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Autonomes Fahren : Fahrerloser Bus kommt nach Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Einsatz ist ab Sommer 2018 auf öffentlichen Inselstraßen geplant.

von
erstellt am 29.Jul.2017 | 05:02 Uhr

Eine App auf dem Smartphone macht’s möglich – und innerhalb weniger Minuten steht der Bus vor der Tür. Ohne einen Fahrer, wie von Zauberhand gelenkt. Nur noch einsteigen, und schon bringt einen das Vehikel an den gewünschten Ort. Und zwar elektrisch – ohne Motorenlärm und Qualmwolke. Das hört sich an wie Sciencefiction, soll aber schon nächsten Sommer auf Sylt wahr werden.

Das Bundesverkehrsministerium fördert das autonome Busfahren in Nordfriesland mit 2,38 Millionen Euro. Davon sollen drei autonom fahrende Elektrobusse angeschafft werden, die in Enge-Sande auf dem Greentec-Campus, auf Sylt bei der SVG und auf dem Festland bei der Autokraft eingesetzt werden. Geleitet wird das Projekt von dem Hamburger Beratungsunternehmen EurA AG, mit im Boot sind der Verkehrsplaner Interlink aus Berlin, das Softwareunternehmen Fast-Lean-Smart aus Heikendorf bei Kiel, der Flensburger Elektroantriebsbauer Moteg und die Kieler Christian-Albrechts-Universität.

In Nordfriesland soll erprobt werden, wie die Automatisierung des Straßenverkehrs im ländlichen Raum funktioniert. Die Einwohnerzahl sinkt, der Altersschnitt steigt – damit wächst die Bedeutung für einen öffentlichen Personennahverkehr, mit dem die Menschen zuverlässig in die nächste Stadt gelangen können. Doch in vielen Dörfern lohnt der Busverkehr nicht mehr – hier können die kleineren Elektrobusse ohne Fahrer eine Alternative bieten. Auf Sylt kommt der touristische Bedarf hinzu – Gäste ohne Auto suchen ein flexibles Fortbewegungsmittel. Deswegen fand der Projektvorschlag des Hamburger EurA-Büroleiters Harald Eifert auch schnell die Unterstützung des Sylter Landschaftszweckverbandes, in dem die Bürgermeister der Insel vertreten sind.

Das Projekt für die Westküste heißt „NAF-Bus“ – es geht um die Entwicklung eines nachfragegesteuerten autonom fahrenden Busses, erläutert EurA-Projektleiter Ralph Hirschberg, der seine Zelte auf dem Greentec-Campus in Enge-Sande aufgeschlagen hat. Damit soll das innovative Mobilitätskonzept „ÖPNV on demand“ – also ein öffentlicher Personennahverkehr ohne feste Routen und Fahrpläne – vorangebracht werden.

Das Forschungsprojekt ist auf drei Jahre angelegt und endet im Juni 2020. Finanziert werden die drei Fahrzeuge (Stückpreis 200  000 bis 250  000 Euro) sowie die Personalkosten für die Inbetriebnahme, die Software-Entwicklung und eine Akzeptanzstudie. Als nächstes definieren die Projektpartner ihre Forderungen an die Fahrzeuge, dann folgt die Ausschreibung, erläutert Hirschberg. Drei Bushersteller kämen derzeit infrage: Navya und Easy Mile aus Frankreich und Local Motors aus den USA.

Im Frühjahr 2018 könnte der erste Bus auf dem Greentec-Gelände in Enge-Sande in Betrieb gehen, glaubt Hirschberg. Auf dem 130 Hektar großen Gelände des ehemaligen Marinemunitionsdepots werden Mitarbeiter aus der Windenergiebranche geschult. Im Sommer 2018, schätzt Harald Eifert, könnte dann ein NAF-Bus auf Sylt in Betrieb gehen. Im dritten Schritt ist der Einsatz bei der Autokraft auf dem nordfriesischen Festland geplant. „Wir können uns gut vorstellen, dass die Verwendung zwischen Flughafen und Westerland/Zob eine ideale Teststrecke für dieses Projekt ist“, sagt SVG-Chef Sven Paulsen. Für Paulsen ist klar, dass sich die automobile Zukunft in den nächsten zehn Jahren immens verändern wird: Nachhaltigkeit, Elektromobilität, autonomes Fahren und Vernetzung würden den ÖPNV künftig entscheidend prägen. Eine On-Demand-Lösung könnte in verkehrsschwachen Zeiten helfen, ist sich Paulsen sicher. „Für uns ist es erst einmal wichtig, die Technologie und die Akzeptanz der Gäste zu erforschen.“

Allerdings werden die Fahrgäste nicht gleich mit dem modernen Vehikel allein gelassen, klärt Hirschberg auf. An Bord ist zwar kein Fahrer, aber ein „Operator“ oder ein „Steward“, der per Joystick jederzeit ins Geschehen eingreifen kann. Und das Tempo wird zunächst auf 20 bis 40 Stundenkilometer begrenzt.

Damit wären vielleicht auch die Bedenken vom Tisch, die der Sylter Bürgermeister Nikolas Häckel geäußert hat. Aufgrund erster Unfälle auf Teststrecken sei er gegen ein Modellprojekt auf der Insel. „Sylter und unsere Gäste sollten in unserem beengten Verkehrsraum keine Crashtest-Dummies sein“, mahnt Häckel. Sobald das autonome Fahren aber erprobt und sicher ist, würde er seine Vorbehalte aufgeben.

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