Es gibt nichts zu meckern

Avatar_shz von
20. Juli 2013, 04:59 Uhr

Sonntagabend. Bahnhof Westerland. Reges Treiben. Die Wochenendgäste verlassen die Insel. Sonntagabend. Bahnhof Kiel. Ebenfalls reges Treiben. Ich fahre AUF die Insel. Während ich mir ein Loch in den Bauch freue, dass ich zwei herrliche Tage auf der Insel verbringen kann, werde ich am Fahrkartenautomaten aus den Gedanken gerissen. "Tschuldigung. Fahren Sie zufällig auch nach Sylt?", fragt mich ein netter Mann. Ich bin völlig irritiert. "Äh ja", antworte ich schlicht und bin froh dass ich meine Gedanken Carsten gegenüber nicht ausgesprochen habe. Ich wollte nämlich vor der Abfahrt Haus und Hof verwetten, dass ich die einzige in der Bahn Richtung Husum mit Anschlusszug nach Sylt sein würde. Ich wäre mein kleines Haus definitiv los gewesen. "Dann können wir uns ja ein Schleswig- Holstein-Ticket teilen. Vielleicht finden wir noch weitere Mitreisende. Dann wirds noch günstiger", strahlt der nette Mann und spricht bereits den nächsten Fahrgast an, der sich dem Automaten nähert "tschuldigung, fahren Sie zufällig auch nach Sylt?".

Schlussendlich sind wir zu viert: eine schwangere junge Frau (sie fährt bis Niebüll), ein Franzose (Schüler, spricht kein Deutsch....il travaille à Rendsburg. Ich traue mich nicht, mein Schul-Französisch anzuwenden und lasse ihn lieber in Ruhe), der freundliche "Organisator" (Endstation: Westerland, ab Husum kommen wir ins Gespräch und die Zeit verfliegt) und ich (Ausstieg in Morsum). Wie lange habe ich das schon nicht mehr gemacht: mit der Bahn nach Sylt fahren und dazu noch "Ticket-Sharing". Ist eigentlich ´ne klasse Sache: es ist günstig (ich bin tatsächlich für zehn Euro nach Sylt gereist. Da sage noch einer, Sylt sei teuer) und man hat immer Anschluss. (Hier sogar im doppeldeutigen Sinne - die Bahn hat tatsächlich keine Verspätung!). Mein nächstes "Ticket-Sharing" wird wohl zum Surfworldcup Ende September sein, wenn ich mit meinen Mädels auf die Insel komme. Hier hat das Ganze noch einen weiteren Vorteil: Wir können schon am Kieler Bahnhof die Korken knallen lassen. Wenns doch nur schon soweit wäre. Nein. Falsch. Sorry. Ich korrigiere mich, denn dann wäre der Sommer ja schon vorbei. Bis dahin soll das Wetter bitte, bitte (mit ganz viel Zucker!) so bleiben wie es JETZT auf Sylt ist.

Haben wir es nicht schön?! Jetzt mal ehrlich. Es gibt nichts zu meckern. Man wacht auf und die Sonne scheint entweder sofort, oder es reißt spätestens mittags auf. Rein in die kurzen Klamotten und raus in die Natur. Finden Sie eigentlich auch, dass der Himmel auf Sylt blauer, die Wolke weißer, das Meer prickelnder und Sand feiner ist als anderswo? Carsten und ich waren vor etlichen Jahren mal in Amerika an einem Strand, der damals zum schönsten Strand Amerikas gekürt wurde. Breite: circa drei Meter (kein Witz!), ein Meter davon bestand aus einem Streifen aus Algen und Muscheln, barfuß unpassierbar. Wasser? Na ja! Nach circa zwei Kilometern stand man immer noch nur knöcheltief drin. Demnach müssten die Sylter Strände das Prädikat "schönste Strände der Welt" bekommen. Bin ich verliebt? Ja. Im Sommer bin ich immer ganz besonders schwer verliebt in Sylt.

Dieses Wochenende wird mal wieder richtig genossen. Von der ersten bis zur letzten Minute, am liebsten nur draußen. Beach (ja, Carsten, du bekommst deine Revanche im Beachball. Du kannst dich schon mal warm anziehen!) und radeln sind angesagt. Heute Abend gibts dann ne leckere Wurst und ein Bierchen auf dem Tinnumer Dorffest. Wie ich mich für die Organisatoren freue: endlich mal wieder Sommerwetter!!! Aber wir (unsere Clique, bestehend aus Morsumern, Tinnumern und Westerländern) waren euch auch in den vergangenen Jahren (mit Regen- beziehungsweise. Daunenjacke) treu, das muss an dieser Stelle mal gesagt werden.

Was für ein schönes Wochenende, was für ein herrlicher Urlaub, was für tolle Ferien, oder?! Wenn Sie diese Tage irgendjemanden meckern hören, erinnern Sie ihn bitte daran!

Jeden Sonnabend beschreibt Miriam Köthe exklusiv für die Sylter Rundschau, was ihr auf Sylt so auffällt und gefällt. Die Kieler Journalistin besucht mit ihrem Mann, dem R.SH-Morningman Carsten Köthe, in jeder freien Minute die Insel.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen