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Sylter Rundschau

23. August 2017 | 21:49 Uhr

Falken gegen Möwen – 0:1

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Drachen in Form von Raubvögeln sollen Möwen von den Dächern der Insel vertreiben / So schnell lassen diese sich aber nicht erschrecken

Sie sind in fünf Minuten aufgestellt, wetterbeständig und verursachen keinen Lärm: Die so genannte Falken-Drachen flattern an einer Art Angelrute und erheben sich bei leichtem Wind in die Luft. Diese Greifvogel-Attrappen gelten auf Sylt in dieser Saison als neuester Trend, um Möwen von Hausdächern zu vertreiben. Doch so furchteinflößend wie die Menschen hoffen, finden die weißen Seevögel auf der Insel diese falschen Falken offenbar nicht

„Die Möwen haben schnell geblickt, dass der Vogel nicht über seinen Radius hinauskommt“, sagt Sven Edling, technischer Leiter des Insel Sylt Tourismus Service (ISTS). Die Tiere sitzen weiterhin auf dem Dach, knapp außerhalb der Falken-Flugbahn. Unermüdlich drehen seit rund drei Wochen zwei schwarze Falken über dem Syltness-Center im Westerländer Kurzentrum ihre Runden (wir berichteten). Die Drachen sollen die Möwen vertreiben, die sich gerne auf dem Dach des Gebäudes niederlassen, um von hier ihre Raubzüge zu starten. Nach Fischbrötchen, Eiswaffeln oder Crêpes jagen die dreisten „Promenadengeier“ besonders hier, wo sich viele Touristen aufhalten.

Der ISTS-Technikchef will jetzt zwei weitere Attrappen bestellen, um das komplette Dach abdecken zu können. „Auch damit wir nicht jeden zweiten Tag die Fenster von Möwendreck befreien müssen, wollen wir die Vögel vertreiben“, sagt Edling.

Die 1,20 Meter breiten und 65 Zentimeter langen Scheinvögel sind nur eines von vielen Mitteln, die auf Sylt gegen die Tiere eingesetzt werden: Unter anderem sollen hochfrequente Töne, kleine Töpfchen mit speziellem Gel, und Tonband-Aufnahmen mit Schreien von feindlichen Greifvögeln als „Waffen“ gegen die kreischenden Vögel helfen. Alles nur mit begrenztem Erfolg.

Tom Neumann, stellvertretender Marktleiter des Hagebaumarkts auf Sylt, beschäftigen die Möwenschwärme schon länger: Seit Ende 2015 versucht auch er, die Vögel mit einer Falken-Attrappe vom Dach im Tinnumer Industriegebiet zu verscheuchen.Bisher zeigt die Idee auch hier eher mäßigen Erfolg: Nachdem der flatternde Drache die weißen Tiere zunächst verscheuchte, sitzen sie inzwischen wieder frech auf ihrem Stammplatz. „Die Möwen sind listig und schlau – die merken es, dass der Falke ihnen nichts tut“, sagt Neumann. Damit das System wirklich funktioniert, müsse man ein wenig Arbeit investieren. Um den Gewöhnungseffekt zu vermeiden, würde er den Drachen zwischendurch für zwei bis drei Tage abbauen. „Wenn man ihn dann wieder aufbaut, ist der abschreckende Effekt für die Möwen wieder neu da“, erklärt Neumann seinen Trick.

Mit Vögeln kennt sich Rudolf Barth aus: In seinem Online-Shop „Vogelabwehr und Mehr“ verkauft er verschiedene Vogelscheuch-Falkendrachen. Auch wenn die Drachen ursprünglich nicht zur Möwen-, sondern zur Vogelabwehr auf Gemüse- und Obstplantagen entwickelt worden sind, werden sie hier als wirksam gegen Möwen angepriesen. „Im Moment ist die Nachfrage sehr stark – vor allem bei Solaranlagen und Flachdächern, auf denen Vögel nisten, sowie in der Landwirtschaft, aber auch gegen Möwen“, sagt Barth. Besonders der „Vogelscheuch-Falkendrachen-Anlage 1“ sei sehr effektiv bei allen Tieren, die einen angeborenen Fluchtinstinkt vor Raubvögeln haben. Das Modell für rund 66,54 Euro ist gerade ausverkauft, soll aber bald wieder auf Lager sein. Außer Möwen soll die große Vogelattrappe aus Kohlefasergerippe noch einige andere gefiederte Wesen vergrämen: Neben kleinen Spatzen und Staren soll sie – laut Hersteller – größeren Tiere wie Fischreihern und Kormoranen oder Gänsen Furcht einflößen. Was bei Spatz & Co funktioniert, scheint aber bei Möwen nicht ganz so leicht zu sein.

„Das sind keine dummen Tiere“, bestätigt auch Lothar Koch. Die Falken-Attrappe verschrecken zwar viele Vogelarten, bei den robusteren Möwen kommt es aber vermutlich am schnellsten zu einem Gewöhnungseffekt, sagt der Sylter Biologe.

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erstellt am 05.Apr.2016 | 05:21 Uhr

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