Erneute Verwirrung um die Wasserrettung

Unklarer Beschluss? Politik votiert für Festschreibung des Status Quo, Bürgermeisterin interpretiert offizielle Übernahme durch die Gemeinde

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21. März 2014, 14:12 Uhr

Mit großer Mehrheit hat sich die Sylter Gemeindevertretung Donnerstagabend entschieden, die Wasserrettung in der größten Inselgemeinde der Freiwilligen Feuerwehr Westerland – in Zusammenarbeit mit dem Rettungscorps Westerland, DLRG und DRK – zu übertragen. Allerdings wie bisher auf rein freiwilliger Basis, da Wasserrettungseinsätze nicht zu den gesetzlichen Aufgaben der Feuerwehren gehören. Mit diesem von der CDU beantragten Beschluss will die Politik wieder Ruhe in die Zuständigkeits-Streitereien zwischen den einzelnen Ortswehren der Gemeinde sowie mit dem Rettungscorps bringen.

Ob das gelingt, ist jedoch fraglich, da Bürgermeisterin Petra Reiber den Beschluss der Gemeindevertretung völlig anders auslegt als die Politik. Ihrer Ansicht nach hat die Gemeinde beschlossen, die Wasserrettung freiwillig zu ihrer Aufgabe zu machen und der Westerländer Wehr zu übertragen. Dies werde sie so auch dem Innenministerium des Landes mitteilen, kündigte Reiber gegenüber der Sylter Rundschau an.

Bis zuletzt hatte sich die Bürgermeisterin dafür eingesetzt, die Verantwortung für die Rettung Ertrinkender offiziell durch die Gemeinde zu übernehmen und der Westerländer Wehr zu übertragen. Nur so seien die Feuerwehrkameraden im Ernstfall versichert und sie als Verantwortliche rechtlich abgesichert. Reiber: „Wir laden die Menschen ein, bei uns am Strand zu baden, und können dann nicht sagen, es interessiert uns nicht, wer sie nach 17 Uhr rettet, wenn die Aufsicht am Strand endet.“

Die Gemeindevertretung vertritt jedoch die Auffassung, dass es keinen Grund gebe, die seit Jahrzehnten bewährte Rettungspraxis zu ändern, wonach die Feuerwehr im Rahmen technischer Hilfeleistung ausrückt, wenn sie von der Rettungsleitstelle zu einem Einsatz auf dem Wasser geschickt wird. Die versicherungsrechtlichen Fragen sollen von der Kommunalaufsicht jedoch geprüft werden. Eine offizielle Wasserrettung, wie von Reiber gefordert, suggeriere lediglich eine Sicherheit, die nach Ende der Strandaufsicht durch Rettungsschwimmer nicht gegeben sei, betonte Sönke Hansen (SWG). Aus diesem Grund soll eine Ausweitung des offiziellen Badebetriebes bis 20 Uhr geprüft werden.

Angesichts der abweichenden Interpretation Reibers lässt die SWG-Fraktion jetzt auch den Beschluss selbst durch die Kommunalaufsicht prüfen. Für den Fall, dass tatsächlich die Festschreibung des bisherigen Status Quo beschlossen worden sei, monierte Reiber die „wachsweiche Formulierung“ und kündigte an, Widerspruch gegen die Entscheidung einzulegen.

Vom Freiwilligen Rettungscorps wurde der Beschluss gestern in einer Pressemitteilung ausdrücklich begrüßt, da das Corps auch künftig an der Wasserrettung beteiligt sein wird. Dadurch würde die Sicherheit an den Stränden erhöht und die Rekrutierung neuer Wasserretter aus den Kreisen der Rettungsschwimmer vereinfacht.

Der Beschluss im Wortlaut: 1. Auf Basis der Grundsätze für die Zusammenarbeit vom 29.1.2014 beschließt die Gemeindevertretung die Durchführung der Wasserrettung in der Gemeinde Sylt auf freiwilliger Basis in Zusammenarbeit und unter Federführung der Freiwilligen Feuerwehr Westerland mit dem Rettungscorps Westerland. 2. Die Gemeindevertretung beschließt, die versicherungsrechtlichen Fragen von der Kommunalaufsicht prüfen zu lassen. 3. Im Haushaltsplan wird eine gesonderte Haushaltsstelle für den Bereich der Wasserrettung eingerichtet, um die Kosten transparent zu halten. 4. Der ISTS möge die Ausweitung des Badebetriebes bis 20 Uhr prüfen.

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