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Finanzlücke : EU-Mittel lassen auf sich warten

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11,5 Millionen Euro kostete das Erlebniszentrum Naturgewalten in List. Von der EU waren fünf Millionen Euro Fördermittel zugesagt. Davon fehlen aber noch drei. Wenn es schlecht läuft, muss das Zentrum die Summe bis 2011 zwischenfinanzieren.

shz.de von
erstellt am 10.Jun.2009 | 06:12 Uhr

List | Eigentlich hätte Matthias Strasser allen Grund zur Freude. Denn das Erlebniszentrum Naturgewalten, dessen Leiter er ist, findet knapp vier Monate nach der Eröffnung großen Zuspruch seitens der Besucher. Was Strasser Sorgen bereitet, sind die Finanzen. Denn bisher sind die von der EU zugesagten Fördergelder in Höhe von fünf Millionen Euro noch nicht in vollem Umfang angekommen. "Uns fehlen noch etwa 1,9 Millionen Euro", sagt Strasser. Geld, das das Erlebniszentrum zwischenfinanzieren müsse. "Für uns sind das gleich im ersten Betriebsjahr enorme Zusatzausgaben", so der Zentrumsleiter.
EU behält vorerst fünf Prozent der Fördergelder zurück

Warum die Gelder aus dem europäischen Strukturfonds nicht ankommen, ist einfach erklärt: Die von der EU zur Verfügung gestellten Finanzmittel werden unter dem Dach des schleswig-holsteinischen Regionalprogramms 2000 von der Landesregierung an förderungswürdige Projekte weiterverteilt. Das Problem: Die Projekte, die sich im Förderungszeitraum 2000 bis 2006 frühzeitig angemeldet haben, bekamen ihre beantragten Gelder sofort in vollem Umfang. Alle anderen, die sich wie das Erlebniszentrum erst zum Ende des Förderungszeitraumes bewarben, müssen auf einen Teil des Geldes warten. Denn die EU behält fünf Prozent der Gesamtförderungssumme zurück, bis alle Projekte im Land abgewickelt sind.
"Das Land muss jetzt Verantwortung übernehmen"

"Da alle EU-Gelder immer sofort weitergeleitet wurden, ist nun nicht mehr genug für die spät gemeldeten Projekte da", erklärt Matthias Volmari von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Nordfriesland, der auch im Aufsichtsrat des Erlebniszentrums sitzt. "Ich schätze die offenen Zahlungen auf 15 bis 20 Millionen Euro." Bis spätestens 2011 müsse die EU dieses Geld an das Land überwiesen haben, das erst dann weiterverteilen könne.

"Für das Erlebniszentrum ist das eine viel zu lange Zeit", erklärt Ingbert Liebing (CDU), nordfriesischer Bundestagsabgeordneter und ebenfalls Aufsichtsratsmitglied beim Erlebniszentrum. "Das Land muss jetzt die Verantwortung übernehmen und die Zwischenfinanzierung tragen", fordert er. "Da man dort gewusst hat, dass die EU fünf Prozent der Gesamtfördergelder zurückhält, hätte man nicht gleich alles weiterverteilen dürfen."
"Uns sind die Hände gebunden"

Beim Land gibt man zu, diesbezüglich in einer "misslichen Situation zu stecken", wie Karin Fehlau, Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Kiel gestern sagte. "Allerdings sind uns die Hände gebunden, da die EU die fünf Prozent eben erst nach Prüfung der Projekte an uns auszahlt. Wir haben die Fördergelder immer gleich komplett weitergeleitet, da wir uns als Land nicht vorwerfen lassen möchten, daraus Zinsen gewinnen zu wollen."

Fehlau kündigte allerdings an, dass man in Kiel derzeit nach Lösungen suche, um die Zwischenfinanzierung zu stemmen. So sollen Fördergelder, die nicht genutzt wurden, neu verteilt werden. "Das Erlebniszentrum müsste dann zumindest weniger als 1,9 Millionen Euro selbst aufbringen", so Fehlau.

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