MS Adler-Express : Fährunglück auf Amrum: „Ungeheure Wucht“ riss sie zu Boden

Martha Engelke Fähre Amrum
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Großes Lob zollt die verletzte Martha Engelke den Rettungskräften.

Die ungeheure Wucht schleuderte sie zu Boden: Martha Engelke aus Oldendorf bei Stade war an Bord der „Adler-Express“, als die Fähre am Mittwochvormittag den Anleger im Hafen in Amrum rammte.

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05. Juni 2014, 16:48 Uhr

Wittdün | Es sollte ein fröhlicher Ausflug werden. Doch die Schifffahrt mit der MS „Adler-Express“ endete auf Amrum in einer Katastrophe mit 27 verletzten Passagieren. Zu ihnen gehört auch Martha Engelke aus Oldendorf bei Stade. „Wir sind morgens um vier Uhr aufgestanden, um rechtzeitig das Schiff auf Nordstrand zu erreichen“, berichtet die 73-Jährige. Der Männerkegelclub Oldendorf organisierte eine Schiffsrundfahrt, zu der auch die Ehefrauen eingeladen waren. Zusammen mit ihrem Mann Ewald Engelke freute sie sich auf die Fahrt, wenn auch mit gemischten Gefühlen. „Ich habe es nicht so mit dem Wasser und Schiffsfahrten habe ich bisher so gut wie möglich gemieden.“ Doch ihrem Mann zu Liebe überwand sie ihre Skepsis und nahm die Einladung an.

Zuerst lief alles wie gewünscht, das Wetter präsentierte sich von seiner besten Seite. „Wir hatten viel Spaß und konnten auch viel miteinander erleben.“ Und als die Ankunft auf Amrum über die Bordlautsprecher angekündigt wurde, bereitete sich auch das Ehepaar darauf vor und ging in Richtung Ausgang. „Plötzlich hörten wir über den Lautsprecher die Aufforderung, sich unbedingt festzuhalten.“ Daraufhin hielt sie sich an einer Stange fest. Doch dann habe es einen ohrenbetäubenden Knall gegeben und das Schiff sei heftig durchgerüttelt worden. „Ich habe mich durch die ungeheure Wucht nicht mehr halten können und flog wie viele andere Passagiere auf den Boden.“ Koffer, Geschirr und selbst die Kinder flogen durch die Luft. „Es war ein grausames Bild, das ich nicht mehr vergessen werde.“ Ihr war sofort klar, dass sie sich verletzt hatte.

Auf einer Trage musste sie aus dem Schiff geholt werden. Was sie dann erlebte, kann sie nur mit viel Dankbarkeit und Lob schildern. „Die Helfer waren sehr schnell da, das lief alles sehr ruhig und professionell ab.“ Mit dem Hubschrauber der Bundespolizei wurde sie mit anderen Verletzten zum Flughafen Husum Schwesing gebracht, von wo aus sie mit dem Rettungswagen ins Klinikum Husum transportiert wurde. „Hier bin ich sofort gründlich untersucht worden, das war sehr gut organisiert.“ Doch das Ergebnis der Untersuchungen verschlug ihr dann doch die Sprache. „Die Ärzte teilten mir mit, dass der Verdacht eines Beckenbruchs vorliegt.“ Weitere Untersuchungen sollen unternommen werden, um zu prüfen, ob eine Operation nötig ist. „Es wäre mir recht, wenn ich nach Stade verlegt werden könnte, da wäre ich näher zu Hause.“ Für Ehemann Ewald verlief die Kollision glimpflicher ab. Er konnte ohne Verletzungen das Schiff verlassen. „Das war für mich eine große Erleichterung, da er sich jetzt um unseren behinderten Sohn kümmern konnte.“

Inzwischen ist aber das Rätselraten um die Ursache des Unglücks beendet. Nach derzeitigem Stand soll ein defektes Schaltmodul für das Unglück verantwortlich sein. „Dadurch konnte die Maschine nicht umgesteuert und die Geschwindigkeit nicht reduziert werden“, so eine Pressesprecherin. Sven Paulsen, Reederei-Inhaber, eilte nach dem Unfall nach Amrum, um sich ein Bild von der Lage zu machen. „Mit Blick auf die heutigen Ereignisse bei dem Schiffsunglück mit unserem Fahrgastschiff ,Adler-Express', möchten wir unser tiefes Bedauern aussprechen und uns vielmals bei allen zu Schaden gekommenen Fahrgästen herzlich entschuldigen“, so Paulsen am Unfallort. „Ein ganz besonderen Dank möchte ich allen an der Rettungsaktion beteiligten Hilfskräften von Amrum und dem Festland, für ihren professionellen und schnellen Einsatz aussprechen“, so Paulsen weiter.

Nach der Besichtigung durch einen Mitarbeiter des Germanischen Lloyd (GL) befindet sich die „Adler-Express“ momentan in der HDR-Werft in Husum, wo von der Wasserschutzpolizei und der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) Untersuchungen zur Unfallursache laufen. Als Ursache wurde der für die Steuerung benötigte Joystick ausgemacht, der dem Antrieb falsche Signale gab. Der Sachschaden an der MS „Adler-Express“ wird momentan auf ca. 20.000 Euro geschätzt.

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