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60 Jahre Malermeister Menke auf Sylt : Etwas Sichtbares hinterlassen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Malermeister Gerd Menke blickt auf 60 Jahre Berufstätigkeit zurück – und fühlt sich noch lange nicht zum „alten Eisen“ gehörend.

Mal ehrlich: Muss man sich da nicht einfach mitfreuen, wenn jemand so auf seine sechzigjährige Berufstätigkeit zurück blickt? „Vom ersten bis zum letzten Tag war ich mit meinem Beruf zufrieden. Ich möchte keinen anderen ausgeübt haben, denn er verlangte für Farbe und Form immer Fingerspitzengefühl. Und letzten Endes hinterlässt man etwas Sichtbares.“

Der dieses respektable Bekenntnis ablegt, ist der Westerländer Malermeister Gerd Menke. In diesem Jahr, genau am vergangenen 1. Oktober, blickt er auf eine sechs Jahrzehnte währende Tätigkeit im Malergewerbe zurück. Und fühlt sich noch lange nicht zum „alten Eisen“ gehörend.

Geboren im niedersächsischen Damme (Oldenburg) durchlief der heute 74-Jährige dort zunächst eine dreijährige Malerlehre, der sich noch eine zweijährige Ausbildung als Autolackierer anschloß. Häufige Aufenthalte bei seinem Großvater, der einen anerkannten Malerbetrieb im nordfriesischen Breklum besaß, schienen die Wege zum späteren Beruf zu weisen. „Schon als Kind war ich am liebsten immer in Opas Schuppen inmitten der vielen Farbtöpfe. Die zogen mich magisch an!“ Nach Abschluß seiner Ausbildungen sowie dem Dienst bei der Bundeswehr vermittelte ihm das Arbeitsamt drei Angebote auf die Insel Sylt. „Ich entschied mich für die Firma von Heinz Radzuweit. Bei ihm erhielt ich im Keller Quartier, bekam mein Essen und es wurde sogar die Wäsche gemacht.“

19 Jahre war Gerd Menke Obermeister der Maler-,Glaser- und Lackiererinnung auf Sylt
19 Jahre war Gerd Menke Obermeister der Maler-,Glaser- und Lackiererinnung auf Sylt

Gerd Menke blickt nachdenklich auf die Anfangsjahre auf der Insel zurück. „Damals rührten wir die Farben noch selber an; Fassaden- und Deckenfarben – alles wurde selbst gefertigt. Und die Lehrlinge schließlich, die rührten nach Feierabend noch den Leim an.“ Und während heute mit dem Laserpointer die Maße genommen werden, musste früher der Zollstock her. „Ich ging dann mit,“ so erzählt Edith Menke, „Zettel und Stift in der Hand und schrieb alles auf, was Gerd mir zurief.“

Da allerdings hatte er bereits seinen Meisterbrief in der Tasche (1. November 1967), arbeitete aber bis 1971 noch als so genannter Meistergeselle weiter. Bis er sich am 1. Mai 1971 (mit einem Lehrling an der Seite) selbstständig machte. Voraus gegangen waren Abendkurse, die Lehrer Sukow in der Westerländer Berufsschule gab. Einmal pro Woche wurden nach Feierabend etwa Buchführung oder betriebswirtschaftliche Themen und Probleme gebüffelt. „Das war eine solide Vorbereitung für die Meisterprüfung in Flensburg.“

In der damaligen Schlachterei Lorenzen an der Deckerstraße (heute: Hotel Kristall), genauer gesagt: in der hinter dem Haus gelegenen alten Räucherkammer, begann der Weg in die Selbständigkeit. „Der Raum hatte die Größe einer Garage, aber er reichte für den Anfang.“ Heute dagegen blickt der Jubilar voller Freude und Genugtuung auf sein Lebenswerk, das er mit seiner tatkräftigen Frau Edith zu einem anerkannten Betrieb ausgebaut hat. Sie mochte in all den Jahren nicht nur „die Farben gerne riechen“, sondern übernahm die Arbeiten, „die Handwerker nicht so gerne machen“ (Menke): Büroarbeiten, das Schreiben von Angeboten und Rechnungen.

Malermeister Gerd Menke (li.) zu früheren Zeiten mit seinem Sohn Sven.
Malermeister Gerd Menke (li.) zu früheren Zeiten mit seinem Sohn Sven. Foto: Privat (2)

Längst ist Sohn Sven in die Fußstapfen des Vaters getreten und steht einem Betrieb von elf Gesellen vor. Seine Frau Anne ist der gute Geist im Büro, während Vater Gerd als angestellter Meister sich geräuschlos in den Kreis der Mitarbeiter einordnet. „Ich fahre die Baustellen ab,“ so erzählt er, „liefere Material aus, bin morgens und abends für die Mitarbeiter am Bahnhof und besuche auch immer noch Kunden. Auf die Leiter aber steige ich nicht mehr.“

Insgesamt 19 Jahre war der zeitlebens engagierte Menke Obermeister der Maler-,Glaser- und Lackiererinnung auf Sylt. Als er seinem Sohn den Betrieb übergab, bedeutete das auch das Ende seiner Innungstätigkeit. So die Statuten. Gedanken machen sich Vater und Sohn über den Nachwuchs in ihrem Gewerke. „Die Anfragen, zumal von der Insel, werden immer weniger.“ Schade, denn zum einen wird die Ausbildung ordentlich vergütet. Zum anderen eröffnet sich jungen Menschen ein Berufsfeld, das Kreativität und verantwortliche Eigengestaltung ermöglicht. „Wir beraten die Kunden, machen ihnen farbliche und gestalterische Vorschläge,“ so erzählt Sven Menke.

Gerd Menke, seit 1981 amtierender Vorsitzender der Westerländer Schützen, schaut an diesem verregneten Herbsttag, an dem wir in seinem schmucken Westerländer Haus über sein jahrzehntelanges Berufsleben sprechen, nicht nur in die Vergangenheit. Er denkt auch an Sören, seinen fünfzehnjährigen Enkel. „Er hat innerhalb seines Schulpraktikums bei uns gearbeitet und sich richtig engagiert. Ich glaube, er kann es sich vorstellen, den Betrieb einmal in weiter zu führen.“

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