Kampen auf Sylt : „Es geht um wahre Kunst“

„Dreiklang“ von Siegward Sprotte, 1985, Öl auf Karton, 61 x 61 cm (Ausschnitt)
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„Dreiklang“ von Siegward Sprotte, 1985, Öl auf Karton, 61 x 61 cm (Ausschnitt)

Interview mit Armin Sprotte, Sohn des 2004 verstorbenen Künstlers Siegward Sprotte, über die Aktualität und den heutigen Wert der Sprotte-Werke

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22. Juni 2017, 05:00 Uhr

Herr Sprotte, zurzeit werden landes- und bundesweit, ja auch international in vielen Museen und Galerien Arbeiten Ihres Vaters Siegward Sprotte gezeigt. Ist das Ihren Aktivitäten zu verdanken?
Aktivitäten sind immer nur die eine Seite. Unser Bestreben ist es, sinnvoll mit dem Nachlass meines Vaters umzugehen und das bedeutet auch, die Orte und Zusammenhänge, an denen und zu denen die Bilder gezeigt werden, sorgsam zu wählen. Natürlich ist es hoch erfreulich, dass die Kunst von Siegward Sprotte nicht mit seinem Tode aus dem Blick des Kunsthandels und der Museen verschwunden ist, sondern sich im Gegenteil eines wachsenden Interesses erfreut.

Welche aktuelle Bedeutung würde Sie denn dem Werk von Siegward Sprotte zugestehen?
Da werden ja gern die Preise als Messlatte genommen, die die Arbeiten auf dem Kunstmarkt erzielen. Aber wenn man in die Kunstgeschichte zurückschaut, dann sind nicht wenige Künstler zu ihren Lebzeiten oder vielleicht auch noch ein bisschen später zwar hoch gelobt und gehandelt worden, aber dann doch in der Versenkung verschwunden – sowohl auf dem Kunstmarkt wie bei den Sammlern. Mit Blick auf Sprotte kann man deshalb sicher noch nichts über seine zukünftige Präsenz bei Kunstsammlern und auf dem Kunstmarkt sagen, aber was wir beobachten, ist ein stark wachsendes Interesse gerade in China an den Sprotte-Werken, wo es bisher auch große Ausstellung mit ihnen gab. Und wie Sie wissen, ist China einer der großen Treiber im Kunstmarkt.

Und wie sieht es im europäischen Raum und speziell natürlich in Deutschland mit der Rezeption der Sprotte-Werke aus?
Da gibt es eine absolut steigende Tendenz was das Interesse und den Marktwert betrifft.

Sie sind auch ein aktiver und international erfahrener Kunsthändler. Wie geht der Kunsthändler Armin Sprotte mit dem Werk seines Vaters um, damit der Marktwert erhalten bleibt beziehungsweise beständig wächst?
Alles was länger als eine Generation am Kunstmarkt besteht, wird nicht nur durch eine Generation bestimmt – will sagen, wir geben ein Erbe weiter, das mit viel Sachverstand und Leidenschaft für diese Malerei und die mit ihr verbundene Gedankenwelt in die Zukunft gerettet werden soll. Es geht also nicht nur darum, die Preise für die Bilder möglichst hoch zu halten oder gar höher zu treiben, es geht um wahre Kunst. Und die vermittelt mit einem Bild eben mehr als nur ein Stück bemalte Leinwand, sie beinhaltet eine Ideenwelt, eine besondere Ästhetik und Tiefe. Das ist in einer Welt der medialen Sensationen sicher kein einfacher Weg, aber die wahren Kunstkenner und vor allem Kunstliebhaber wollen keine vordergründigen Sensationen, sondern die Qualität eines eigenständigen, weitschauenden Werks.

Künstler entwickeln sich, haben unterschiedliche Perioden, mal gute, mal weniger gute Zeiten was die Qualität ihrer Arbeiten und ihrer Stile betrifft. Welche Schaffensperioden, welche Arbeiten von Sprotte sind es, die heute am meisten interessieren?
Sicher wohl das Spätwerk, die Arbeiten, auf denen die Reduktion auf das Wesentliche, auf innere Prozesse sichtbar wird.

Wenn man auf Sprotte und Sylt schaut, dem Ort, mit dem sein Werk besonders verbunden und von dem es tief beeinflusst ist, kann man dann sagen, dass auch hier das Interesse an ihm und seinen Arbeiten ganz besonders groß ist?
Wir haben natürlich hier in der Galerie einen steten und sehr guten Zuspruch und ein entsprechendes Interesse gerade an den Arbeiten, die Sylt-Bezug haben. Aber Sylt ist für den Kunsthandel ohnehin einer der besten Orte in Deutschland. Hier haben viele wichtige Sammler ihre Zweithäuser oder Wohnungen. Hier hat man die Muße, sich mit Kunst, mit Bildern zu beschäftigen.

Sie haben lange in Amerika gelebt, haben viele Reisen und Kontakte nach Asien – wie erleben Sie Sylt?
Als einen wunderbaren, ganz und gar einmaligen Ort, der landschaftlich und klimatisch unvergleichlich ist.

Armin Sprotte wurde 1960 geboren. In den 1980er Jahre ging er nach New York, um sich als Kunsthändler ausbilden zu lassen. 1986 gründete Armin Sprotte Falkenstern Fine Art in Soho New York, vor 12 Jahren kehrte er nach Sylt zurück, gründete hier das Falkenstern Fine Art & Atelier Sprotte, um von hier gemeinsam mit seiner Mutter Cosmea Sprotte den Teil des Sprotte Nachlass zu verwalten, der nicht zum Bestand der in Potsdam ansässigen gemeinnützigen Sprotte Stiftung gehört.

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