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Faszinierende Blicke auf die Sylter Wirklichkeit

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Inselfotograf Hans Jessel packt seine „Urbanen Landschaften“ nach der Ausstellung in der Alten Post ein und freut sich über viel Zuspruch für seinen neuen Blick auf die Insel

Die letzten drei Wochen haben dem Sylter Fotografen Hans Jessel Mut gemacht, auch die anderen Seiten seiner bislang stets idyllisch dargestellten Heimatinsel zu zeigen. Gestern endete seine Ausstellung „Urbane Landschaften“ in der Stadtgalerie, in der Jessel die vom Menschen und nicht von der Natur geprägte Insel zeigt.

„Ich habe unglaublich viel Zuspruch bekommen, von Einheimischen wie von Urlaubern, die froh waren, Sylt endlich mal so gezeigt zu bekommen, wie es auch ist“, sagt der Fotograf, der es ein wenig Leid geworden war, mit seinen Bildern seit 30 Jahren das Klischee einer Insel-Idylle zu bedienen, die es so eigentlich kaum noch gibt.

Ob Autospuren im Sand, Stromkästen in den Dünen oder Menschenmassen am Strand – erstmals zeigte Jessel nicht ein Idealbild, sondern das pure Inselleben, wie es wirklich ist.

Besonders erstaunt hat den 57-Jährigen, der drei Wochen lang jeden Tag fünf Stunden in seiner Ausstellung gesessen hat, um mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen, „wie aufgeklärt und kritisch die meisten Leute sind, die Sylt trotz der ganzen Hochglanz-Werbung genauso wahrnehmen wie ich.“

Um keinen falschen Eindruck zu erwecken, macht Hans Jessel deutlich, dass es ihm bei seinem neuen künstlerischen Ansatz nicht um eine Verneinung seiner bisherigen Arbeit geht, sondern um eine zusätzliche Sichtweise auf die Insel. „Die Landschaftsfotografie wird auch weiter mein Thema bleiben, weil die Insel eben auch wunderschön sein kann. Aber manchmal muss man seine Sichtweise auch neu kalibrieren.“

Zeit, sich Gedanken zu machen, wie das gehen soll, hatte Jessel in den letzten drei Wochen trotz zahlloser langer Gespräche mit Ausstellungsbesuchern genug. „Ich möchte mit diesen Bildern auf jeden Fall auch in den überregionalen Raum gehen, erstmal vermutlich nach Schleswig und Altona. Und ich werde wohl beide Sichtweisen der Insel schrill gegenüber stellen. Schließlich zeichnet es die Insel ja aus, dass hier jeder findet, was er sucht.“

Faszinierend daran ist neben dem neuen Fokus auf die Sylter Realität auch die unverkennbare Handschrift des Fotografen Hans Jessel, der selbst den vermeintlichen Schattenseiten der Insel noch eine ästhetische Seite abgewinnt. Vom Licht über Perspektive bis hin zum Bildschnitt wirken selbst die Hässlichkeiten fast immer faszinierend schön. Vielleicht ist das ja auch ein Grund dafür, dass sich durch den neuen Jessel „niemand auf den Schlips getreten fühlt“, wie er die Reaktionen der vielen Besucher beschreibt, die ihn fast alle schon vorher als Landschaftsfotografen kannten.

Dass er seinen Weg der größeren fotografischen Vielfalt auf jeden Fall weitergehen will, steht für Hans Jessel längst fest. Neben einer Serie mit Porträts von Menschen in der Landschaft und Aufnahmen von Westerländer Hinterhöfen hat er bereits begonnen und damit die Grundlage für weitere interessante Projekte gelegt. Sein ganz persönliches Fazit: „Mir hat diese Ausstellung gut getan.“

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erstellt am 30.Okt.2013 | 00:33 Uhr

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