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Deutscher Buchpreis : Erste Inselschreiberin wird zum Literatur-Star

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Plötzlich im Rampenlicht des deutschen Literaturbetriebs: Terézia Mora war im Jahr 2001 die erste Inselschreiberin – jetzt erhielt die heute 42-jährige Autorin den Deutschen Buchpreis 2013.

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erstellt am 09.Okt.2013 | 06:00 Uhr

Eine der ersten Glückwunschnachrichten  erreichte  Terézia Mora von Sylt:   Über die Meldung, dass  die Schriftstellerin den Deutschen Buchpreis für den besten Roman des Jahres erhalten hatte, freute sich die Sylterin Indra Wussow ganz besonders.   Denn Preisträgerin Mora, die heute plötzlich im Rampenlicht des deutschen Literaturbetriebs steht, war vor zwölf Jahren die erste Inselschreiberin.

 Im Jahr 2001 kam die junge Schriftstellerin als erste Stipendiatin des kunst:raum sylt quelle auf die Insel. Zwischen Stifterin  Wussow und der  Inselschreiberin   der ersten Stunde ist seither eine Freundschaft gewachsen. Der Kontakt zur Insel hat also nicht nur literarische, sondern auch persönliche Spuren hinterlassen: „Sie ist eine tolle Autorin, die sich durch eine hohe literarische Qualität auszeichnet.“  Besonders erfreut ist die Sylter Freundin  auch  darüber, dass die Buchpreis-Jury – „nicht wie so oft dem Massengeschmack gefolgt ist“  – sondern  das „unglaubliche Sprachgefühl“ von Terézia Mora geehrt habe.  Der preisgekrönte, knapp 700-seitige  Roman bedient sich eines ungewöhnlichen Textaufbaus: Neben dem Fließtext, der von der Reise eines  Witwers nach Ungarn berichtet,  kann  der Leser ebenfalls  Tagebucheinträge seiner verstorbenen Ehefrau studieren, die sich das Leben genommen hat. Beide Texte verschmelzen so zu einer tragischen Familiengeschichte, die sich elementaren Themen widmet. So befand auch die Jury des Deutschen Buchpreises: „‘Das Ungeheuer‘ ist ein tief bewegender und zeitdiagnostischer Roman.“

Die Ungarin kam 1990 nach Berlin. Sie studierte Hungarologie und Theaterwissenschaften. Ihr Debüt, der Erzählungsband „Seltsame Materie“, erschien 1999. Für die Erzählung „Der Fall Ophelia“ erhielt sie im gleichen  Jahr den Ingeborg-Bachmann-Preis.

 Für das Inselstipendium bewarb sich die junge Autorin  vor zwölf Jahren  mit dem Text „Reif für die Insel“,  und setzte sich gegen 122 Mitbewerber durch. Bereits damals kreiste sie literarisch um das Thema ihrer Herkunft: „Ich bin mitten auf dem Kontinent geboren, in einem Land, das von allen Seiten von noch mehr Land umschlossen ist. Das ist, nebenbei bemerkt, auch eines der großen Traumata meines Volkes.“ Kurz darauf –  Terézia Mora hatte ihr Sylter  Literaturstipendium gerade angetreten – bekannte die damals 30-Jährige im Interview mit der Sylter Rundschau: „Ich hatte zwar schon etwas über Sylt gehört, aber das erschien mir alles ziemlich klischeehaft zu sein. Was man meistens hört, hat mit Begriffen wie Lifestyle und Yuppie-Insel zu tun. Ich mach ’ mir meine Vorurteile  aber lieber selber.“

Heute ist  das Sylt-Bild der Schriftstellerin sicher um viele  Facetten  reicher  geworden: Die Preisträgerin hat die Insel in den vergangenen Jahren häufiger besucht. Auch bei  der Hochzeit des Ehepaar Wussow stand die Autorin auf der Gästeliste.    Indra Wussow: „Wir werden uns nächste Woche in Berlin treffen – darauf freue ich mich schon jetzt.“ Nils Jesumann

 

 

 

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