Interview mit Anastacia : „Es wird eine wirklich coole Show“

„Ich lebe im Hier und Jetzt“ sagt Anastacia über sich selbst.
„Ich lebe im Hier und Jetzt“ sagt Anastacia über sich selbst.

Vor ihrem Auftritt am Donnerstag in List spricht die Pop-Legende über die Insel, ihre Haltung zu Donald Trump und Zukunftsängste.

shz.de von
20. Juli 2018, 05:30 Uhr

Die Sängerin Anastacia, 49, ist eine Frau, die sich nicht unterkriegen lässt – weder von einer gescheiterte Ehe noch von ihrer Brustkrebserkrankung. Im vergangenen Jahr hat die Amerikanerin ihr siebtes Studioalbum „Evolution“ veröffentlicht. Es liefert den Beweis dafür, dass sie noch immer eine der kraftvollsten Stimmen im Popgeschäft hat. Mal gibt sie die Rockröhre, mal intoniert sie ganz gefühlvoll eine Ballade. Am kommenden Donnerstag, 26. Juli, tritt sie um 19 Uhr Open-air im Rahmen der Veranstaltungsreihe Meerkabarett XXL im Dünenpark List, dem ehemaligen Exercierplatz der Marineversorgungsschule, auf. Es soll eine bombastische Show werden: Sieben Megaliner sind nötig, um das gesamte Equipment für Technik und die Produktion auf die Insel zu bringen – allein für die 26 Meter breite und elf Meter hohe Bühne werden drei davon benötigt.

Liebe Anastacia, ist das Ihre erste Reise nach Sylt?

Ja, deshalb bin ich auch sehr aufgeregt. Ich google vorher immer die Städte und Veranstaltungsorte, an denen ich spiele, um eine Vorstellung von der Lage und auch von der Geschichte zu bekommen.

Was können Besucher bei Ihrem Konzert erwarten? Neue Songs aus ihrem neuesten Album, aber auch ältere Hits?

Vor allem können sie viel Spaß erwarten! Es ist eine wirklich coole Show, wenn ich das selbst so sagen darf! Das Programm ist überwiegend um mein aktuelles „Evolution“ herum gebaut. Es gibt aber auch meine Hits, die jeder kennt, und ein paar kleine Besonderheiten für Fans, die einige der älteren Songs vielleicht nicht kennen!


Reflektiert Ihr Song „Why“ den Zustand der Welt?


Ja. Ich frage mich oft: Warum müssen Menschen so gemein sein? Warum gibt es Krieg? Warum will ein Präsident den anderen übertrumpfen?

Was haben Sie empfunden, als Donald Trump die US-Wahlen gewonnen hat?


Ich war völlig geschockt, weil ich wusste: Seine Präsidentschaft ist weder für Amerika noch für andere Länder gut. Leider kann man Trump nicht den Mund verbieten. Ich hoffe, dass der Senat und der Kongress kapitale Fehler verhindern können...

Haben Sie mal darüber nachgedacht, die USA zu verlassen?


Wenn ich das Gefühl hätte, Trump würde die Rechte der Frauen, der Homosexuellen und der Behinderten massiv mit Füßen treten, dann könnte ich nicht länger in Amerika leben. Diese Personengruppen liegen mir besonders am Herzen, weil mein Bruder behindert ist, ich zahlreiche homosexuelle Freunde habe und eben eine Frau bin. Ich lasse mir von einem Mann oder einem Gesetz nicht vorschreiben, wie ich mein Leben als Frau zu gestalten habe.

Wohin würden Sie denn gegebenenfalls auswandern?


Australien könnte mich reizen. Dummerweise wäre ich dort sehr weit weg von Europa, wo ich viel arbeite. Vielleicht sollte ich Australien doch erst für meinen Ruhestand in Erwägung ziehen.

Nach Ihrer Brustkrebserkrankung hätte Ihre Karriere theoretisch zu Ende sein können...


Die Erstdiagnose war ein harter Schlag für mich, weil ich damals nicht genug Informationen über Brustkrebs hatte. Als die Erkrankung wiederkam, hatte ich nicht mehr so viel Angst. Ich wusste genau, was ich wollte – keine Chemotherapie, keine Bestrahlung, sondern eine Brustamputation. Damit habe ich den Krebs hoffentlich endgültig besiegt.

Sie sind eine Kämpferin. Spiegelt das Ihr Lied „Boxer“ wider?


Absolut. Es geht allerdings in diesem Stück nicht bloß um mich. Jeder Mensch hat unterschiedliche Ängste oder seelische Narben. Wer in einer Beziehung belogen wurde, dem fällt es selbst bei einem neuen Partner schwer, wieder Vertrauen zu fassen. Trotzdem sollte man niemals aufgeben. Mein Motto ist: Liegst du am Boden, steh' wieder auf.

Nicht wenige Menschen werden aber durch ihre Zukunftsängste gelähmt.


So etwas kenne ich zum Glück nicht. Ich lebe im Hier und Jetzt. Warum sollte ich mir heute Gedanken darüber machen, ob der Krebs womöglich irgendwann zurückkommt? Ich beschäftige mich erst mit einem Problem, wenn es wirklich akut ist.

Wie lange werden Sie auf Sylt bleiben? Haben Sie wenigstens ein bisschen Gelegenheit, die Schönheit der Insel kennen zu lernen?

Leider muss ich nach dem Ende der Show gleich wieder zurück in den Tourbus. Wir fahren dann weiter zum nächsten Veranstaltungsort in Norderney. Aber ich bin sicher, dass ich irgendwann wieder auf Sylt sein werde und dann werde ich dafür sorgen, dass ich ein wenig Zeit hier verbringen kann!

Tickets für 69,50 Euro gibt es an allen Sylter Vorverkaufsstellen, im Internet und unter 04651/4711. Für Familien gibt es ein Familienticket für 199 Euro (Eltern und bis zu drei Kinder). Am Veranstaltungsort gibt es keine Parkplätze, das Ticket gilt jedoch als Fahrkarte auf dem Hinweg sowohl für alle Linienbussen nach List als auch für die Shuttlebusse vom ZOB Westerland ab 16 Uhr. Nach dem Konzert gelten die Tickets auch für die Rückfahrt. Kostenpflichtige Parkplätze gibt es am Lister Weststrand mit Busshuttle ab 16 Uhr. Besucher, die abends Sylt noch verlassen müssen, erreichen den Personenzug oder die Sonderfähre um 23.30 Uhr von List nach Havneby (Rømø).


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