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Sylter Rundschau

22. August 2017 | 05:50 Uhr

Miris Sylt : Erwachsenzeit

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In ihrer Wochenend-Kolumne widmet sich Miriam Köthe diesmal dem unweigerlichen Ende der Sylter Hochsaison - und dessen Vorzügen.

Und tschüß! Nun haben also auch die letzten Sommerferien-Gäste die Insel verlassen. Auf Wiedersehen, ihr lieben Bayern. Jetzt kehrt für ein paar Wochen ein klein wenig Ruhe ein auf Sylt. Die Insulaner nennen das „Erwachsenenzeit“. Hab’ ich mal gelernt. Das heißt so viel, dass jetzt vermehrt Gäste ohne Kinder kommen.

Irgendwie ist in diesen Tagen alles etwas entspannter. Die Autozüge sind nicht mehr pickepacke voll, in den Abteilen kann man wieder atmen und an einigen Tagen sogar auf einen Sitzplatz hoffen. Selbst die Parkplatzsituation bei Gosch in List, bei Aldi in Tinnum und an der Sansibar in Rantum entspannt sich mit jedem weiteren Tag. Ich hatte an allen drei Stationen doch tatsächlich freie Parkplatzwahl. Daran muss man sich erstmal wieder gewöhnen. Das bringt das ganze Zeitmanagement durcheinander. Ich war bei allen Verabredungen ganze zehn Minuten zu früh. Eine ganz neue Erfahrung für jemanden wie mich, der fürs notorische zu spät kommen bekannt ist. Carstens Trick, wenn wir eine Verabredung haben: er nennt mir absichtlich falsche (nämlich frühere) Abfahrtzeiten, so dass ich schlussendlich nach hinten raus ein wenig „Zeitpuffer“ habe. Und da ich immer so dermaßen im Stress bin, falle ich auch jedes Mal wieder darauf herein.

Die Sylter Welle wird ab jetzt wieder mehr und mehr von Erwachsenen gekapert. Im Becken wird geschwommen statt geplanscht und voll wird es eher im Saunabereich statt auf der Wasserrutsche. Auch im Kino ist es derzeit übrigens ein Traum. Ich werde nie vergessen, wie ich mit Carsten mal an einem regnerischen Tag (Fehler Nummer 1) während der Sommerferien (Fehler Nummer 2) zur Hauptkinofilmzeit um 20 Uhr (Fehler Nummer 3) in die Mutter aller Kinofilme (James Bond - und damit Fehler Nummer 4) gegangen bin. Carsten war der festen Meinung, dass es absolut ausreichend wäre, wenn wir uns um viertel vor acht zu Fuß aus unseren nahe gelegenen Ferienwohnung in Westerland auf den Weg machen würden.

Mein Tipp: hören Sie in Sachen Kino nie auf ihren Mann. In diesem Fall war unsere Ankunftszeit nämlich Fehler Nummer 6 - und der fatalste! Wir haben die – ich schwöre - beiden allerletzten Plätze ergattert, allerdings in Reihe 1, geschätzte drei Meter (und das ist schon großzügig geschätzt) von der Leinwand entfernt. Nach einer bildgewaltigen Verfolgungsjagd am Anfang des Filmes, in der man von unseren Plätzen aus den kompletten Kopf ruckartig von links nach rechts werfen musste, damit die Augen sowie das Gehirn das Gesamtleinwandbild überhaupt zusammensetzen konnten, war mir so duselig, dass mir übel wurde. Ich habe den Film zwar tapfer über mich ergehen lassen, hatte aber die drei Tage danach mit einer Nackenstarre im fortgeschrittenen Stadium zu kämpfen.

Wunderbar war dagegen unser Kinobesuch in der ruhigen „Erwachsenenzeit“. Vor ein paar Jahren habe ich mich von Carsten breitschlagen lassen, mir mit ihm im Urlaub „Das Wunder von Bern“ anzugucken. Ein Fußballfilm (gähn!). Der Streifen handelte von Deutschlands unerwartetem Sieg bei der Fußball WM 1954 in der Schweiz. (Was tut man nicht alles für seine Traumschuhe....) Wir kamen also in den menschenleeren Kinosaal und hatten freie Platzwahl. Wunderbar. Ein ganzes Kino für uns alleine. Erst als die Werbung lief, gesellte sich ein Mann dazu. Ob Sie´s glauben oder nicht, er hat sich doch tatsächlich DIREKT neben Carsten gesetzt. Es ist mir noch heute unbegreiflich, wie man auf so eine Idee kommt! Der Kinosaal war ansonsten komplett leer! Egal. Carsten hat den Mann schließlich freundlich begrüßt und ihm vor Beginn des Films noch eben zugeflüstert „Ich tippe auf ein 3:2 .... für uns“.

„Erwachsenenzeit“ heißt Ruhezeit auf Sylt. Das werde ich ausnutzen und genießen. Ich werde alle großen Parkplätze ansteuern und ganz vorne parken. Ich werde samstags (!) in den großen Insel-Supermärkten einkaufen gehen, und zwar inklusive Fleischtresen und Getränkehandel. Ich werde jeden Tag kurz vor knapp in die Kinoabendvorstellungen marschieren und mich so lange umsetzten, bis ich den schönsten Platz gefunden habe. Das wird toll.

Jeden Sonnabend beschreibt Miriam Köthe exklusiv für die Sylter Rundschau, was ihr auf Sylt so auffällt und gefällt. Die Kieler Journalistin besucht mit ihrem Mann, dem R.SH-Morningman Carsten Köthe, in jeder freien Minute die Insel.

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