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Kirche in Morsum : „Etwas Besseres kann nicht kommen“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Nach gut 20 Jahren verlässt Ekkehard Schulz die Insel und wechselt zur Kirchengemeinde im Flensburger Stadtteil Fruerlund

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht im Dorf und sorgte für allgemeine Betroffenheit: Morsums beliebter Pastor Ekkehard Schulz wird die Insel in Kürze verlassen. Damit nimmt eine 21-jährige Amtszeit im östlichsten Inselort ihr Ende, in der Schulz und seine Ehefrau Kerstin zu einem festen Bestandteil des Dorfes wurden. Nein, leicht fällt ihm der Abschied nicht: „Etwas Besseres kann nicht kommen. Nur etwas Anderes“, unterstreicht der Seelsorger und ergänzt: „Es war keine emotionale Entscheidung, sondern eine rationale.“

Tatsächlich bewogen mehrere gewichtige Gründe Ekkehard Schulz im Alter von 53 Jahren zu einem Wechsel nach Flensburg. Zunehmende gesundheitliche Belastungen zählen ebenso dazu wie die räumliche Entfernung zu seinen schwer erkrankten Eltern als auch die Tatsache, dass eines der beiden Pflegekinder des Ehepaares Schulz kurz vor der Einschulung steht. „Es war quasi wie ein Wink, als vor einigen Monaten fast zeitgleich zwei Freunde anriefen und mir mitteilten, dass in Flensburg eine Vakanz bevorstehe“, erzählt Ekkehard Schulz. Und die Bewerbung war von Erfolg gekrönt: Vor wenigen Tagen wählte die Kirchengemeinde im Flensburger Stadtteil Fruerlund Schulz zum künftigen Pastor. Zwar bringt die neue Stelle angesichts von rund 6000 Gemeindemitgliedern eine weitaus höhere Zahl als die Morsumer Pfarrstelle mit sich, auf der anderen Seite aber auch handfeste Vorteile: Schulz muss dort keine Urlauber betreuen, ist für keine Kirche und keinen Friedhof zuständig, sondern allein für ein evangelisches Gemeindezentrum. Und angesichts von drei Kollegen ist auch eine Vertretung unproblematisch, wenn es der Gesundheitszustand erfordert.

1964 in Bremen geboren, wurde Ekkehard Schulz nach dem Theologiestudium zunächst Vikar in Lübeck, bevor ihm 1996 die Pfarrstelle im Inselosten zugewiesen wurde. Ein Glücksgriff, wie Schulz – den viele, nicht nur in Morsum, einfach „Ekki“ nennen – dankbar resümiert: „Wir sind von Anfang an herzlich aufgenommen worden und ich durfte viele Menschen über lange Zeit begleiten. Einheimische, aber auch Zweitwohnungsbesitzer und Urlauber.“ Nicht nur durch „die Absicherung der Zukunft von Morsums Kirchengemeinde durch den Förderverein und eine Stiftung“ erfuhr der Pastor viel Unterstützung, sondern auch auf vielfältigen anderen Wegen „von der Kuchenspende bei Veranstaltungen bis hin zur Kollegialität anderer Sylter Pastoren“.

Auch bauliche Wegpunkte fielen in die Amtszeit, etwa die Bauerhaltung und der Anbau des Pastorats oder die Sanierung des Dachstuhls der schmucken, kleinen Kirche, die Schulz so in sein Herz geschlossen hat, in der er Gottesdienste feierte, Ehen segnete oder Verstorbenen das letzte Geleit gab. Auch die Konfirmandenzeiten werden ihm und anderen in fester Erinnerung bleiben, ebenso sein Engagement als Leiter der Telefonseelsorge.

Noch steht der genaue Dienstbeginn in Flensburg nicht fest, der Wunschtermin von Ekkehard Schulz ist der 1. September. Und damit geht ein zweiter Wunsch einher: „Ich würde meinen Abschied in Morsum gerne beim evangelischen Gemeindefest am 13. August feiern.“

Von der kürzlichen Synode brachte Schulz eine gute Nachricht mit: Die Pfarrstelle in Morsum bleibt in dem jetzigen Umfang erhalten. Mit Glück, so seine Vermutung, könne sie bereits zum 1. Dezember neu besetzt werden.

Nun aber wollen Kerstin und Ekkehard Schulz die ihnen noch verbleibenden Wochen auf Sylt so gut wie möglich genießen, auch wenn sich die Wehmut längst eingeschlichen hat. Wenn er abends im lauschigen Garten des Pastorats stehe, dann, so gibt Ekkehard Schulz unumwunden zu, kämpfe er mit den Tränen. „Das Neue ist noch abstrakt, das Liebgewonnene aber ist präsent.“

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erstellt am 26.Jun.2017 | 05:40 Uhr

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