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Klimaschutz-Manager : Er will nur mal kurz die Welt retten

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Dieser Mann hat Großes vor: Günter Thomas ist seit Anfang des Monats Sylts Klimaschutz-Manager.

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2013 | 00:33 Uhr

Solche Sätze fallen im Umweltausschuss auch nicht ständig: „Wir wollen ja schließlich die Welt retten“, sagte Günter Thomas. Der 59-Jährige ist seit Anfang des Monats der erste hauptamtliche Klimaschutz-Manager der Insel Sylt. Und dass Günter Thomas seinen neuen Job ernst nimmt und die Welt von Sylt aus zumindest ein bisschen retten will, das nahm man ihm bei seiner Vorstellung vor den Ausschussmitgliedern ab.

In Sachen Energieberatung hat Thomas Erfahrung: Unter anderem hat der Vater dreier erwachsener Kinder 20 Jahre selbstständig als Energieberater gearbeitet und die vergangenen acht Jahre für die Verbraucherzentrale im Ruhrgebiet verschiedene Projekte zum Thema Klimaschutz begleitet. Auf Sylt ist Thomas nun über den Landschaftszweckverband (LZV) zunächst befristet auf drei Jahre eingestellt, teilweise wird seine Stelle mit Bundesmitteln finanziert. Er soll nun verschiedenste Aufgabenfelder angehen, sich mit dem Klimaschutz-Manager des Kreises vernetzen und auf der Insel unter anderem für die Verbesserung der Energieeffizenz im Gewerbe kämpfen. Viele dieser Aufgabenbereiche gehen aus dem 2011 vom LZV in Auftrag gegebenen Klimaschutzkonzept hervor, dass sich wissenschaftlich mit der Thematik für die Insel auseinander gesetzt hat (siehe Infokasten).

Zunächst möchte sich Thomas vor allem mit den anderen Akteuren in Sachen Energiesparen und Klimaschutz vernetzen, um zu sehen, was auf der Insel bisher getan wird und an welchen Punkten er anknüpfen kann. Dabei ist der gebürtige Kölner, der momentan in Leck lebt, von einigen Aspekten auf Sylt schon jetzt angetan, beispielsweise wenn es um Elektromobilität geht: „Die Bedingungen für Elektroautos sind hier auch ideal, obwohl ihre Reichweite nur 150 Kilometer weit ist – auf Sylt reicht das ja, um mehrmals von einem Ende zum anderen zu fahren.“

Neben E-Mobilität will Thomas das Thema klimabewusstes Leben auch durch Öffentlichkeitsarbeit stärker in den Köpfen der Sylter verankern – und in denen der Gäste: „Wir können weit mehr als die 20 000 Menschen beeinflussen, die hier leben, wenn die Urlauber ein neues Bewusstsein mit nach Hause nehmen.“ Das Ziel: Sylt als klimafreundlichste Insel Deutschlands zu etablieren. Weil Thomas der Meinung ist, dass sein Job ohne Optimismus nicht funktioniert. Und weil er generell findet, dass „uns ja gar nichts anderes übrig bleibt, als unser Verhalten zu ändern, wenn wir uns den CO2-Anstieg angucken.“ Aber gerade Sylt als Klima-Vorbild – ist das nicht ein bisschen sehr optimistisch? Nein, findet der Klimaschutz-Manager. Es gäbe auf der Insel schon gute Ansätze, beispielsweise dass die EVS nur noch „Ökostrom“ vertreibe. Außerdem: Selbst diejenigen, die mit ihren SUV über die Insel fahren, betreiben auf ihre Art schon ein bisschen Klimaschutz: „Sie hätten ja auch auf die Seychellen fliegen können, statt in Kampen Urlaub zu machen.“

Eines hat er in seiner Zeit als Energieberater gelernt: Wer Menschen dazu bringen will, sich eine Solaranlage aufs Dach setzen zu lassen, muss sie ködern – und zwar nicht nur mit den wirtschaftlichen Aspekten: „Wenn ich 70-Jährige berate, fragen die, ob sich das in ihrer Lebenszeit noch rechnet. Das sollte man nicht so verkniffen sehen: Der Nachnutzer hat doch noch Spaß daran.“ Ohnehin – Spaß am Klimaschutz zu vermitteln ist Thomas wichtig. Denn dass Solaranlagen aus wirtschaftlichen Gründen sinnvoll sind, an diesen Erkenntnispunkt werden die Deutschen seiner Meinung nach ohnehin schneller kommen, als gedacht. Bis dahin muss man sie dazu bringen, „dass sie Lust darauf haben“. Wie er das auf der Insel genau angehen wird, daran feilt Thomas noch. Von heute auf morgen geht es halt nicht, das Welt-Retten von Sylt aus.

 

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