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Serie Sylter Sammler : Er sammelt Eier, Fliesen und Franzosen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Wahlsylter Rolf D. Hawlicek sammelt seit vielen Jahren Eier und Französische Bulldoggen.

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2015 | 05:18 Uhr

Nagellack-Fläschchen, Knöpfe, Fingerhüte: Sammeln kann man so ziemlich alles. Neben den klassisch bekannten Leidenschaften für Briefmarken, Münzen und Modellautos gibt es Sammler, die ihr Herz an Plastiktüten, Mickey-Mouse-Figuren, Kronkorken oder antike Schnupftabakdosen verloren haben. Der Wert einer Sammlung ist dabei oft ideell, in anderen Fällen muss für ein Objekt der Begierde aber auch mal tief in die Tasche gegriffen werden. Die Sylter Rundschau widmet sich in einer Serie den Sammelleidenschaften der Insulaner und ruft alle Sammelwütigen auf, sich zu melden und ans Licht zu holen, was sich in den Kisten, in den Kellern oder in den Vitrinen befindet.

In dem Sylter Haus, das der gebürtige Hamburger Rolf D. Hawlicek vor 16 Jahren gekauft hat, erkennt man in jedem Winkel seine Handschrift. „Von außen sieht das Haus ja einfach und bescheiden aus“, sagt der Mann, der über die Jahre ein kleines Museum der persönlichsten Art in den eigenen vier Wänden geschaffen hat. Aus 16 in der Küche befindlichen Fliesen wurden zum Beispiel 4  000, weitere 1  000 Fliesen warten noch auf ihren Platz. Über Jahre hat er sie zusammengetragen und so sinnig und individuell angebracht, dass sie Geschichten durch den Raum erzählen. Die Fliesen sind allerdings nur der Rahmen, denn eigentlich lebt Hawlicek für Eier und für Französische Bulldoggen.

„Erst war das Ei, dann kam der Hund“, erklärt der Sammler aus Leidenschaft. „Mein damaliger Chef hat mir mein erstes Ei geschenkt und mir erklärt, dass diese ein Zeichen des Lebens und vor allem der Freundschaft sind“. Seitdem sammelt er die meist steinernen Eier und brachte sie aus den Ländern, die er beruflich bereiste, sowie aus verschiedensten Materialien mit. „Eier aus Stein symbolisieren beispielsweise neben dem Leben auch Ewigkeit“, erklärt er, „während die natürlichen aus Kalk eben Sensibilität und Zerbrechlichkeit verkörpern.“ Die Eier, die er selbst aus vielen Ländern mitbrachte, haben alle ihre eigenen Geschichten, die er jederzeit zum Besten geben kann. Auch sein Freundeskreis stockte seine Sammlung auf, da sie ihm die symbolträchtigen Mitbringsel aus Urlauben zu sämtlichen Anlässen schenkten.

Ungefähr 150 Eier nennt Rolf D. Hawlicek nun sein Eigen, wobei das größte 15 Kilogramm wiegt und so groß wie ein Football ist. „Mein kleinstes Ei ist leider beim Umzug nach Sylt verloren gegangen, aber trotzdem habe ich, seitdem ich hier auf der Insel bin, jeden Tag ein Glücksgefühl.“ Der Wahlsylter kommt schon seit Jahrzehnten auf die Insel, pendelte zunächst zwischen Hamburg und Sylt und lebt hier seit vier Jahren dauerhaft.

Selbstverständlich gibt es auch ganz wertvolle Schätze: „Ich erinnere mich an den Tag, an dem ich das ganz besonderes Ei entdeckt und gekauft habe. Als ich nach Hause fuhr, war ich so aufgeregt, dass ich vor lauter Eile in den Zaun vorm Haus gefahren bin“, sagt er und muss lachen. Auf dem besagten Ei, das zirka 100 Jahre alt ist und im Fabergé-Stil gefertigt wurde, thront eine Bulldogge, was für ihn die „Inkarnation der Begeisterung“ ist. „Man braucht, was das Herz erwärmt“, lautet das Motto, das seine Leidenschaft erklärt und betont.

Neben den Eiern gibt es aber auch noch die französischen Bulldoggen im Hause Hawlicek. „Das sind ganz intelligente und extravagante Hunde, die sich jedoch allzu gut an Familien anpassen“, schwärmt der Hundefreund. „Während eines Seminars vor 40 Jahren habe ich zum ersten Mal eine Bully gesehen und gleich mein Verlangen nach dieser Rasse Hund verspürt.“ Hawlicek selbst, der neben seiner Sammelleidenschaft auch viel malt und zeichnet, hat 140 Figuren, Bilder, Kissen und sogar Gehstöcke mit dem Kopf der Hunde in sämtlichen Räumen verteilt und kunstvoll drapiert.

Vier französischen Bulldoggen, Gustav-Marylin, Paula-Socke, Oskar-Helicopter und Bruno-Brunello, die leider schon „in den Himmel umgezogen“ sind, begleiteten die Familie bisher und weckten noch eine weitere Sammel-Leidenschaft im Hause Hawlicek: Schweine. So begann besonders die Dame des Hauses Schweine jeglicher Gestalt zu sammeln, da diese den „Bullis“ optisch ähneln. Auch diese Vierbeiner erzählen viele Geschichten und bilden eine fast ironische Facette der Sammelleidenschaft.

Viele der „neuen Familienmitglieder“ haben Funktionen und Geschichten, an denen sich das Ehepaar erfreut. So gibt es beispielsweise ein Grünkohl-Schwein und eine Pegsau mit Flügeln, aber auch das Scheidungs-Opfer-Schwein Waltraud, dessen Sorgerecht die Hawliceks für 65 D-Mark erkaufen konnten, nachdem sich die ehemaligen Besitzer nicht entscheiden konnte, in wessen Besitz es nach der Trennung übergehen sollte.

Die Räumlichkeiten des Ehepaars, das mit seinem Angedenken der Bulldoggen lebt, sind geschmückt mit holländischen Fliesen, verziert mit Schweinen und beherbergen eine beachtliche Eier-Sammlung. Kitschig, könnte man meinen, doch authentischer und stimmiger kann man Eier, Schweine, Fliesen und auch Doggen nicht paaren.

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