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Projekt “The Job of my life“ : Fagott, Posaune und Kochtopf

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der angehende Koch Eduardo Jimenez ist begeistert von seiner Lehrstelle – und von der Sylter Big Bang Band

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2014 | 06:02 Uhr

Den Hotels und Gaststätten in Schleswig Holstein mangelt es zunehmend an Auszubildenden, und Sylt ist ganz besonders betroffen. So beschloss die Dehoga Sylt, an dem Projekt The job of my life teilzunehmen, einem Förderprogramm der Bundesagentur für Arbeit, das ausländische Lehrlinge anwerben und unterstützen soll (wir berichteten).

Eduardo Jimenez ist glücklich, dass er bei Anja und Claas-Erik Johannsen auf dem Benen-Diken-Hof so eine Anstellung gefunden hat: „Ich hatte 40 Bewerbungen vorliegen“, berichtet Anja Johannsen und fährt lächelnd fort: „Eduardo spielte Fagott und Posaune im Orchester, er hat in Spanien schon ein Studium zum Bauingenieur abgeschlossen und wollte trotzdem bei uns eine Ausbildung zum Koch machen. Das alles fand ich sehr interessant.“ Eigentlich sei es schon klar gewesen, dass er nach Sylt kommt, dennoch wurde ein Urlaub auf Gran Canaria genutzt, um sich ein wenig kennen zu lernen.

Von März bis Mai absolvierte der junge Spanier dann sein (Schnupper-)Praktikum im Benen-Diken- Hof, das bedeutete: vormittags arbeiten, nachmittags Sprach-Unterricht, und zwar online mittels einer Art Konferenzschaltung. Nach dem Praktikum in Keitum reiste der 27-jährige für drei Monate nach Hause, setzte seinen Sprachunterricht jedoch fort, und kehrte zum ersten September auf die Insel zurück, er hatte einen Ausbildungsvertrag bekommen. „Eduardo ist begeistert von allem Deutschen“, verrät seine Chefin und fügt lachend hinzu. „Ordnung und Pünktlichkeit findet er gut. Ein bisschen untypisch für einen Spanier.“ Er selbst bestätigt: „Ja, es gefällt mir, wie die Deutschen leben und ich mag Sylt.“ Zumal es hier noch eine Sache gibt, die ihn ganz besonders begeistert: Die Sylter Big Bang Band. Anja Johannsen stellte den Kontakt zur Band her und zeigte ihrem Schützling, wo er die Musikschule findet, denn dort wird Freitags immer geprobt. Eduardo wirkt meist eher zurückhaltend, doch als das Thema Musik zur Sprache kommt, wird er lebhaft: „Ich spiele seit zehn Jahren Fagott und seit fünf Jahren Posaune. In Spanien habe ich in mehreren Orchestern klassische Musik gemacht, da lief alles immer sehr streng.“ Er lacht laut auf: „Die Big Band ist viel lustiger, manchmal tanzen sie sogar und wir haben viel, viel Spaß!“

Dennoch will er nach Möglichkeit weiterhin Posaunen- Unterricht nehmen und betont: „Man muss immer dazu lernen.“ Genauso motiviert ist er, was seinen (zukünftigen) Beruf angeht: Er kocht auch privat oft deutsche Gerichte, dafür hat er sich extra neue Töpfe und Pfannen angeschafft. Und im Winter will er auf der Volkshochschule den „Deutsch-für-Ausländer-Kurs" besuchen. Anja Johannsen freut sich über seine Lernbereitschaft: „In Spanien liegt die Arbeitslosigkeit bei über 50 Prozent. Hier kann und wird er seine neue Chance nutzen.“ Lächelnd fährt sie fort: „Aber die Musik, die scheint ihm fast noch wichtiger zu sein.“ Dazu meint Eduardo: „Die Big Band hat mich so herzlich aufgenommen, und alle freuen sich, weil ich als einziger dort Posaune spiele.“ Noten stellen für ihn natürlich kein Problem dar und Verständigungsprobleme gibt es auch kaum: „Musik ist eben eine internationale Sprache.“


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