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Sylter Rundschau

17. Dezember 2017 | 13:16 Uhr

Ergebnisse einer kreativen Sylt-Expedition

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Hamburger Künstlergruppe 396 stellt in der Stadtgalerie aus

„Es wird gemalt, was man sieht!“ Zutreffender als mit diesen prägnanten Worten des Malers Jürgen Pospisil können die Werke von sieben Hamburger Künstlern nicht charakterisiert werden, die auf Einladung der Sylter Kunstfreunde gegenwärtig in Westerlands Stadtgalerie Alte Post zu sehen sind.

Die Hansestädter, allesamt zur „Gruppe 396“ zusammengeschlossen, hatten im vergangenen Jahr Sylt zum Ziel gemeinsamen künstlerischen Schaffens bestimmt. Das Ergebnis dieser ausnehmend kreativ und produktiv ausgefallenen Exkursion (bei der sehr wohl über den insularen Tellerrand geschaut und norddeutsche Motive mit einbezogen wurden) präsentiert sich in einer farblichen und motivischen Fülle, die den Besuch dieser Werkschau mehr als lohnend macht. Lange Zeit galten die sich einer realistischen Malweise verpflichteten Künstler als ewig Gestrige, die lediglich „abbildeten“. Allerdings scheint ein Umdenken eingesetzt zu haben, geriet doch seinerzeit die Ausstellung der norddeutschen Realisten auf Schloss Gottorf geradezu zu einer allseits beachteten „Kunstsensation“. Dieser Mut darf mit Recht auch Petra Nies und dem Vorstand der Sylter Kunstfreunde attestiert werden, die die gegenwärtige Ausstellung ermöglichten.

So erfreut sich der Besucherblick gleich eingangs an Christian Neunzigs „Sielzug, Nordfriesland“, dessen Wasserlauf und Wiesen sich in der Unendlichkeit zu verlieren scheinen. Und dabei gar ein recht meditative Wirkung entfalten. Bernd O. Lüken stellt das „Morsum Kliff“, gen Westen“ nicht nur aus einer selten gemalten Perspektive vor, sondern überzeugt insbesondere auch durch seine Farbgebung.

Annelie Witts „Sylt-Düne“ kommt daneben recht flippig daher und betört durch bislang bei Dünen jedenfalls kaum gesehene Farblichkeit.

Natürlich fehlen die üblichen insularen Verdächtigen wie St. Severin oder das Kampener Rote Kliff auch bei dieser Präsentation nicht – wer wollte das den kreativen Inselbesuchern verdenken. Deutlich aber wird daneben der Mut, so manches vermeintliche insulare „Stiefkind“ wie den Hörnumer Leuchtturm (Günter Olbrisch), das abseits gelegene Listland oder die Hörnumer Odde zum Motiv zu erheben. Jürgen Pospisils „Sturmflut an Hörnums Odde“ etwa bestätigt das. Und verdeutlicht darüber hinaus recht eindrucksvoll seine altmeisterliche Maltechnik. Sein Meeresgetöse vor Hörnum lässt den kundigen Betrachter an manches Motiv des Norwegers Christian Dahl denken. „Meer und Wolken im Abendlicht“ von Ulrike Rast lenkt die Gedanken dagegen in ruhigere Bahnen und fängt meisterlich eine vielen nachvollziehbare Stimmung ein.

In der Tat: eine Ausstellung, die Herz und Verstand gleichermaßen in Schwingung zu versetzen mag.


Gruppe396, Stadtgalerie Alte Post, Stephanstraße 4, Westerland, täglich geöffnet von 11 bis 19 Uhr, die Ausstellung ist bis zum 30. Mai zu eshen.


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