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Rechtsstreit in Hörnum : „Es geht mir um Gerechtigkeit und Reputation“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Arbeitsgericht Flensburg weist Kündigungsklage von Finja Fröhlich zurück. Nun will Hörnums ehemalige Tourismus-Chefin in 2. Instanz gehen.

von
erstellt am 06.Okt.2017 | 17:50 Uhr

Die 3. Kammer des Arbeitsgerichts Flensburg hat wie erwartet die am Donnerstag in Husum verhandelte Kündigungsklage der ehemaligen Tourismus-Chefin Finja Fröhlich gegen die Gemeinde Hörnum (wir berichteten) abgewiesen – dies teilte gestern ein Gerichtssprecher mit. Wie in solchen Verfahren üblich, erfolgt die schriftliche Begründung des Richters innerhalb von drei Wochen. Das Urteil habe sie „nicht wirklich überrascht, man muss halt mit allem rechnen“, sagte Finja Fröhlich auf Anfrage der Sylter Rundschau. Sie werde sich damit allerdings nicht geschlagen geben und „definitiv in die nächsthöhere Instanz“ gehen. Dafür hätten Fröhlich und ihr Anwalt nach Erhalt der Urteilsbegründung einen Monat Zeit, erläuterte Marlies Heimann, die Präsidentin des dann zuständigen Landesarbeitsgerichts Schleswig-Holstein mit Sitz in Kiel. „Seitens der Klägerin ist natürlich eine ausführliche Begründung erforderlich, ebenso eine entsprechende Erwiderung der Gegenseite – erst dann wird entschieden, ob eine Berufung zulässig ist und ob neu verhandelt wird.“

In erster Instanz hatte Arbeitsrichter Christian Hill den Prozessparteien eine einvernehmliche Trennungsvereinbarung sowie eine Abfindung für Frau Fröhlich in Höhe von maximal 6000 Euro vorgeschlagen. „Es geht mir nicht um Geld, es geht mir um Gerechtigkeit und Reputation. Mein Ruf wurde zu Unrecht öffentlich beschädigt“, erklärt die frühere Betriebsleiterin des Tourismus-Service. „Ich musste zunächst herausfinden, wie ein Gericht das alles einschätzt und werde jetzt in die zweite Instanz gehen, um zu klären, warum das so passiert ist.“ Überhaupt gehe es ihrer Ansicht nach gar nicht mehr um sie selbst, sondern „es geht um das Ermittlungsverfahren gegen Rolf Speth.“

Gegen Hörnums Bürgermeister sowie weitere Beschuldigte ermittelt noch immer das Hauptzollamt Itzehoe wegen des Verdachts auf Sozialbetrug. In diesem Zusammenhang wurden am 24. November 2016 auch das Hörnumer Gemeindebüro sowie die Räume des Tourismusservice durchsucht. „Dabei ist auch eine so genannte Schattenakte aufgetaucht – also eine Akte, die ohne mein Wissen über mich geführt wurde“, sagte Fröhlich. In die Unterlagen habe sie von der Staatsanwaltschaft Einsicht erhalten: „Das sind völlig neue Erkenntnisse und ich habe jetzt das Recht, diese Sachen in der zweiten Instanz zu verwenden.“

Als Zeuge zum Verhandlungstermin in Husum geladen war auch Ingo Dehn. „Wir sind enttäuscht über das Urteil und befürworten ausdrücklich eine nächste Instanz, damit es bei den Kündigungsgründen zur Beweisaufnahme kommt und mehr in die Tiefe geht“, sagt der Fraktionschef der oppositionellen Hörnumer Christdemokraten. „Die genannten Gründe waren aus unserer Sicht konstruiert und bedürfen dringend einer gerichtlichen Überprüfung.“ Dehn kritisiert außerdem, dass die Kündigung Fröhlichs als „Gremienentscheidung“ dargestellt wird. „Die CDU war da nie eingebunden, eine von uns geforderte Behandlung des Themas in der Gemeindevertretung wurde einfach von der Tagesordnung abgesetzt. Wir haben den Eindruck: Speth wollte Finja Fröhlich einfach loswerden, weil sie ihn nervte.“

Der Hörnumer Bürgermeister war gestern für eine Stellungnahme gegenüber unserer Zeitung leider nicht zu erreichen.

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