Sylter Brauchtum : Erfolgreicher „Folmuunsinj“

Die Darsteller des Theaterstücks „Strönauktion“: Ulla Nielsen, Petra Schwarze, Bärbel Ruff, Britta Suwelack, Hartwig Richter, Lynn Scotti und Birgit Hussel
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Die Darsteller des Theaterstücks „Strönauktion“: Ulla Nielsen, Petra Schwarze, Bärbel Ruff, Britta Suwelack, Hartwig Richter, Lynn Scotti und Birgit Hussel

Mehr als 100 Besucher kamen zum traditionellen Vollmondabend der Söl`ring Foriining in den Keitumer Friesensaal

shz.de von
05. Februar 2018, 05:22 Uhr

Vollmondabende im Winter bedienen eine alte Tradition auf unserer Insel, die zum Glück noch nicht in Vergessenheit geraten scheint. So folgten mehr als einhundert Besucher der öffentlichen Einladung des Heimatvereins Söl’ring Foriining am vergangenen Freitag zu einem „Folmuunsinj“ in den Keitumer Friesensaal. In Erwartung dessen, was die friesische Theatergruppe des Vereins auf die Beine gestellt hatte, konnte man an den in den Farben der friesischen Fahne gedeckten Tischen unter den miteinander plaudernden Syltern auch viel Sölring hören.

Das Marionettentheater „Snewit en di Puken fan Söl“ – eine Sylter Version des Grimmschen Märchens „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ – verzauberte die Zuschauer mit einem anmutigen Snewit. Die Meeresgöttin Ran will diese durch ihren Gatten Eke Nekepen ertränken lassen, nachdem sie nach Befragung der Salzmühle erfährt, das Snewit die Schönste auf Sylt ist. Eke jedoch ist ein Schwerenöter und will das schöne Mädchen für sich behalten. Er meint: „Ich brauche etwas Junges!“

Nachdem er sie in den Dünen zurücklässt, kommt Snewit mit Hilfe der kleinen Möwe Emma zu einem Häuschen auf der Heide, in dem die Sylter Puken wohnen. Sie lebt glücklich mit den freundlichen kleinen Männchen, bis Ran sie findet und mit präparierten Pfeffernüssen vom Bäcker aus Morsum vergiftet. Zum Glück haben die Puken eine gute Medizin und so überlebt Snewit den Anschlag und kann mit Prinz Waldemar Hochzeit halten. Die Marionetten der Söl’ring Foriining sind in Schleswig-Holstein etwas ganz Besonderes, denn sie sprechen ausschließlich friesisch.

„Leute, Leute, das kann etwas werden für unser Dorf, die Bahn kommt!“ So begann dann die Komödie auf der Bühne. Ein kleines Lustspiel, frei nach Jens Emil Mungards (1885-1940) Theaterstück „Di Strönauktion fan Blisem“, das im vergangenen Jahrhundert oft aufgeführt wurde, als es noch ein Publikum für lange friesische Theaterabende gab. In historischen Kostümen meisterten die Darsteller des Abends die Herausforderung mit Bravour, gutes deutliches Sölring zu sprechen und komödiantisches Talent, gepaart mit Spielfreude, in ein kurzweiliges, in List angesiedeltes Milieu-Stück zu verwandeln. Und wer kein Sölring versteht, für den lag der Inhalt des Stückes ausgedruckt in deutscher Sprache auf den Tischen.

Heute kaum zu glauben, dass man im Jahr 1907 nur mit Pferd und Wagen bei Ebbe am Watt entlang nach List fahren konnte. Als die Nordbahn 1908 endlich gebaut wurde, gab es dort 13 Häuser und 70 Einwohner. Bis dahin war eine Strandauktion jedes Mal ein gesellschaftlicher Höhepunkt und man wartete darauf, den neusten Klatsch aus den übrigen Sylter Dörfern zu erfahren. „Was auf Sylt Pfingsten und Petritag, ist bei uns die Strandauktion,“ so die einhellige Meinung der Lister. Den Zuschauern gefiel diese kleine Reise in die vermeintlich gute alte Zeit außerordentlich. So wurden die Darsteller mit anhaltendem Beifall belohnt und konnten sich danach entspannt in die lange Reihe am leckeren Büfett anstellen und den Abend mit „Wat snak üp Sölring“ ausklingen lassen.

 

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