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Sylter Rundschau

15. Dezember 2017 | 07:58 Uhr

Webcams auf Sylt : Fernes ganz nah erleben

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Auf Sylt können mit Hilfe von Webcams unter anderem Seehunde vor List in ihrer natürlichen Umgebung beobachtet werden. Aber es werden auch Menschen in Restaurants gezeigt – manchem Datenschützer gefällt das nicht.

shz.de von
erstellt am 28.Jun.2016 | 18:24 Uhr

Mal eben schnell das Wetter im Lieblings-Strandlokal checken, Seehunde beobachten oder schauen, wie lang die Schlange an der Autoverladung ist: Webcams machen das möglich – zahlreiche Syltbesucher nutzen diese Bilder, um sich bequem von zu Hause auf die Insel zu träumen. Nach Recherchen von NDR 1 Welle Nord und des Schleswig-Holstein Magazins nehmen viele Webcams im Norden allerdings mehr auf, als sie eigentlich dürfen. Mehr als 30 dieser Spezialkameras, deren Inhalte offen zugänglich ins Netz gestellt werden, sind auf Sylt installiert: Die meisten von ihnen zeigen allerdings nur Aufnahmen, auf denen Menschen nicht identifiziert werden können.

Naturfans können zum Beispiel mit Hilfe einer Webcam – die an der Uthörn-Spitze in List auf einem 2,50 Meter hohen Mast steht – Seehunde und Vögel ganz nah beobachten. „Wir wollen den Menschen die Tiere nahe bringen, ohne ihre natürliche Umgebung zu stören“, sagt Matthias Strasser, Geschäftsführer des Erlebniszentrum Naturgewalten. Naturschutz und Naturbeobachtung gingen auf diese Weise ideal zusammen. Ein positiver Nebeneffekt sei zudem, dass er rechtzeitig sehen könne, wenn Menschen unerlaubt im Naturschutzgebiet umherstromern.

Ein idealer Service für an- und abreisende Sylturlauber sind die Webcams an den Autozug-Verladungen auf dem Festland und der Insel. Die Kamera mit dem originellen Fisheye-Objektiv in Niebüll wird von der Deutschen Bahn (DB) betrieben, sagt deren Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis. Für Westerland übernimmt die DB die Webcam des Sylter Freizeitteams und der Funktaxenzentrale, die am ZOB-Gebäude der SVG installiert ist. „Beide Kameras haben wir datenschutzrechtlich prüfen lassen“, so Meyer-Lovis. „Sie lassen sich weder schwenken noch zoomen. Autoschilder oder Personen sind nicht erkennbar.“ Wichtig auch: Die Webcams dienten nur der Information; es sei keine Videoüberwachung, nichts würde aufgezeichnet, betont der Bahnsprecher.

Gleiches gilt für die Webcams der Syltfähre in den Hafen List und Havneby – selbst im Zoommodus sind die Kennzeichen nicht zu entziffern. „Grundsätzlich ist das Interesse der User sehr groß“, sagt Director Sales Tim Kunstmann. „Wir merken das zum Beispiel an abreisestarken Tagen wie Pfingsten oder zu besonderen Events wie den Harley-Days.“ Viele würden die Kameras aber auch bei besonderen Wetterereignissen wie Hochwasser oder Stürmen nutzen.

Auf www.sylt.de verlinkt Sylt Marketing zu drei Webcams: „Wir haben dabei bewusst Standorte ausgewählt, die Bilder der schönen Insellandschaft und keine Personen zeigen“, erläutert Geschäftsführer Moritz Luft. Von Beschwerden habe er deshalb noch nie etwas gehört.

Anders ist das beim Strandrestaurant Wonnemeyer: Im Gegensatz zu übrigen Orten auf Sylt sind hier die Besucher des Strandrestaurants in Wenningstedt deutlich zu erkennen, während sie sich mit Bier und Kuchen stärken. Vor rund fünf Jahren beschwerten sich Datenschützer über möglicherweise verletzte Persönlichkeitsrechte, sagt Inhaber Rüdiger Meyer. Deshalb habe er den Bildausschnitt der Kamera verkleinert. Inzwischen schwenkt das bewegliche Panoramateil hin und her. Die Menschen seien mittlerweile jedoch toleranter geworden als zu seinen Webcam-Anfängen vor rund zehn Jahren – und „haben sich daran gewöhnt, dass sie überall gefilmt werden“, sagt er.

„Die Kamera ist dazu da, um Syltliebhabern eine Verbindung zum Strand zu geben und ihnen die Sonnenuntergänge zu zeigen“, sagt er. Außerdem sollen die Besucher einen Überblick über das Inselwetter bekommen. Viele Wonnemeyer-Fans stellten sich auch gezielt vor die Kamera, um digitale Grüße in die Heimat zu senden. Rund eine Million Klicks hätte die Online-Seite mit der Webcam pro Jahr.

Mario Witt hat die Webcam über seiner Crêperie Am Meer an der Westerländer Kurpromenade nur zu einem Zweck aufgehängt: Um morgens vor der Arbeit die Wellen zu sehen. „Dann entscheide ich, ob ich sofort zum Strand gehe und surfe, oder mich nochmal im Bett umdrehe“, sagt der leidenschaftliche Wassersportler. Gesichter kann man auf den ins Web übertragenen Bildern nicht erkennen, allein das Meer liegt hier im Fokus der Kamera.

Auch die Gemeinde Sylt hat eine Kamera installiert: Sie filmt das Westerländer Rathaus sowie den Platz davor. „Die Webcam ist so positioniert, dass man keine Menschen identifizieren kann“, sagt Bürgermeister Nikolas Häckel. Ihm sei es wichtig, dass Urlauber und Gäste, die vor dem Gebäude laufen, geschützt werden. „Wir machen hier den Spagat zwischen Personenschutz und Urlaubsvorfreude“, sagt er. Beschwerden wegen der Kamera habe es bisher keine gegeben.

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