zur Navigation springen

Kunst auf Sylt : Familientreffen im Heimatmuseum

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Für die Ausstellung "Ein Künstlerleben auf Sylt" stellten zahlreiche Insulane Gemälde und Zeichnungen zur Verfügung.

Skuril und äußerst selbstbewusst sei er gewesen, dazu überaus talentiert, aber auch sehr eigenwillig – und der größte Maler der Insel Sylt. So beschrieb Kunsthistoriker Ulrich Schulte-Wülwer den Künstler Carl Christian Feddersen, dessen Werkschau am Donnerstag im Heimatmuseum am Keitumer Kliff eröffnet wurde. Darüberhinaus war Feddersen außerordentlich produktiv: über 2 000 Bilder hat er auf Sylt gemalt, davon allein 200 Mal eines seiner Lieblingsmotive, die Kirche St. Severin.

Viele der Werke des 1876 in Tondern geborenen Malers und Grafikers befinden im Besitz von Insulanern, haben einen Ehrenplatz in der Wohnküche oder der guten Stube. Hatten dort ihren Platz muss es korrekt heißen – denn seit dem Aufruf in der Sylter Rundschau melden sich immer neue Besitzer oder Sammler eines „echten C.C. Feddersen“, um sich von den wertvollen Gemälden oder Zeichnungen zumindest auf Zeit zu trennen und sie als Leihgaben für die bis Ende Februar nächsten Jahres laufende Ausstellung zur Verfügung zu stellen.

Museumsleiterin Dörte Ahrens präsentierte am Abend der Vernissage zwei Werke, die gerade erst eingetroffen waren. Eines aus dem Jahr 1919 zeigt die Dorfstraße von Wrixum auf Föhr und gehört zu den selteneren farbigen Ölgemälden des Künstlers. Das andere Bild passt hervorragend zum Ausstellungsort – denn auf der Kohlezeichnung von 1923 ist das ehemalige Kapitänshaus am Kliff abgebildet, in dem sich heute das Heimatmuseum und die umfangreichen Exponate zur Inselgeschichte befinden.

„Oh ja, so kennen wir unser Sylt auch noch“, sagten freudig viele ältere Besucher der Ausstellung. Margot Lornsen, die Witwe des Keitumer Schriftstellers Boy Lornsen, stellte zwei Bilder zur Verfügung – eines zeigt das Elternhaus ihres Mannes: „Das hat meine spätere Schwiegermutter Maria 1930 selbst bei Feddersen in Auftrag gegeben. Besonders liebe ich die kleinen Details, wie zum Beispiel das erleuchtete Fenster. Denn genau da befand sich das Zimmer des damals erst achtjährigen Boy.“ Eine Geschichte zu seinem Feddersen-Bild weiß auch Lütje Hinrich Theissen zu erzählen: der Archsumer entdeckte Anfang der 1970er Jahre in einem Keitumer Antiquitätengeschäft die „Mondnacht. Mühle an der Ostsee“ des Künstlers aus dem Jahr 1912. „Es war stark verschmutzt, ziemlich heruntergekommen“, erinnert sich Theissen. „Aber ich dachte mir: den Strich kennste doch. Das ist ein C.C. Und ich hatte mich nicht getäuscht.“ Er erwarb das Gemälde für nur 200 D-Mark, ließ es reinigen, aufarbeiten und neu rahmen. Nach der Ausstellung wird es wieder im Wohnzimmer hängen, neben der Leselampe: „Wenn das Licht brennt, beginnt unser Feddersen regelrecht zu strahlen“, freut sich Theissens Frau Lisa.

Solche Schilderungen, solche Erinnerungen begeisterten nicht nur den Historiker Schulte-Wülwer, der zur Zeit Feddersen schriftlichen Nachlass erforscht, sondern auch zwei Nachfahren des Künstlers, die zur Ausstellungseröffnung nach Keitum kamen. Sohn Frithjof aus dritter Ehe hat dem Heimatmuseum außer Bildern und Skizzen umfangreiche Materialien wie Briefe, Fotografien, Postkarten und auch das Keitumer Notgeld, das sein Vater 1922 gestaltete, als Dauerleihgabe überlassen. Gemeinsam mit Christian Hinrich, dem Enkel aus Feddersens erster Ehe, beantwortete er geduldig und sachkundig die vielen Fragen der Besucher zu Person und Schaffen des großen Künstlers C.C. Feddersen.

zur Startseite

von
erstellt am 04.Okt.2014 | 06:18 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen