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Fahrradfahren auf Sylt : „Es kommt zwangsläufig zu Unfällen“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Radfahren auf Sylt ist besonders in den Sommermonaten eine gefährliche Herausforderung. Ein geplantes Fahrradkonzept soll das bald ändern.

Sylt ist für gut ausgebaute Radwege, besonders im Norden und Süden der Insel, berühmt. Kaum ein Tourist hat sich hier nicht schon einmal auf das Fahrrad geschwungen. Doch das Radwegenetz hat erhebliche Schwächen, teilweise kann das Radeln für die Verkehrsteilnehmer sogar gefährlich sein.

Die Barrieren auf der Insel zeigen sich besonders in Westerland: Radwege reißen hier einfach ab, dann schlagen sich die Fahrradfahrer durch die Fußgängerzone oder oft auf der falschen Seite der Straße durch, ehe sie wieder auf den sicheren Radweg gelangen. Bei diesen Manövern gefährden sie Fußgänger, Autofahrer und sich selbst. Auf Sylt herrschen zudem besondere Bedingungen: Auf engem Raum drängen sich hier speziell in der Hochsaison zusätzlich zu den Einheimischen die Feriengäste: Rund 800  000 Menschen kommen laut Sylt Marketing GmbH (SMG) pro Jahr auf die Insel – die meisten von ihnen in den Sommermonaten.

„Es gibt nur wenig Platz und für eine günstige Verkehrsführung sind die Straßen auf der Insel einfach zu eng“, sagt Haye Jebsen, Sylter Polizeichef. Die Bedingungen für Radler – gerade in der Sommersaison – seien auf der Insel nicht ideal. Alle auf Sylt wollen und müssen sich fortbewegen: Wenn auf einem kleinen Raum viele Menschen bei ungünstigen Verkehrsstrukturen zusammentreffen, komme es zwangsläufig zu Unfällen, so der Polizist. Besonders problematisch sei die Mischung von Fuß-und Radwegen. Je mehr Menschen auf der Insel sind, desto höher sei auch die Zahl der Unfälle. Das läge auch an der ungünstigen Verkehrssituation: Die meisten Radler verletzten sich durch Zusammenstöße mit einem Auto. Wie viele Unfälle mit Fahrradfahrern es in der Sommersaison gibt, kann er nicht sagen – die statistische Auswertung der Zusammenstöße werde erst zum Ende des Jahres veröffentlicht.

Ein umfassendes Konzept zur Verbesserung der Bedingungen für Fahrradfahrer gibt es von der Gemeinde Sylt bisher nicht. Das könnte ein Projekt mit dem umständlichen Namen „Insulares Mobilitäts- und Verkehrskonzept Sylt“ aber bald ändern. Alle Bürgermeister, Gemeindevertreter und Kurdirektoren der Insel sowie Verwaltung, Polizei, Personentransportbetriebe und Sylter Unternehmer haben daran mitgearbeitet.

In einem Entwurf vom November 2014 heißt es: „Problembereiche im Radverkehr ergeben sich vor allem an unübersichtlichen Knotenpunkten sowie verengten Bereichen im Straßennetz.“ Auch die mangelhafte oder fehlende Markierung der Radwege sowie der schlechte Zustand des Asphalts werden in dem Papier bemängelt. „Des Weiteren sind gerade in der Urlaubssaison in Kombination mit einer günstigen Wetterlage einige Radwege zu schmal dimensioniert“, heißt es dort weiter. Auch der Mangel an sogenannten Radwanderstrecken wird aufgeführt.

Für die Lösung der Radfahrerprobleme gibt es verschiedene Ideen: Neben der Verbesserung der Böden soll das Radwegenetz umfangreich ausgebaut und Lücken geschlossen werden. Um den begrenzten Platz auf der Insel effektiv zu nutzen, sollen Autostraßen und andere vorhandene Wege – nach entsprechenden Umbauten – von Radlern mitgenutzt werden. Mit einer „SyltCard“ könnten Mietfahrräder, Busse und Leihwagen flexibel genutzt werden – je nach Wetterlage. Auch für ausreichend Fahrradständer, eine umfassendere Beschilderung für die Spezialrouten sowie einen Ausbau des Busnetzes soll gesorgt werden. Ziel ist es, dass die Fahrradfahrer (E-Bikes mit eingeschlossen), den Autos entsprechend als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer auf den Straßen unterwegs sein können. Das Konzept soll demnächst in den Fachgremien der Inselgemeinden vorgestellt werden und anschließend vom Bauamt ausgearbeitet werden.

Trotz der eher schlechten Rahmenbedingungen, zumindest im größten Inselort, gilt: Das Fahrrad ist auf der Insel das beste Mittel, um – zumindest kürzere Strecken – schnell und umweltschonend zurückzulegen. Schon ein Bewußtseinswandel würde hier viel bewirken – viele Insulaner, aber auch Urlauber nutzen das Auto auch für kurze Entfernungen.

Sollten alle Gemeinden dem endgültigen Konzept zustimmen, könnte im Frühjahr oder Sommer 2016 mit der Umsetzung erster Maßnahmen begonnen werden.

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erstellt am 10.Aug.2015 | 05:04 Uhr

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