen haben wir die Oberfläche mit vielen Sandsäcke fixiert. Bevor wir auf dem Dach halbwegs sicher arbeiten konnten, mussten wir uns etwa eine Stunde lang mit speziellem Sicherungsgeschirr absichern. Danach konnten wir das 400 Quadratmeter große Dach dann ebenfalls absichern.

13. Stock, Orkanböen und einen Sandsack im Arm – spüren Sie da auch manchmal etwas Adrenalin? Oder sind Sie auch in solchen Momenten einfach nur tiefenentspannt?

(Lacht) Da bin ich ziemlich gelassen und genieße bei der Gelegenheit auch mal die Aussicht. Von dort oben sieht man ja sehr gut.

Statt Adrenalin lassen Sie also Routine walten?

Ja, so in der Art. Ich bin jetzt seit 38 Jahren bei der Feuerwehr. Da hat man natürlich schon den einen oder anderen Sturm miterlebt. Für die Jüngeren ist das vielleicht noch ein größeres Abenteuer.

Wo lagen in den ersten 24 Stunden von Xaver die Einsatzschwerpunkte?

Wir haben uns hauptsächlich um umgestürzte Laternen und Bäume, lose Dächer und zerstörte Schaufensterscheiben gekümmert. Es war immer etwas los, immer etwas zu erledigen.

Wie haben sich die Menschen am ersten Tag von Xaver verhalten?

Nachdem viele Menschen das Sturmtief Christian offenbar unterschätzt hatten, haben sich Sylter und Gäste zumindest am Donnerstag vorbildlich verhalten. Das muss man klar sagen. Vor fünf Wochen sind einige Kameraden im Einsatz sogar angepöbelt worden, diesmal ist das aber bisher alles toll gelaufen.

Heute, am Freitag, trauen sich aber schon wieder mehr Menschen auf die Straße. Unterschätzen diese Leute den Orkan erneut?

Ja, denn der Sturm ist noch nicht vorbei. Besonders in der Strandstraße und der Friedrichstraße bilden sich Windschneisen, die den Schaulustigen, die nur mal einen Blick auf die Promenade erhaschen wollen, zum Verhängnis wird und sie stürzen.

Sind Sie für solche Sturmnächte überhaupt richtig ausgerüstet? Haben Sie all das Material, das Sie brauchen?

Unsere Ausrüstung ist gut. Wir haben alles. Natürlich hätten wir mehr Männer gebrauchen können.

Sind Sie mit dem Verlauf der Einsätze zufrieden – hat alles nach Plan funktioniert?

Wenn ich daran denke, wie die Jungs hundert Sandsäcke auf das Dach des Hauses Metropol geschleppt haben und jetzt nach fast 30 Stunden im Einsatz noch immer gute Laune haben, dann bin ich sehr stolz auf meine Kameraden. Das war ein echter Kraftakt.

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