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Sylter Rundschau

18. November 2017 | 09:47 Uhr

Fabelhafte Wesen und Grunge-Rock

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bildende Künstler und Musiker sind die Ostergäste im Atelier Klint und bilden eine kreative Mischung aus Gemeinsamkeiten und Gegensätzen

von
erstellt am 16.Apr.2014 | 10:46 Uhr

„175 Gramm Blaam, zwei Esslöffel Hampe, eine Messerspitze Klint, ein kräftiger Schuss Bengtsson, eine Prise Smear Jam Bread – und das alles serviert mit leckeren Fingerfood-Kreationen.“ So beschreibt der Sylter Maler Peter Klint das künstlerisch-kulinarische Programm der Vernissage zur Ausstellung „Kunstgäste 15“, die am Ostersonntag, 20. April, ab 19 Uhr stattfinden wird.

Als „umtriebiger Netzwerker im Kulturbereich“, wie sich der auf Facebook und in Webblogs unermüdlich tätige Tinnumer selbst bezeichnet, holt er seit fünf Jahren immer wieder Maler, Grafiker, Autoren und Musiker als Gastkünstler auf die Insel. „Mit den meisten habe ich zunächst nur Kontakt über das Internet“, erzählt Peter Klint. „Wenn mir etwas besonders gut gefällt und wenn die Künstler Zeit und Lust haben, lade ich jeweils zwei von ihnen zu meiner Ausstellung ein.“ Das Kennenlernen IRL, also in real life, erfolge also erst auf Sylt und sei für Gastgeber, Kunstgäste und natürlich für alle Besucher stets eine „spannende Erfahrung mit einer kreativen Mischung aus Gemeinsamkeiten und Gegensätzen.“

Aus Veldhoven in den Niederlanden kommt diesmal Annelies Blaam. Bereits seit früher Kindheit setzt die 57-Jährige ihre Emotionen in kolorierte Zeichnungen um. Dass ihre Bilder ein Ergebnis zähen Ringens, des Zweifelns und der Frustration seien, sehe man ihrer Malerei an, findet sie. Die detailreichen Wiedergaben erlebter oder erträumter Szenen sind Tummelplätze überspitzend karikierter und teils fabelartiger fantastischer Figuren, die – so mühselig der Schaffensprozess auch gewesen sein mag – dem Betrachter durchaus so manches Schmunzeln entlockt.

Zweiter Gast auf Sylt ist Susanne Hampe – auch sie verarbeitet künstlerisch die Spuren ihrer Gefühlswelten, allerdings mit Stickobjekten auf alten Buchseiten und Transparentpapier. Die Arbeiten der 1967 geborenen Dresdnerin erinnern in ihrer Schlichtheit und liebenswerten Versponnenheit an Kinderzeichnungen und archaische Höhlenmalereien. Wiederkehrendes Element ist das „Gerippchen“. Es stehe, so Hampe, nicht unbedingt für Vergänglichkeit, sondern stelle das allen Menschen gemeinsame Grundgerüst dar.Schließlich mache erst die Persönlichkeit aus dem Einzelnen ein Individuum.

Peter Klint selbst stellt neue Werke aus und bedient sich wie immer seines Lieblingsinstruments: der Reduzierung des Dargestellten auf das Wesentliche. Seine Bilder sind ein experimentelles Spiel mit Farbe und Kontrast, ungewöhnlichen Perspektiven, ironischer Überzeichnung und den Sehgewohnheiten des Betrachters. „Ich sehe in meiner Arbeitsweise Analogien zum Punkrock, wo triviale, aber nicht unoriginelle Kompositionen fraglos durchschlagende Wirkung erzeugen“, sagt der 42-jährige Sylter.

Eine gelungene Überleitung zum musikalischen Teil der Vernissage: Die Sylter Nachwuchsband Smear Jam Bread gefiel Peter Klint beim diesjährigen Henner-Krogh-Förderpreis so gut, dass er sie spontan zu einem Grunge-Rock-Auftritt eingeladen hat. Das zweite Mal zu Gast ist Martin Bengtsson aus Malmö. Der 28-jährige Schwede wollte beides sein: Kurt Cobain und Roberto Baggio. Dieses Dilemma trieb den ehemaligen Fußballer 2004 in einen Selbstmordversuch. Seine biografische Achterbahnfahrt und das jähe Ende seiner Profikarriere verarbeitete Bengtsson in dem Buch „Freistoß ins Leben“, vor allem jedoch als Singer/Songwriter in seinen Liedtexten.

„Der Eintritt zu unseren Veranstaltungen ist übrigens grundsätzlich frei“, betont Peter Klint. „Wer kann und möchte, darf den Musikern allerdings gerne etwas in den Hut werfen.“ Die Ausstellung „Kunstgäste 15“ läuft bis zum 25. Juli und kann nach telefonischer Vereinbarung besichtigt werden. Atelier Klint, Ringweg 10, Tinnum, Tel: 04651-8897904, www.atelierklint.de


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