zur Navigation springen

Feuerwehr-Großübung in Westerland : Feuerprobe für Sylter Wehren

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ein Feuerwehr-Großeinsatz in Westerland lockte zahlreiche Schaulustige, als 60 Einsatzkräfte an einer Großübung teilnahmen.

Rauchwolken steigen aus den Fenstern im oberen Stockwerk des Syltness Center in Westerland, auf zwei Drehleitern werden Rettungskräfte in die Höhe gefahren, Blaulicht blinkt im Dunkeln. Was am Dienstagabend von Außen wie ein reales Schreckensszenario wirkte, war in Wirklichkeit eine Übung der Feuerwehr. Zweieinhalb Stunden probten 60 Einsatzkräfte der Wehren aus Westerland und Tinnum den Ernstfall. Das Ziel: Sich mit dem Gebäude vertraut zu machen, um möglichst schnell und effektiv reagieren zu können, falls es wirklich brennt.

„Alles ist gut gelaufen, aber es gab auch Dinge, die wir verbessern müssen“, sagt Wehrführer Jörg Elias am Tag nach dem fingierten Unglück. Aber gerade um Fehler oder Unsicherheiten zu bemerken und dann zu verbessern, sei diese Übung da.

Zwei Szenarien wurden in der Dr. Nicolas Straße durchgespielt. Das erste: Ein Unglück, das bei Wartungsarbeiten sowie Flex-und Schweißarbeiten, im weit verzweigten Keller des Gebäudes geschehen war. „Es kommt zu einer Verpuffung, durch die Druckwelle fällt eine schlecht gesicherte Schuttmulde um, genau auf die Beine von zwei Arbeitern, durch die Schmerzen sind sie bewusstlos geworden“, steht in der Beschreibung der Übung. Außerdem waren „eine Azetylen- und eine Sauerstoffflasche umgekippt, eine Flasche zischt laut. Der technische Leiter vermisst mehrere Arbeiter“, heißt es dort weiter. Mit Milchglas-Folie über der Atemschutzmaske – die die verrauchte Umgebung simulierten – mussten die Feuerwehrleute fast blind nach den im Keller vermissten zehn Verletzten suchen. „Die haben sich zum Teil auf allen Vieren vorgetastet um sich zurechtzufinden und die Menschen zu retten, wie bei echtem Qualm“, beschreibt Elias.

Die zweite Übung fand auf dem Dach des mehrgeschossigen Hauses statt. Hier sollten die Löschkräfte Dachdecker, die gerade Sanierungsarbeiten verrichteten, aus schwindelnder Höhe retten. In der Geschichte, die so auch in der Realität stattfinden könnte, werden die Arbeiter von einem Knall aufgeschreckt. Als sie das Dach verlassen, vergessen sie zwei Bunsenbrenner abzustellen. Eine Dachpappenrolle steht bereits in Flammen, als sie zurückkehren um die Brenner auszuschalten. „Dachdecker unternehmen einen Löschversuch und merken nicht, wie das Dach vor dem Gerüst mittlerweile Feuer gefangen hat und ihnen den Rückweg vom Dach abschneidet.“ Mit Nebelmaschinen wurde der Qualm simuliert.

Acht Verletzte mussten die Feuerwehrmänner auf verschiedenen Wegen in Sicherheit bringen – einen von ihnen mit schweren Rückenverletzungen, die er sich beim Sturz von Dach zugezogen hatte. „Da waren die Jungs ein bisschen eifrig, und haben den Schwerverletzten einfach so über die Leiter nach unten geschleppt“, sagt Elias. Normalerweise hätte er auf einer besonderen Vorrichtung nach unten gebracht werden müssen. 14 rund 70 Kilogramm schwere Puppen sowie vier Jugendfeuerwehrleute „spielten“ die Opfer. Die Nachbildungen aus Stoff und Holz hätten keine Körperspannung und kämen daher realen Verletzten nicht sehr nahe, erklärt Elias.

Bei einer Manöverkritik soll in den kommenden Tagen der Übungs-Einsatz besprochen werden. Beobachter waren während des Szenarios dabei und haben sich Notizen gemacht sowie fotografiert. „Gemeinsam soll dann besprochen werden, wie Kommunikation, Orientierung gelaufen sind, was gut lief und was verbessert werden muss“, erklärt Jörg Elias.

Die Großübung blieb nicht unbemerkt: Zahlreiche Schaulustige beobachteten am Dienstag das Spektakel in der Dämmerung. Autofahrer hielten mitten auf der Straße an, Menschen standen auf ihren Balkonen nahe des Syltness Center, oder in Gruppen auf der Straße, um die große Rettung der Puppen vom Dach zu verfolgen.

Zweimal pro Jahr - im Frühjahr und im Herbst - übt die Feuerwehr auf der Insel für den Ernstfall. Sylter und Urlauber vor dem Test-Einsatz zu warnen, würde das Ziel der Übung verfehlen, sagt Jörg Elias. Würde die Bevölkerung informiert, wüssten auch die Einsatzkräfte Bescheid. „Wir wollen trainieren, wie es ist, wenn keiner unserer Leute sich auf den Einsatz vorbereiten kann sowie mit allen realen Stressfaktoren und Anfahrswegen üben“, begründet der Wehrführer das Vorgehen.

zur Startseite

von
erstellt am 24.Sep.2015 | 05:11 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen