Parken auf Sylt : Erste Korrekturen an neuer Regelung

Autofahrer mit Behinderungen können ihre Fahrzeuge auf Parkplätzen in der Gemeinde Sylt weiter kostenfrei abstellen.
Autofahrer mit Behinderungen können ihre Fahrzeuge auf Parkplätzen in der Gemeinde Sylt weiter kostenfrei abstellen.

In der laufenden Saison dürfen Behinderte weiter kostenfrei parken, für 2018 sind aber Neuregelungen geplant / Unternehmer kritisieren Gebühren im ZOB-Parkhaus und auf Pendler-Parkplätzen

von
29. März 2017, 04:00 Uhr

Bei der Verordnung über die neuen Parkgebühren in der Gemeinde Sylt deuten sich 14 Tage nach Inkrafttreten erste Korrekturen an. Laut Auskunft von Bürgermeister Nikolas Häckel bleibt zum Beispiel bei den Regelungen für Behindertenparkplätze vorerst alles wie gehabt. Vergangene Woche noch fanden viele Betroffene an ihren Fahrzeugen einen Zettel der Verkehrsabteilung mit dem Hinweis, dass „das unentgeltliche Parken mit Ihrem Schwerbehinderten-Ausweis innerhalb der Gemeinde Sylt nicht mehr möglich ist.“ Für weitere Erklärungen zu möglichen Ansprüchen auf Parkerleichterungen wurde lediglich auf die Internetseite des Landesamts für soziale Dienste Schleswig-Holstein verwiesen oder empfohlen, sich an die örtliche Ordnungsbehörde zu wenden.

„Dies ist leider missverständlich formuliert worden“, sagte Häckel auf Nachfrage der Sylter Rundschau. Zumindest in dieser Saison würde es weiter geduldet, dass unabhängig vom Grad der Behinderung mit einem sichtbar im Fahrzeug hinterlegten Behindertenausweis sowie einer Parkscheibe kostenlos geparkt werden darf – nicht nur auf Behindertenparkplätzen, sondern auf sämtlichen Parkflächen. Das sei für 2017 noch eine Art „Goodie“ für alle Betroffenen, ob Insulaner oder Urlauber. Allerdings gäbe es Überlegungen, künftig Sonderausweise nur für Sylter Behinderte zu vergeben, damit sie weiter kostenfrei überall parken können.

Nikolas Häckel räumte erneut Versäumnisse hinsichtlich der Informationspolitik in Sachen des neuen Konzepts zur Parkraumbewirtschaftung ein: „Ja, unsere Kommunikation im Vorfeld war schlecht – das ärgert uns wirklich sehr. Aber Menschen machen Fehler, aus denen wir schmerzhaft lernen.“ Bei einer früheren Information hätten viele Fragen geklärt und Spekulationen vermieden werden können, erklärte der Bürgermeister der Gemeinde Sylt, betont aber ebenso: „Sehr vieles ist gut an der neuen Gebührenregelung – schade, dass dies im Vorfeld nicht deutlich gemacht wurde.“ Häckel verspricht darüber hinaus weitere mögliche Korrekturen: „An den Punkten, wo nachzubessern ist, bessern wir gerne nach – immer vor dem Hintergrund einer fairen Gleichbehandlung. Am Konkreten entscheidet sich das Große. Daher helfen uns die vielen, meist sachlichen, Rückmeldungen über viele Medien sehr weiter.“

Ob Änderungen auch für die gewerbliche Nutzung öffentlicher Parkplätze geplant sind, ist bisher unklar. Autovermieter ärgern sich besonders über die Neuregelungen für das ZOB-Parkhaus. „Wir werden diesen Standort künftig so wenig wie möglich nutzen“, sagt Öger Akgün von Syltcar. „Zum Glück können wir ja auf andere Plätze ausweichen, aber es gibt Unternehmen, die das nicht können. Da sehe ich schon deren Existenz bedroht, das bringt Probleme für die Mitarbeiter und das bringt auch Probleme für die Urlauber, weil das Mietwagenangebot insgesamt geringer wird.“ Jetzt koste das Abstellen im ZOB-Parkhaus zwei Euro je Tag, doppelt so viel wie früher, so Akgün. „Das macht 30 Euro im Monat. Wenn man dort nur vier Wagen stehen hat, kommen schon 240 Euro zusammen. Das belastet das Unternehmen und das belastet die Kunden, weil diese Kosten ja über den Mietpreis weitergegeben werden.“

Der Sylter Unternehmer hätte sich gewünscht, dass die neue Gebührenordnung mittelfristig umgesetzt worden wäre. „Uns hat im Vorfeld leider niemand gefragt. Das kam ganz abrupt und wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt“, beklagt Öger Akgün. „Ein solches Verhalten hätte ich von der Gemeinde Sylt eigentlich nicht erwartet. Wir haben doch sonst auch ein gutes Miteinander.“

Sichtlich empört über die neue Regelung im ZOB-Parkhaus äußert sich Danny Blaas auf der Facebook-Seite der Sylter Rundschau: „Ich kann nur dazu sagen, armes Sylt. Es ist richtig, dass das oberste Deck mit Mietfahrzeugen besetzt ist, wir aber für jedes Fahrzeug 3,50 Euro bezahlt haben“, so der Inhaber der Westerländer Shell-Tankstelle, die mit der Autovermietung Sylt-Travel kooperiert. „In der Hauptsaison stehen dort kaum Mietwagen, da sie fast immer vermietet sind. Also totaler Quatsch, dass wir das Deck blockieren“. Und die beiden oberen Decks würden sowieso kaum genutzt, so Blaas. „Ich habe noch nie von der Verwaltung gehört, dass wir dort jemanden stören und weiß nicht, was die Sylter Politik eigentlich will.“

Weiter Streit gibt es auch um die Großparkplätze an den Bahnhöfen im Inselosten: „Die Preise erhöhen, um den Parkplatz in Keitum zu entlasten – versteh ich das richtig?“ fragt Achim Bonnichsen auf Facebook. „Wir Pendler sind gebeutelt genug, welche Alternativen werden aufgezeigt?“ Ironisch kommentiert der Geschäftsführer eines Tinnumer Betriebes für Fliesen-, Marmor- und Kunststeinarbeiten: „Auf Sylt zu arbeiten macht immer mehr Spaß. Bin gespannt, was die Gemeinde sich noch einfallen lässt, um an unser Geld zu kommen.“

„Für Gewerbetreibende gilt weiterhin die Möglichkeit des Parkens mit Sonderausweisen, um zum Beispiel das Pendlerparken zu erleichtern“, hält Nikolas Häckel dagegen. Seit 2009 gäbe es gewerbliche Dauerparkkarten, für jeden Sylter Betrieb und für maximal zwei Fahrzeuge. „Das kostet im Monat nur 24 Euro“, sagt der Sylter Bürgermeister. „Eine Preiserhöhung ist zwar im Gespräch, aber bisher noch nicht entschieden.“

Sonderregelungen für Insulaner gelten weiterhin auch in der Tiefgarage Stephanstraße 12. Für Anwohner ohne Stellplatz fallen dort 30 Euro pro Monat an, für Mitarbeiter der Innenstadt 35 Euro und Bewohner der Innenstadt mit Zweitwohnsitz ohne eigenen Stellplatz müssen 100 Euro je Monat zahlen.

Insgesamt gehe es bei dem neuen Parkraumkonzept um Deregulierung und Vereinheitlichung, betont Nikolas Häckel. Aus neun Tarifen werden nun nur noch vier, dies diene der Klarheit. „Leider werden wir nie allen so vielfältigen Interessengruppen gerecht werden können, aber wir versuchen unser Möglichstes“, so der Bürgermeister. „Ziel muss es aber sein, den öffentlichen Parkraum der parkenden Bevölkerung mit ihren verschiedenen Interessen vorzuhalten – und das gerecht.“


zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen