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Diskriminierung in Wenningstedt? : Fahrradständer statt Behindertenparkplätze

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Eine Wenningstedter Urlauberin fühlt sich durch die Parksituation an der Dünenstraße diskriminiert.

von
erstellt am 15.Okt.2014 | 05:42 Uhr

Wenningstedt | Fahrradständer statt Behindertenparkplätze: Auf dem großen Parkplatz an der Wenningstedter Dünenstraße wurden die bisherigen Parkplätze für Menschen mit Behinderungen, die nahe an der Promenade und den gastronomischen Betrieben liegen, mit Metall-Fahrradständern voll gestellt. Stattdessen wurden am nördlichen Ende des Parkplatzes neue Behindertenparkplätze eingerichtet. Dieser Ort sei für die Betroffenen nicht gerade sinnvoll ausgewählt, beschwerten sich mehrere Leser bei der Sylter Rundschau.

Eine Urlauberin hatte den Parkplatz während ihrer Syltaufenthalte bisher häufig genutzt: „Da ich gehbehindert bin, ist mir die Möglichkeit dort ganz oben auf dem großen, vom Tourismusservice betriebenen Parkplatz am Kindergarten/Gosch nahe dem Kurzentrum zu parken bislang sehr günstig erschienen“, schreibt uns Maika Knackstedt. Beim diesjährigen Besuch entdeckte die Isernhagenerin, die seit Jahrzehnten Urlaub auf der Insel macht, die Fahrradständer. Nun könne sie „leider nicht Fahrrad fahren“, schreibt die Frau in einer Mail an die Verwaltung, sie sei auf ihren Rollstuhl angewiesen. Dass deshalb nun auf dem aus ihrer Sicht stark abfälligen Gelände „in der letzten Ecke“ parken soll, empfindet sie als Diskriminierung. Mit dem Rollstuhl sei die Steigung des Parkplatzes für die 56-Jährige nicht mehr zu bewältigen: „Für mich bedeutet das, dass ich hier nicht mehr an die Promenade kann – es gibt Meerblick für mich sonst nur auf Promenaden in Westerland, List oder Hörnum.“ Sie hofft, dass die Gemeinde Wenningstedt bis zu ihrem nächsten Besuch eine behindertenfreundliche Lösung für den Parkplatz gefunden hat.

Henning Sieverts, Tourismusdirektor der Gemeinde Wenningstedt-Braderup, weiß um die Problematik mit den Parkplätzen für Menschen mit Behinderungen. Mittelfristig soll das Gelände rund um den Gosch und das Restaurant Kartoffelkiste ohnehin überplant werden (wir berichteten), dann werde auch die Parkplatzfrage neu aufgegriffen, sagte Sieverts gegenüber unserer Zeitung. Doch dass die Fahrradständer momentan auf den ehemaligen Behindertenparkplätzen angeordnet sind, habe auch seine Gründe: Fahrradfahrer hätten dort ohnehin regelmäßig ihre Räder abgestellt „und damit faktisch die Behindertenplätze blockiert“. Mit dieser Entscheidung solle „ganz sicher kein gehbehinderter Mensch diskriminiert werden“, heißt es von Sieverts weiter, „ganz im Gegenteil bemühen wir uns sehr darum, Menschen mit Gehbehinderung den Zugang zum Strand und damit den Aufenthalt in Wenningstedt-Braderup zu erleichtern.“

Beispiele für dieses Engagement seien die fünf elektrischen Strandrollstühle und der geplante Schrägaufzug der neuen Haupttreppe. Auch in Sachen Behindertenparkplätze werde nachgearbeitet: Direkt am Haupteingang des Haus des Gastes sollen ebenfalls zwei Behindertenparkplätze entstehen. Und, so Sieverts: „Vor dem Lindner-Hotel befinden sich bereits jetzt Behindertenparkplätze, von denen aus man auch zur Promenade gelangt.“ Letztere seien allerdings für Menschen wie sie, die kräftemäßig im Rollstuhl nur kurze Strecken schafften, zu weit vom Blick aufs Wasser entfernt, sagt Maika Knackstedt. Beim Bau der Parkplätze am Haus des Gastes würde sie sich wünschen, dass die neuen Parkplätze möglichst nah Richtung Promenade gebaut wird, damit es für sie wieder eine Möglichkeit gibt, unproblematisch in Wenningstedt aufs Wasser zu gucken.

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