Kurzinterview : Fährunfall auf Amrum: Gurtpflicht geht zu weit

Das Fährschiff war im Hafen von Amrum gegen den Anleger gestoßen.
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Das Fährschiff war im Hafen von Amrum gegen den Anleger gestoßen.

Nach dem Fährunfall im Hafen von Amrum untersuchen Experten die Unglücksursache. Volker Schellhammer, Direktor der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung, spricht im Interview über die Sicherheit an Bord.

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05. Juni 2014, 14:11 Uhr

Wittdün | Der Schreck nach dem Fährunfall auf Amrum sitzt tief. Doch der Unfall vom Mittwochvormittag ist nicht der erste dieser Art – auch nicht auf Amrum. Bereits im September 2012 kam es hier zu einem ähnlichen Vorfall mit mehreren Verletzten: Das Fährschiff „Eilun“ rammte den Anleger, weil die Backbordmaschine ausgefallen war – damals war ein verstopfter Dieselfilter schuld. Im Interview mit shz.de spricht Volker Schellhammer, Direktor der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung, über mögliche Konsequenzen für die Sicherheit an Bord der Fähren.

Unfälle, wie der mit der MS „Adler Express“ im Hafen von Amrum, passieren immer wieder. Muss man sich damit abfinden?
Wo Sie viel Technik haben, haben Sie auch viel Anfälligkeit. Noch ist aber nicht ganz klar, ob es ein technischer Defekt war. Die Suche nach dem Fehler läuft noch. Das kann auch noch einige Zeit dauern, denn manchmal handelt es sich um ein ziemlich kleines Teil, das zu einem solchen Ausfall führt, und das ist dann schwer zu finden.

Was können mögliche Konsequenzen eines solchen Unglücks sein?
Es ist ein Phänomen, dass die Leute schnell von Bord wollen – erst wollen sie schnell rauf, dann schnell runter. Sie stehen dann wild in den Gängen und vor allem in den Abgängen. Im Inneren der Fähre ist alles aus Metall und nicht gepolstert. So kann ein verhältnismäßig kleiner Stoß schwere Verletzungen hervorrufen.

Überlegungen einer Gurtpflicht gibt es nicht?
Das würde zu weit führen. Die Menschen wollen sich an Bord bewegen. Sie wollen etwas Vergnügen und nicht alles reglementiert haben. Man kann den Gästen aber empfehlen, solange sitzen zu bleiben, bis die Fähre angelegt hat.

Wie reagiert ein Kapitän in einem solchen Fall am besten?
Wenn ein Kapitän dieses Manöver 100 Mal gefahren ist und beim 101. Mal merkt er, dass die Maschine sich nicht zurückrudern lässt, hat er nicht mehr viel Zeit. So ein Schiff ist wendig und es dauert dann nur noch kurz bis zum Anleger. Oft ist es dann auch zu spät, die Gäste zu warnen.

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