Es wird leer an Sylts Stränden

Bevor die Westerländer Strandkörbe in ihr Winterlager kommen, werde sie mit Hochdruck gereinigt.
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Bevor die Westerländer Strandkörbe in ihr Winterlager kommen, werde sie mit Hochdruck gereinigt.

Rund 4 000 Körbe stehen im Sommer an den Stränden der Gemeinde Sylt / Bis zum 31. Oktober werden fast alle im Winterlager sein

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20. Oktober 2019, 15:08 Uhr

Westerland | An Tagen wie diesen im Oktober ist die Arbeit leicht. Die Sonne scheint und Wind weht kaum auf Sylt. Mit Wasser aus einem Hochdruckreiniger wäscht Raschid Himoun auf einem Plateau vor der Westerländer Strandkorbhalle Sand und Salz von einem Strandkorb. „Wenn es kalt ist und stürmt, werden die Hände sehr schnell kalt“, sagt der Mitarbeiter der Strandkorbvermietung der Gemeinde Sylt.

Die Vermietung ist die größte Deutschlands. Rund 4 000 Strandkörbe die zum größten Teil an den Stränden in Westerland und Rantum stehen, reinigen die Mitarbeiter jeden Herbst. Bevor sie in die drei Winterlager in Westerland und Rantum kommen. 200 stehen noch am Westerländer Hauptstrand, damit Herbsturlauber sich der Sonne zuwenden oder vor Wind schützen können.

In Rantum ist schon seit Ende September kein Sitzmöbel mehr am Strand. „Wir holen seit Mitte August jeden Tag welche mit dem Trecker rein, das geht jetzt rapide“, sagt Ulrich Hoenack, Leiter der Strandkorbvermietung der Gemeinde Sylt. Spätestens Anfang November sollen alle in den trockenen Quartieren stehen.

Einfach so in die Winterpause gehen die Körbe aber nicht. Denn nachdem sie gewaschen sind, werden sie zudemsortiert und in drei Kategorien geteilt: Verkaufen, reparieren und behalten. „10 Prozent werden jedes Jahr ausgetauscht, die sind dann meist so zehn Jahre alt“, sagt Hoenack. Das Interesse der Menschen an den gebrauchten Körben sei groß - für rund 200 Euro pro Stück seien sie meist schnell verkauft. Rund 350 neue würden dann im kommenden Jahr an den Stränden der Gemeinde Sylt stehen.

Körbe, die noch nicht so alt sind werden über den Winter repariert. Kleine Ausbesserungen werden sofort erledigt. Körbe, deren Rückenlehne aufgeschlitzt ist, auf die Graffiti gemalt wurden, oder bei denen das Tischchen lose herbabaumelt, bekommen im Winter, wenn mehr Zeit ist, eine Extra-Behandlung Im sogenannten Mittelboden warten rund 600 Körbe darauf. Altersermüdung sind oft nicht der Grund für diese Defekte; „Wir haben große Probleme mit Vandalismus. Das ist ärgerlich, kostet Geld und es ist im Sommer sehr anstrengend, die Körbe extra vom Strand weg und die Werkstatt zu holen“, sagt Hoenack. Dass Zerstörungen dieser Art zugenommen haben, könne er nicht sagen. Es habe schon immer Menschen gegeben, die zum Beispiel auf die Körbe klettern oder diese bemalen.

Aber auch die Lagerung der reparierten und intakten Körbe läuft nach System: Damit die nummerierten Körbe im April in der richtigen Reihenfolge für die bestimmten Strandabschnitte aus der Halle geholt werden können, ordnen die Helfer sie entsprechend ihrer Nummern ein. „Das ist immer eine unglaubliche logistische Herausforderung und viel Rangierarbeit“, sagt der Oberstrandkorbwärter und blickt über die ungezählten Strandkörbe, die Seite an Seite im Obergeschoss der Halle stehen. Mit einem speziellen Aufzug werden die rund 70 Kilogramm schweren Teile hinaufgefahren.

Dass zum Job des Strandkorbwärters mehr gehört, als am Strand zu sitzen und die Mietgebühr zu kassieren, wissen vielen nicht. „Klar, bei schönem Wetter im Sommer, wenn wir nur vermieten, ist es am einfachsten“, sagt der Fachmann. Zusätzlich zum reinholen, putzen, reparieren und einsortieren, werden die 4000 Körbe am Strand aber jeden Tag gewendet und von Sand und Müll befreit.

25 Mitarbeiter hat Hoenack im Sommer – 20 von ihnen sind als Saisonkräfte angestellt. Im Winter sind fünf Helfer im Einsatz unter ihnen Tischler und Handwerker. Auf der gesamten Insel gibt es in den fünf Gemeinden – Sylt, List, Kampen, Wenningstedt-Braderup, Hörnum – rund 7600 Strandkörbe. Ist der letzte Strandkorb im Sommer aus dem Lager an den Strand geholt, müssen die Helfer aufgrund der Masse, bereits kurz darauf wieder damit beginnen den ersten wieder reinzuholen. Gleichzeitig an den Sylter Stränden stehen alle Körbe daher nur für rund vier Wochen pro Jahr. Von Anfang November bis Ostern sind die meisten Körbe im Winterlager. Unter anderem auf dem Sturmhaube-Podest in Kampen bleiben 50 bis 60 stehen, damit Sylter und Gäste in den kälteren Monaten die Sonne windgeschützt genießen können.

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