Keitumer Mittwochskonzerte : „Es ist immer ein wundervoller Reigen“

Alexander Ivanov ist seit 2005 Organist und Kantor an St. Severin
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Alexander Ivanov ist seit 2005 Organist und Kantor an St. Severin

Interview mit Kantor Alexander Ivanov zu der am 4. April beginnenden Saison 2018 in St. Severin

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09. März 2018, 21:05 Uhr

Herr Ivanov, die Kirche St. Severin ist wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten noch immer geschlossen. Ab 4. April jedoch soll endlich auch wieder die Orgel wieder erklingen. Was erwartet denn die Besucher in der diesjährigen Saison?
Genau deshalb ist das gesamte Konzertprogramm 2018 sehr auf unsere Mühleisenorgel konzipiert, die im Zuge der Gesamtsanierung von St. Severin ja umfassend gewartet, gesäubert und auch neu eingestellt wurde. Ich habe nach Keitum die mehr oder weniger international besten Musiker eingeladen, die man sich nur vorstellen kann. Diese Organisten werden überaus klangvoll unsere restaurierte Orgel präsentieren – das ist mein Ziel für diese Konzertsaison.

Verraten Sie uns doch einige Namen und Details zu den Programmen der Musiker ...
Der Höhepunkt ist ohne jeden Zweifel das Konzert mit Olivier Latry am 29. August – dies ist gleichzeitig das Benefizkonzert des Förderkreises St. Severin. Latry ist der Organist der berühmte Kathedrale Notre-Dame de Paris und zählt zu den wichtigsten und bedeutendsten Künstlern der Welt auf diesem Instrument. Er wird ein sehr ungewöhnliches Programm präsentieren - zumindest für einen Musiker, der meistens Uraufführungen von modernen Kompositionen und sehr viel französische Musik spielt. Latry wird bei diesem Mittwochskonzert nur Werke von Bach spielen. Und das ist natürlich sehr sehr spannend. Das andere absolute Highlight ist unser Weihnachtsoratorium, das in diesem Jahr am 28. Dezember, also an einem Freitag, und bereits ab 18 Uhr aufgeführt wird.

Welche Künstler wirken diesmal beim beliebten Weihnachtsoratorium mit?
Wir werden diesmal ein ganz besonderes Orchester zu Gast haben: Nämlich die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, die zu den wichtigsten Orchestern des Landes gehört und schon zahlreiche Preise wie zum Beispiel den Echo-Klassik erhalten hat. Die Solisten des Weihnachtsoratoriums werden Countertenor Dmitry Egorov und Bassist Klaus Mertens sein – und natürlich ist wie immer auch unser Chor an St. Severin dabei.

Wird in diesem Jahr auch die erfolgreiche Kooperation mit der Deutschen Stiftung Musikleben fortgesetzt?
Ja, darüber freuen wir uns ganz besonders. Dadurch haben wir die Chance, junge Künstler zu präsentieren, die sich in Wettbewerben schon bewährt haben. Es gibt sehr viele, sehr starke junge Musiker momentan in Deutschland – die Szene ist wunderbar, ganz interessant. Aber durch die Stiftung habe ich die Möglichkeit, eine gewisse Vorauswahl zu treffen. Denn die Kollegen dort können mir sagen, welche der jungen Musiker tatsächlich schon in der Lage sind, welche die Erfahrung und auch Kraft haben, einen ganzen Abend zu gestalten. Wir haben fünf Konzerte mit Künstlern der Stiftung im Programm: mit Trompete, mit Geige, mit Violoncello und das übers ganze Jahr verteilt.

Das klingt ja alles nach großer Vielfalt. Aber gibt es doch so etwas wie einen „roten Faden“, eventuell sogar ein übergeordnetes Motto der Konzertsaison 2018?
Grundsätzlich versuche ich, ein Jahresprogramm zu gestalten, das sowohl für jüngere als auch für ältere Menschen interessant und spannend ist. Es sollte immer gemischt sein: Also besonders anspruchsvolle Sachen, aber auch die Sachen zum Entspannen. Diese Mischung ist eines der Erfolgsrezepte des Programms der Mittwochskonzerte. Es ist immer ein wundervoller Reigen. Im Grunde genommen steht das Programm unter dem Motto, das beim Eröffnungskonzert am 4. April mit dem „Quartett für das Ende der Zeit“ von Olivier Messiaen erklingen wird: „Eine große und herrliche Reise in eine wunderbare Welt“. Dieser kleine Satz fasziniert mich und ist so schön, denn das sagte ausgerechnet der Musiker Jean la Boulaire, der 1940 in einem deutschen Straflager saß und dort mit Messiaen dieses Quartett uraufgeführt hat. Dieses Stück gehört meiner Meinung nach zu den wichtigsten kammermusikalischen Ereignissen überhaupt.

Sie geben sich große Mühe mit den Vorbereitungen einer Konzertsaison. Alles wirkt sehr bewusst geplant und durchorganisiert …
Bei jedem Termin im Jahresprogramm der Mittwochskonzerte steht – nun ja, zumindest meistens – ein wichtiges Stück, der Aufhänger – dazu kommen dann noch andere. Wenn ich das Programm vorbereite, gibt es diese festgelegten Stücke. Aber am Dienstagabend schaue ich stets aufs Neue: Wie fühlt sich das Programm an? Wenn es sich zu schwer, zu komplex anfühlt, dann mische ich etwas dazwischen und auf einmal ist die richtige Stimmung da. Unsere Programme werden also immer in letzter Sekunde so justiert, dass sie „gut verdaulich“ sind. So wie ein künstlerisch durchkomponiertes Menü bei Sternekoch Johannes King. Man kann ja den Menschen unmöglich fünf Mal hintereinander Hauptgerichte auftischen. Deshalb gibt es auch bei uns musikalisch Vorspeisen, Hauptgang, Dessert und so weiter!



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