"Es fühlt sich an, als sei er noch dabei"

Raimund Katzera
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Raimund Katzera

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19. März 2011, 08:34 Uhr

Sylt | Raimund Katzera starb 2003 und trotzdem steht sein Name auch morgen wieder auf der Starterliste des Syltlaufs. Denn, so formuliert es sein Bruder Christian (48), "so lange die Staffel läuft, ist Raimund nicht tot."

Rückblick: Im Frühjahr 1992 tritt erstmals die Kinder-Staffel "Peanuts" beim Syltlauf an. Betreut von Raimund Katzera laufen seine damals sieben- und neunjährigen Söhne Ricky und Robin sowie die Gleichaltrigen Nils Thomsen, Patrick Schmitz, Tobias Holterbosch und Christian Gehrke "jeweils irgendwas zwischen zwei und drei Kilometern". Den Rest erledigen der Sportlehrer und Ehefrau Rosemarie (57). Eine gute Idee, die von da an Jahr für Jahr wieder mit länger werdenden Distanzen für jeden der Jungen wiederholt wurde. Auch im März 2003 betreut Katzera das Juniorenteam und organisiert den Verpflegungsstand für die Läufer auf der Promenade in Westerland.

Am 23. Juli macht sich der 50-Jährige auf den Weg zu einem Seminar in Trappenkamp bei Kiel - auf der Bundesstraße 5 kommt ihm ein Kleinlaster entgegen, dessen Fahrer die Kontrolle über sein Auto verliert. Durch die Wucht des Aufpralls schleudert Katzeras Wagen auf ein Brückengeländer...

Ein Dreivierteljahr später steht sein Name trotzdem wieder auf der Starterliste: Familienangehörige und Freunde treten erstmals als Raimund-Katzera-Gedächtnisstaffel an.

Rosemarie, die sich an die Bezeichnung Witwe noch nicht gewöhnt hat, beschreibt rückblickend: "Das erste Mal ohne ihn war wirklich schlimm. Besonders für die Jungs und für Christian."

Letzterer war schon 2004 der Startläufer: "Bevor es überhaupt los ging, hatte ich das Gefühl, ich laufe jetzt für Raimund."

Auch morgen wird der Marathonspezialist ("fünf Stück pro Jahr") an der Startlinie stehen, mit dem Kopf voller Erinnerungen an seinen Bruder los laufen und bei Kilometer acht das Staffelholz weiter geben. Für den Zieleinlauf trainiert Raimunds Sohn Robin (28)...

Nach dem Syltlauf fährt das Team auf den Friedhof. So als wollten sie Rapport geben, dem Trainer von ihrer Leistung berichten und inzwischen auch vom Spaß, den sie dabei hatten. Der wird dann am größten sein, wenn die sechs Läufer es schaffen, schneller zu sein als die Polizei. Rosemarie, die als Managerin dabei und beispielsweise für die orangenen Team-Shirts zuständig ist, lacht: "Robin hat gesagt, sie wollen diesmal unter zwei Stunden und 20 Minuten bleiben. Hauptsache ist aber, dass wir vor der Polizei-Staffel ankommen." Diesen Wettkampf gebe es schon seit Jahren - mal gewinnt die eine, mal die andere Formation.

Eine Mischung aus Spaß und Ehrgeiz, die Raimund gefallen hätte: 14 Jahre war der Diplom-Sportlehrer beim Tourismus Service Westerland (TSW) angestellt, vermittelte, anfangs noch im Sportzentrum an der Promenade, wie viel Freude und Prävention Bewegung sein kann: Aerobic, Rückenschule...

Vor fünf Jahren unterstützte auch TSW-Geschäftsführer Peter Douven die sportive Erinnerung an den verstorbenen Mitarbeiter: Gemeinsam mit seiner Schwester verstärkte er die Gedächtnisstaffel.

In der Freizeit trainierte Raimund den Fußballnachwuchs beim TSV Westerland und bei Tinnum 66, dem Verein, der jetzt zum 30. Mal den Syltlauf ausrichtet. Rosemarie: "Er war mit Tinnum 66 und mit dem Syltlauf sehr eng verbunden." Und diese Verbindung habe sich auf die ganze Familie übertragen: Rosemarie gehört, seit sie nicht mehr selber läuft, zum Helferteam, es gibt viele freundschaftliche Kontakte, Erinnerungen und Traditionen. So wie die, dass der Veranstaltungsmoderator beim Zieleinlauf extra auf die Gedächtnisstaffel hinweist. Und so lange er das tut, fühlt es sich für die Familie und Freunde des Verstorbenen so an, "als sei Raimund noch dabei".

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