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Sylter Rundschau

22. August 2017 | 11:33 Uhr

"Er war ein echter Kampianer"

vom

Kampen trauert um einen seiner liebsten Urlaubsgäste: Berthold Beitz blieb dem Ort über 60 Jahre treu

Kampen | Kampen war für Berthold Beitz ein zweites Zuhause, dort tanzte der Krupp-Generalbevollmächtigte in den 60er Jahren mit seiner Frau Else die Nächte durch, dort stand jahrelang sein Strandkorb vor der Buhne 16. Diesen Urlaubsort unterstützte Beitz, er blieb ihm über 60 Jahre treu, hier starb er am Dienstag in seinem Reetdachhaus, das er 1972 gekauft hatte. Schöne Erinnerungen an Berthold Beitz sind in Kampen nicht schwer zu finden.

"Berthold Beitz hatte sich für sein Haus von der Kieler Olympiade einen Fahnenmast mitgebracht", erinnert sich der ehemalige Kampener Wehrführer Udo Lützen. Dieser Fahnenmast war so verankert, dass man ihn nicht einklappen konnte. Als also eines Tages oben ein Tau riss, hatte Beitz ein Problem: "Er sagte, wenn es einer schafft, da hoch zu kommen, bekommt er 10 000 Mark von mir", erinnert sich Lützen. "Das Geld konnte die Feuerwehr gut gebrauchen - also habe ich von den Westerländer Kollegen die Drehleiter geborgt und das Tau ausgetauscht." Die 10 000 Mark waren nur ein kleiner Teil der Unterstützung, die Beitz seiner Kampener Wehr angedeihen ließ, weiß Lützen. Er schätze ihn sehr: "Alles was er sagte, hatte Hand und Fuß. Es war ein aufrechter Mann." Seine Nähe zur Kampener Feuerwehr zeigte Beitz auch in seinen alljährlichen Besuchen des Feuerwehrfestes: "Dort hat er sich immer sehr nett unterhalten. Leider war er in diesem Jahr nicht dabei."

Daran denkt auch Bürgermeisterin Steffi Böhm, die Beitz als "tollen, charismatischen Mann" kennen lernte. In diesem Sommer sei er gegen Abend noch gelegentlich vom Parkplatz zum Podest bei der Sturmhaube gelaufen: "Er war Kampen ja sehr verbunden - für mich sah es fast so aus, als ob er sich noch einmal alles angucken wollte, und Tschüs sagen."

Aber nicht nur Kampen war Beitz verbunden - wann immer es ihm möglich war, besuchte er das Sommerkonzert der Deutschen Stiftung Musikleben in Keitum. Der Jazz- und Klassikfan saß fast 20 Jahre im Kuratorium der Stiftung, die musikalischen Spitzennachwuchs in Deutschland fördert. "Berthold Beitz war einer der Gründe, warum wir das jährliche Konzert unserer Stipendiaten vor 13 Jahren in St. Severin eingeführt haben", sagt Stiftungsvorsitzende Irene Schulte-Hillen. Die Krupps-Stiftung habe so viele Käufe hochklassiger Instrumente unterstützt - "da wollten wir, dass Herr Beitz sie auch einmal hört." Schulte-Hillen: "Er verstand so viel von Musik, er hat sich so für unsere Sache engagiert." Sie erinnert sich an zahlreiche Besuche, "da saß ich vor diesem Schreibtisch in Essen und dann wurde ich verhört, wofür wir das Geld denn brauchen. Liebevoll verhört, aber unvorbereitet konnte man da nicht hin gehen." Sie erinnert sich an einen Mann, "vor dem ich Hochachtung hatte. Ganz einfach."

"Dieser Mann hätte auf der ganzen Welt Urlaub machen können - doch er ist immer zu uns gekommen - er hat Kampen geliebt." Rolf Seiche, langjähriger Betreiber des Lokals Gogärtchens, in dem Beitz regelmäßig am Tisch 2 saß, ist vom Tod "dieses Gentlemans" schwer getroffen. "Ich erinnere mich, wie er 1965 mit Axel Springer und Alfred Krupp unterwegs war. Ich arbeitete damals als Barmann in der Tenne - und war, glaube ich, der einzige Wirt, mit dem Beitz auf Du war." Auch wenn das Ehepaar Beitz in jungen Jahren das Kampener Nachtleben unsicher machte - das wilde Leben hatte bei dem Großindustriellen auch seine Grenzen. Eine betagte Dame aus Essen, Stammgast in Kampen, erinnerte sich vor einigen Jahren an die champagnerseligen Nächte: "All die hübschen Mädchen, die nackig an der Buhne 16 rum rannten. Nur Gunter Sachs und Berthold Beitz, die hatten immer brav eine Hose an."

Für viele Insulaner gehörte Beitz zu einer ganz bestimmten Gruppe Stammgäste - Conny Hansen drückt es so aus: "Das war einer der echten Kampianer - einer der viel darstellt, aber wenig Gewese um sich macht." Hansen, der lange Zeit stellvertretender Bürgermeister in Kampen war, schätze Beitz Einsatz für die Gemeinde: "Wenn Not am Mann war, hat Berthold Beitz Türen für uns geöffnet. Er hat immer wieder gesagt, dass Kampen seinen Charakter bewahren soll - ’Was Sie hier für einen Ort und eine Natur haben, ist unbezahlbar’." Neben der Kommunalpolitik verband die beiden eine gemeinsame Jagdleidenschaft. "Bei unserem ersten Treffen stand ich mit meinem Vater an der Wattseite in unserem Jagdrevier. Auf einmal kam Berthold Beitz auf uns zu und fragte mit einem Lachen, ganz freundlich: ’Wer steht denn da auf meinem Grundstück’", erinnert sich der 75-Jährige. "Dass ihm dieser Teil der Heide gehörte, wussten wir gar nicht." Weil Beitz selbst begeisterter Jäger war, entwickelte sich zu Vater Hans-Harald Hansen im Laufe der Jahre eine Art Freundschaft. "Berthold Beitz steht für das alte Kampen", sagt Hansen, "es ist ein Verlust, dass er hier nicht mehr durch den Ort geht."

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erstellt am 02.Aug.2013 | 07:20 Uhr

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