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Bordell-Debatte : Eve’s-Umzug: Sylt will nun einen Sperrbezirk

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Um Straßenprostitution in Westerland zu verhindern, soll der Kreis Nordfriesland nun eine neue Verordnung für die Innenstadt erlassen.

Gut eineinhalb Jahre, nachdem die Gemeinde Sylt erfolgreich gegen den Bau eines Edelbordells in der Westerländer Innenstadt gekämpft hat, wird im Rathaus wieder kontrovers über das Thema Prostitution diskutiert.

Der Grund dafür: Das Etablissement „Eve’s“, seit 33 Jahren am Stadtrand von Westerland gelegen, will in die Ortsmitte umziehen. Die Bewohner des Appartementhauses „Ankerlicht“, in deren Erdgeschoss das „Eve’s“ einziehen will, laufen dagegen Sturm.

Auch Nikolas Häckel, Bürgermeister der Gemeinde Sylt, kündigte an, dass die Gemeinde alles unternehmen werde, um einen Bordellbetrieb in der Innenstadt zu verhindern. So einfach ist das allerdings nicht: Während der jüngsten Sitzung des Bauausschusses wurde deutlich, dass die Gemeinde kaum eine Handhabe gegen den geplanten Umzug hat.

Momentan wird er nur dadurch verzögert, dass der Kreis Nordfriesland einen Baustopp für die neuen Räumlichkeiten verhängt hat: Die Betreiber hatten die Umbauten ohne gültige Baugenehmigung begonnen. Es ist allerdings wahrscheinlich, dass der Kreis den Umbau früher oder später genehmigen wird. Auch das machte Bürgermeister Nikolas Häckel auf der Sitzung deutlich – sehr zum Unmut der zahlreichen Besitzer der Ferienwohnungen im „Haus Ankerlicht“, die den Zuschauerbereich des Rathaussaals füllten.

Letztendlich beschloss der Ausschuss mit einer Enthaltung und einer Gegenstimme, dafür zu sorgen, dass der Kreis Nordfriesland eine Sperrbezirksverordnung für das betroffene Gebiet erlässt. Allerdings: Offiziell darf im „Eve’s“ auch heute schon keine Prostitution betrieben werden. Für die derzeitigen Räumlichkeiten ist lediglich ein Schankbetrieb genehmigt, und auch für die neuen Räumlichkeiten in die Westerländer Mitte wurde lediglich eine Schankgenehmigung beantragt, erläuterte Häckel.

„Schankwirtschaft! Wer’s glaubt, wird selig“, schaltete sich daraufhin Gerd Nielsen (SPD) unter schallendem Applaus der Ankerlicht-Bewohner in die Diskussion ein. An die richtete Nielsen dann auch seine Worte: Der geplante Umzug des Bordells sei für die Anwohner „eine Zumutung“. Gemeinsam mit CDU-Gemeindevertreter Holger Flessau appellierte er an die Besitzer der Räumlichkeiten, Gespräche mit der Gemeinde aufzunehmen und von ihrem Plan doch noch abzusehen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass zwei auf Sylt so bekannte Geschäftsleute sich wissentlich gegen die Interessen der Gemeinde stellen wollen.“

Piraten-Gemeindevertreter Christian Thiessen hielt dagegen: Prostitution sei in Deutschland nicht verboten, er lehne diese Stigmatisierung einzelner Berufsgruppen ab und wehre sich gegen eine weitere „Panikmache“. Zudem erinnerte Thiessen an die Bordell-Diskussionen vor rund eineinhalb Jahren.

Damals hatte der Stuttgarter Großbordell-Besitzer Jürgen Rudloff ein Edelbordell in der Westerländer Strandstraße eröffnen wollen. In der damaligen Diskussionen war das „Eve’s“ von der ehemaligen Bürgermeisterin Petra Reiber stets als positives Beispiel für einen nicht störenden Bordellbetrieb angeführt worden, dessen Betreiberin Eve Gablenz sich positiv in die Sylter Gemeinschaft einbringe. „Die vom Eve’s waren doch immer die Guten“, erinnerte Thiessen, „was hat sich denn geändert? Singt Frau Gablenz etwa nicht mehr im Kirchenchor?“

Die restlichen Ausschussmitglieder ließen sich von diesen Argumenten allerdings nicht umstimmen und drängten auf die Umsetzung der Sperrbezirksverordnung. Diese hatte die Gemeinde auch schon anlässlich der Rudloff’schen Bordellpläne beim Kreis beantragt – nachdem der Stuttgarter seine Plänen zurückgezogen hatte, wurde die Umsetzung aber offenbar als obsolet betrachtet.

Generell, erklärte Häckel, könne diese Sperrbezirksverordnung nicht für die gesamte Gemeinde Sylt gelten, sondern nur Straßenprostitution in einzelnen Straßenabschnitten verbieten. Das, was im „Eve’s“ selbst oder in dafür zusätzlich angemieteten Räumlichkeiten stattfinden könnte, kann eine Sperrbezirksverordnung nicht verhindern.

 

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erstellt am 12.Aug.2015 | 05:39 Uhr

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