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Konzert auf Sylt : Feinsinniges Spiel mit Moll und Dur

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Verein Kulturhaus Sylt präsentiert im Friesensaal das Duo „Fjarill“: Kammermusikalischer Folk und Weltmusikpop mit Jazz-Einsprengseln.

„Wir sind beide sehr harmoniebedürftig“, schmunzelt Aino Löwenmark. Und ihre „Fjarill“-Partnerin Hanmari Spiegel ergänzt: „Wenn wir nicht im Einklang sind, klingt auch unsere Musik nicht.“ Und in der Tat scheint ihr jüngstes Album „Stilla Tyd“ von keinerlei Misstönen getrübt: Die beiden Künstlerinnen entspinnen ein feinsinniges Spiel mit Moll und Dur in den Songs ihrer „Leisen Zeit“ – wehmütig, manchmal sogar elegisch in den Stimmungen, doch in keinem Moment verstörend oder sich aneinander reibend.

„Streiten tue ich lieber mit meinem Mann“, lacht die temperamentvolle Schwedin Löwenmark, während ihre ruhige südafrikanische Freundin fast nüchtern analysiert: „Gerade beim Musizieren ist es uns wichtig, dem anderen ganz genau zuzuhören: Was macht sie gerade? Wohin geht das Stück? Wer setzt den nächsten Ton?“

So treten die Pianistin und die Geigerin denn anders als im Studio bei ihren Konzerten oft auch ohne weitere Musiker an. „Zu zweit sind wir ganz frei“, erklärt die 42-jährige Hanmari Spiegel. „Wir können viel mehr improvisieren und auch lange Momente der Stille auskosten.“ In dieser Stille – oder vielmehr dem Mut, eben diese Stille auszuhalten – liegt denn auch eines der Geheimnisse der Faszination, die von Fjarills Musik ausgeht. Einer Musik, die sich in zeitlosen Sphären zwischen kammermusikalischem Folk und Weltmusikpop mit Jazz-Einsprengseln bewegt, vor allem aber einem Lauschen nach den Tönen, um sodann ihren Klangwegen zu folgen.

„Ainos Gesang hat schon damals etwas ganz tief in mir berührt“, erinnert sich Hanmari Spiegel an ihre allererste Begegnung mit der schwedischen Sängerin und Pianistin. „Da klang eine Ehrlichkeit und Klarheit durch, die ich aus meiner südafrikanischen Heimat kannte und liebte.“ Und als kurz darauf für einen Weihnachtsbasar in Eppendorf ein paar Musiker gesucht wurden, ward aus dem Fan und der Künstlerin urplötzlich ein Duo. „Das hat richtig Spaß gemacht, wir haben einfach improvisiert, und doch war es gleich wie in einem großen, vertrauten Fluss ...“

Was im ersten Moment erstaunt: Immerhin ist die eine auf einem Hof in der Region Dalarna im hohen Norden aufgewachsen, während die andere ihre Kindheit 12  000 Kilometer entfernt auf einer kleinen Farm nahe Pretoria verbrachte. Bis eines Tages die Liebe beide unabhängig voneinander an die Elbe verschlug und sie sich auf jenem Weihnachtsbasar über den Weg liefen. Dreizehn Jahre ist das inzwischen her – heute schweben die Wahlhamburgerinnen als Duo Fjarill gemeinsam auf einer großen, unwirklich schönen musikalischen Welle, die sie längst auch über die deutschen Grenzen hinausträgt.

Wunderbar entspannt, ja manchmal wie dahin gehaucht strömen ihre Lieder dahin. Leicht, fast schwebend begleiten da neben Klavier und Violine Flügelhorn, Cello, Bass, Lap-Steel-Gitarre, Akkordeon oder sachte Perkussion Löwenmarks Gesang. Eine Stimme, die niemanden unberührt lässt – und das, obgleich kaum einer hierzulande die Texte versteht, singt die 44-Jährige doch in ihrer Muttersprache: „Das klingt viel schöner als auf Englisch oder Deutsch – und wen’s interessiert: Es gibt ja in Deutschland so viele Volkshochschulen ...“ Eine kesse Pippi-Langstrumpf-Frechheit – und doch ebenso treffend wie die nachdenklichere Anmerkung ihrer Violin-Partnerin: „Wenn du den Text nicht verstehst, öffnet sich dein Herz viel mehr für die Musik.“

Als „Kindermusik für Erwachsene“ hat ein Kritiker diesen ebenso warmen wie fragilen Sound einmal beschrieben – und das Strahlen in ihren Augen offenbart, dass die beiden Mütter sich kaum ein größeres Kompliment vorstellen können. „Kinder können sich Musik viel mehr öffnen – und sie können ganz viel Ruhe aushalten.“ Laute Töne gibt es andernorts schließlich schon genug.


Fjarill sind am Sonnabend, 29. Juli, zu Gast im Keitumer Friesensaal. Das Konzert beginnt um 20 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr. Karten gibt es im Vorverkauf für 25 Euro bei allen bekannten Sylter Vorverkaufsstellen, telefonisch unter 04651-4711 oder für 28 Euro an der Abendkasse.




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erstellt am 22.Jul.2017 | 05:48 Uhr

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