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Henner-Krogh-Haus : Erst verschludert, dann verschoben

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Drei Mal hätte das Thema „Henner-Krogh-Haus“ in der Gemeindevertretung behandelt werden können. Jetzt ist aber erst einmal der Ortsbeirat dran.

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erstellt am 23.Mär.2016 | 06:21 Uhr

Das Projekt zur Sanierung des Henner-Krogh-Hauses in der Mitte der Friedrichstraße sowie zu einem Abriss und Neubau des benachbarten Fischrestaurants von Gosch muss zunächst im Ortsbeirat Westerland behandelt werden. Ursprünglich sollten bereits die Gemeindevertreter auf ihrer Sitzung am vergangenen Donnerstag eine Entscheidung zu dem seit mittlerweile vier Jahren vieldiskutierten Bauvorhaben treffen. Dazu hatte die Verwaltung das Thema allerdings sehr kurzfristig auf die Tagesordnung gesetzt. Der Hintergrund: Zunächst war die notwendige Beschlussvorlage – auf Basis der Beratungen im Hauptausschuss Anfang Dezember 2015 – für die erste Gemeindevertretersitzung im Januar nicht fristgerecht fertig geworden. Dann wurde die Februarsitzung aufgrund zu weniger Tagesordnungspunkte abgesagt – alleiniges Thema wäre eben das Projekt Henner-Krogh-Haus/Gosch-Neubau gewesen. Schließlich wurde die Vorlage von der Verwaltung „irrtümlich“ auch nicht auf die Tagesordnung für März gesetzt.

Der Versuch, das über den gemäß Gemeindeordnung einzig möglichen Weg – nämlich einen Dringlichkeitsantrag – nachzuholen, scheiterte jedoch. Nur die SPD und der SSW mit ihren neun Mitgliedern stimmten dafür, die erforderliche Zweidrittelmehrheit von 24 Stimmen wurde also deutlich unterschritten. Eine Dringlichkeit sei nicht gegeben, sagte der CDU-Fraktionschef Wolfgang Jensen: „Wir können das Thema genauso gut im April behandeln. Das gibt dem Ortsbeirat Westerland die Gelegenheit, sich mit dem Thema zu beschäftigen.“

Genau dies sei der eigentliche Grund für die Ablehnung gewesen, erklärte dessen Vorsitzender Kay Abeling (CDU) auf Nachfrage der Sylter Rundschau. „Ich hätte da ohnehin, selbst in meiner eigenen Partei, ein Veto eingelegt. Es ist doch ein Unding, dass die Gemeindevertreter Beschlüsse fassen, ohne erstmal den zuständigen Ortsbeirat anzuhören.“ Die erneuten Verzögerungen, insbesondere für die dringend erforderliche Sanierung des Henner-Krogh-Hauses, findet Gerd Nielsen (SPD) dagegen „beschämend“. Man habe sich doch damit schon lange genug beschäftigt. Die Entscheidung, das Thema jetzt in den Ortsbeirat zu verweisen, sei „seltsam“ – darüber hinaus fielen Entscheidungen über Vertragsangelegenheiten gar nicht in die Zuständigkeit dieses Gremiums, so der SPD-Fraktionsvorsitzende. Andreas Eck vom SSW sprang ihm zur Seite: „Wenn der Ortsbeirat sich in all den Jahren nicht damit beschäftigt hat, besteht wohl auch kein Bedarf.“ Gosch habe doch alles getan, was die Gemeinde von ihm verlangt – deshalb könne man nun auch endlich beschließen, forderte der Kommunalpolitiker.

Verärgert über die „unmögliche Vorgehensweise“ der Gemeindevertreter äußerte sich auch Uwe Tiedjen, der Kuratoriumsvorsitzende der Henner-Krogh-Stiftung. „Das ist eine Verzögerungstaktik, deren Sinn ich nicht nachvollziehen kann. Um es klar und deutlich zu sagen: Ich bin stinksauer!“ Seit Herbst 2012 sei das Thema immer wieder in Gesprächsrunden mit Unternehmer Jürgen Gosch, Vertretern der Verwaltung sowie Mitgliedern aus den Fraktionen behandelt worden – „unter anderem auch mit Kay Abeling als Teilnehmer“, wie Tiedjen betonte. Dass der Ortsbeirat ebenso wie der Bauausschuss einbezogen wird, wenn es um die architektonische Gestaltung der Häuser in der Westerländer Fußgängerzone geht, ist für den Kuratoriumsvorsitzenden selbstverständlich. „Zunächst aber geht es darum, endlich die Verträge unter Dach und Fach zu kriegen.“

Eine erneute Verzögerung des Bauvorhabens könne in dreifacher Hinsicht negative Folgen haben, befürchtet Tiedjen. Erstens führe dies dazu, dass die Henner-Krogh-Stiftung weiter weniger Geld als möglich durch die Verpachtung ihres Gebäudes erhalte, weil die Obergeschosse aus baulichen Gründen weiter gesperrt sind. Zweitens müssten Insulaner und Urlauber noch länger „diesen Schandfleck mitten in Westerland“ ertragen. Vor allem jedoch bestehe das Risiko, dass Gosch die Geduld verliere und mit dem Projekt nicht bei der Stange bleibe. „Aber vielleicht ist ja genau dies das Ziel derer, die jetzt für Verzögerungen sorgen.“

Solche Vorwürfe weist Kay Abeling weit von sich – auch ihm gehe es um eine zeitnahe Lösung, aber eben unter Einbeziehung des Ortsbeirates. Damit das leidige Thema nicht bis zur nächsten geplanten Sitzung Ende Mai liegen bleibt, bemühe er sich aktuell um einen früheren Termin möglichst noch vor der Gemeindevertretersitzung am 21. April. Außerdem soll vor beiden Sitzungen ein Ortstermin in der Friedrichstraße stattfinden, an dem Vertreter des Bauamtes und der Firma Gosch sowie die Ortsbeiratsmitglieder teilnehmen.

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