zur Navigation springen

Interview : "Es sind große Themen, die uns gerade bewegen"

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Interview mit der Sylter Rundschau spricht Bürgermeister Nikolas Häckel darüber, ob er traurig ist, wenn die 40/60–Regelung scheitert, über Hörnums Politik und das Verhältnis zu seinen Amtsleitern.

von
erstellt am 09.Apr.2016 | 05:18 Uhr

Im Interview mit der Sylter Rundschau spricht Bürgermeister Nikolas Häckel knapp ein Jahr nach Amtsantritt über die Themen, die ihn und die Insel bewegen.

Herr Häckel, nach allem, was man aus der Politik hört, droht die 40/60-Regelung zu kippen. Sind Sie traurig?

Überhaupt nicht. Ich weiß auch nicht, was wirklich kippt: Wir haben ja noch keine fertige Regelung, sondern nur eine rechtliche Idee. Und die versuchen wir in den B-Plänen zu implementieren und wir diskutieren sie. An diesem Punkt sind wir. Der Bauausschuss hat sich schon einmal bewegt und hat diese Idee zur Sicherung von Dauerwohnraum geändert. Jetzt gibt es Strömungen, die sie wieder verändern wollen. Das ist ein natürlicher Prozess. Und wir werden eine Regelung finden. Mir ist nur wichtig, dass die Ortsteile, zumindest in der Gemeinde Sylt, diese Wohnraumsicherung einheitlich und fair betreiben.

 

Alle Ideen, wie die 40/60-Regelung abgemildert werden könnte, sind ja Kompromisse. Können die denn aus Ihrer Sicht ausreichen, um den Dauerwohnraum auf Sylt zu sichern?

Der Bauausschuss hat das Thema aufgebracht, eine Dauerwohnung pro Haus in einer gewissen Größe zu fordern. Die Idee ist nicht schlecht. Für mich ist dann aber die Kernfrage: An welchen Maßstäben orientieren wir uns? Ich möchte nicht, dass wir aus Willkür irgendwelche Wohnungsgrößen festsetzen. Noch mal: Ich finde die Diskussion gut. Und deshalb war ich neulich auch sehr gerne bei der Veranstaltung des Eigentümervereins Haus & Grund.

 

Auch bei der Veranstaltung von Haus & Grund wurden wieder Zweifel daran laut, ob Sylt wirklich 2850 neue Dauerwohnungen braucht, wie es das Grips-Gutachten aussagt.

Natürlich kann man jedes Gutachten anzweifeln. Und selbst wir als Gemeinde Sylt sagen ja: Wir wollen 800 neue Wohnungen bis 2018. Wir sagen nicht: 2000 neue Wohnungen bis 2019. Wir gehen schrittweise vor. Über das Kommunale Liegenschafts-Management bekommen auch wir eine erste Entspannung in der Wohnungsmarktsituation mit.

 

Lassen Sie uns vom Dauerwohnraum für Sylter zum Thema Wohnraum für Neu-Sylter, für Flüchtlinge, kommen. Nachdem die Gemeinde Hörnum entschieden hat, dass im JAW keine 84 Flüchtlinge untergebracht werden dürfen: Wie geht es weiter? Gibt es in Sachen Flüchtlingsunterbringung etwas Neues?

Jein. Die Gemeinde Sylt bleibt dabei, dass sie das JAW nur im Einvernehmen mit der Gemeinde Hörnum nutzt. Dieses Einvernehmen gibt es zur Zeit nicht...

 

Zur Zeit? Haben Sie das Gefühl, das könnte sich noch ändern?

Das weiß ich nicht. Das hängt davon ab, wie sich die Flüchtlingssituation verändert. Aber lassen Sie uns im Hier und Jetzt bleiben. Die Gemeinde Hörnum, und das hat der Hörnumer Bürgermeister klar gesagt, ist sich ihrer Verantwortung und auch der Zahl von bis zu 84 Personen bewusst, die in Hörnum untergebracht werden könnten. Das soll nur nicht in einer zentralen Lage, wie im JAW, sondern eher dezentral geschehen. Wir sind da dran, Rolf Speth und ich haben uns diverse Liegenschaften angeguckt.

 

Hörnum muss sich derzeit auch noch mit anderen Problemen auseinander setzen als mit der Flüchtlingsfrage: Das Ermittlungsverfahren gegen Rolf Speth läuft noch, ein Ende ist nicht abzusehen. Halten Sie das für belastend für die politische Situation in Hörnum?

Ich empfinde die politische Situation in Hörnum generell als sehr speziell. Ich glaube, dass es der Demokratie nicht gut tut, wenn man so agiert, wie in Hörnum zur Zeit Politik gemacht wird. Ich ziehe meinen Hut vor Rolf Speth. Ich glaube, viele andere Ehrenamtliche hätten gesagt: So nicht.

 

Wie ist das Problem zu lösen?

Ich hoffe auf eine kluge Kommunalwahl. Ich hoffe, dass der Wahlkampf fair geführt wird. Und dass mit fairen Mitteln gespielt wird. Wir werden in der Amtsverwaltung derzeit extrem durch Akteneinsichten, durch Nachfragen belastet. Da wird viel politisches Spiel getrieben mit großem Arbeitsaufwand für Amts- und Kreisverwaltung. Und ich glaube nicht, dass das der richtige, faire Weg ist.

 

Apropos Verwaltung: Wie läuft denn Ihre Verwaltungs-Neustrukturierung?

Gut. Wir bereiten gerade die Ausschreibung vor für die neue Leitung des Amtes für Umwelt und Bauen. Alle anderen Bereiche sind jetzt umgeordnet und ruckeln sich zurecht. Die große Unruhe weicht einer Ruhe, einem Erkennen, einem sich Einordnen in das System. Für mich fühlt es sich schrittweise immer besser an.

 

Gleichzeitig haben Sie aber gerade allen Ihren Amtsleitern untersagt, mit der Presse zu sprechen. Woran liegt das? Man denkt da ja, dass Sie Ihren Leuten nicht trauen.

Darum geht es gar nicht. Das ist eine Anordnung, die schon seit langer Zeit besteht, nämlich seitdem die Pressestelle im Rathaus vor vielen Jahren aufgelöst worden ist. Carsten Kerkamm hat das als stellvertretender Bürgermeister im Juli 2015 auch noch einmal betont.

 

Dann hat sich bisher kaum einer daran gehalten.

Es ist wie bei jeder Regelung: Man hält sich zu Beginn dran und dann wird sie verwässert. Ich habe sie jetzt noch einmal betont, weil wir uns gerade neu organisieren. Wir sind einfach auch dabei, uns neu im Leitungsteam zu finden. Das hat nichts mit mangelndem Vertrauen zu tun, wenn es da Vertrauensmängel gäbe, wäre das Team nicht so aufgestellt. Es sind große Themen, die uns gerade bewegen, die uns viel Kraft, Zeit und Nerven kosten. Es ist wichtig, dass wir uns nicht unüberlegt äußern.

 

Es war ja immer mal wieder im Gespräch, ob Sie wieder einen Pressesprecher bekommen.

Das ist zur Zeit nicht gewollt, die Politik ist der Auffassung, dass wir das nicht brauchen. Dass wir uns nicht nach draußen verkaufen müssen...

 

Was sagen Sie dazu?

Ich sehe das anders. Wir müssen uns nach draußen gut aufstellen, wir müssen präsent sein. Die Gemeindevertretung wird sich in der kommenden Woche mit einem Antrag beschäftigen, der ein Amtsblatt entwickeln will. Das wäre untrennbar verbunden mit der Einführung einer Pressestelle.

 

Aber wie soll es denn jetzt praktisch laufen? Sie übernehmen den Job als Pressesprecher noch zusätzlich?

Ich mache weiterhin die Pressearbeit der Gemeinde.

 

Zum Abschluss: Sie sind nun fast ein Jahr im Amt. Wie fühlen Sie sich?

Ich überlege schon, was ich geschafft habe. Da sind Rückmeldungen wichtig, dass nach außen Veränderungen positiv wahrgenommen werden. Es ist eine Aufgabe, die ist wirklich herausfordernd. Man hat nicht immer nur Freunde, auch das ist klar. Die Gegnerschaft wechselt von Thema zu Thema. Auf engem Raum, wie auf Sylt, ist es natürlich so, dass man sich irgendwann mit jeder Gruppierung mal nicht einig ist. Man sieht sich immer wieder im Leben. Auf Inseln wie Sylt nicht nur zweimal, sondern deutlich öfter. Deshalb wünsche ich mir manchmal, dass man etwas vorsichtiger miteinander umgehen würde.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen