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„Schnarchmodus“ auf Sylt : Feldweg statt Datenautobahn: Sylter Internet bleibt schwach

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Überlastete Netze und zumindest in den kommenden Monaten keine Lösung in Aussicht: Woran das Sylter Internet krankt.

Sylt | Wer abends oder bei Regenwetter auf Sylt am heimischen Computer dieser Tage im Internet surfen will, der kann schnell frustriert werden: Besucher und Sylter klagen gerade während der Sommermonate über langsames oder sehr wechselhaftes Internet auf der Insel. „Das hat momentan nicht viel mit Datenautobahn zu tun - ist eher ein Feldweg“, schreiben Nutzer in sozialen Netzwerken. Dort wird seit Wochen darüber spekuliert, was man gegen die Verlangsamung des Netzes tun kann.

Um es vorweg zu sagen: So gut stehen die Chancen nicht, dass sich in absehbarer Zeit etwas verbessert. Von Seiten der Telekom heißt es nach wie vor, dass von einem Problem auf Sylt nichts bekannt sei. Allerdings würde eine Umstellung auf einen sogenannten IP-Anschluss „höhere Geschwindigkeiten“ ermöglichen, so eine Sprecherin auf Anfrage der Sylter Rundschau. Darauf würde die Telekom ihre Kunden auch hinweisen. „Das ist Unsinn“, sagt dagegen der Telekommunikationsexperte und Geschäftsführer der Netzkontor Nord GmbH, Dirk Müller. Die Telekom habe ohnehin angekündigt, bis 2018 auf die digitale IP-Technologie umzustellen. Damit sei aber sicher kein schnelleres Internet verbunden. Auch im Netz berichten Sylter darüber, dass sie trotz Umstellung auf einen IP–Anschluss besonders abends kaum eine Web-Seite öffnen können.

Weiterhin betont eine Sprecherin der Telekom, dass den Kunden die in ihren Verträgen festgeschriebenen Bandbreiten auch auf Sylt zur Verfügung gestellt werden. Auch davon haben die Kunden in der Realität aber nicht viel: So schreibt die Telekom selbst in ihren Geschäftsbedingungen, dass die gebuchte Übertragungsgeschwindigkeit nicht zugesagt und dass Störungen nicht ausgeschlossen werden können. Damit hat sich das Unternehmen gegen Klagen derjenigen abgesichert, die eigentlich „schnelles Internet“ gekauft haben, aber nur den „Schnarchmodus“ bekommen.

Ein wenig nachvollziehbarer könnten die Internetgeschwindigkeiten Ende dieses Jahres werden, wenn im Bundestag die sogenannte Transparenzverordnung verabschiedet werden soll. „Dann muss jeder Netzbetreiber offen legen, was sein Netz wirklich leistet und dem Kunden deutlich machen, was für Geschwindigkeiten er mindestens erwarten darf“, erklärt Dirk Müller. Dann wissen auch die Sylter, ob nun 1, 10 oder 50 Mbit pro Sekunde bei ihnen ankommen. „Auf Sylt werden wahrscheinlich recht niedrige Bandbreiten ankommen“, vermutet Müller.

Um ihren Kunden stabile und hohe Geschwindigkeiten zu garantieren, müsste die Telekom also ihr Netz ausbauen, bestenfalls die Sylter Haushalte direkt ans Glasfasernetz anschließen, erklärt der Netzexperte. Diese teure Lösung stellt sich zumindest bei den öffentlich einsehbaren Planungen der Telekom nicht dar. „Eine kleinere Lösung, die die Störungsrate verringern würde, wäre mit der sogenannten VDSL-Technik möglich“, erläutert Müller weiter. Ohne auf die technischen Details einzugehen: Dafür müssten unter anderem die Kabelverteilerschränke, also die grauen Kästen an den Straßen, nachgerüstet werden. Laut Telekom steht VDSL bisher nur an wenigen Ecken der Insel, zum Beispiel im Westerländer Kurzentrum, zur Verfügung.

Auf der Seite www.t-online.de kann unter der Rubrik Netzausbau nachgesehen werden, was auf der Insel verfügbar ist und was die Telekom plant. Ein VDSL- oder gar Glasfaser-Ausbau ist demnach für Sylt nicht in Planung. Und damit müssen die Insulaner dann leben – andere Netzanbieter stehen den Privathaushalten der Insel bisher nicht zur Verfügung. Das kann sich allerdings ändern: Kabel Deutschland kündigt auf Anfrage unserer Zeitung an, im Geschäftsjahr 2015/2016 die Insel mit ihrem Netz zu versorgen. Wann es genau so weit sein soll, und wie schnell das Kabel-Deutschland-Netz dann ist, steht allerdings noch nicht fest.

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erstellt am 18.Aug.2015 | 05:42 Uhr

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