Nachlese zur Bürgermeisterwahl auf Sylt : „Er kann den guten Weg weitergehen“

Bürgermeisterin Petra Reiber und ihr Nachfolger Nikolas Häckel
Bürgermeisterin Petra Reiber und ihr Nachfolger Nikolas Häckel

Am Tag nach der Wahl traf sich Nikolas Häckel mit Bürgermeisterin und Bürgervorsteher / Gabriele Pauli will sich weiter auf Sylt engagieren

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13. Januar 2015, 06:00 Uhr

Am Tag Eins nach der Entscheidung geht es Wahlsieger Nikolas Häckel „sehr gut“. Er freue sich über das deutlich positive Ergebnis und sei „geradezu heiß darauf“, endlich starten zu dürfen. Der Kandidat von SWG und SPD äußerte sich besonders glücklich über das einheitliche Ergebnis in allen neun Wahlbezirken. Das zeigt seiner Meinung nach die Geschlossenheit in der Gemeinde Sylt: „Trotz gegenteiliger Meinungen: Wir sind also doch zusammengerutscht nach der Fusion. Nun aber gilt es, den Blick nach vorn zu richten, das insulare Denken und auch Handeln weiter voran zu bringen.“

Zurück geht Häckels Blick jedoch erstmal nach Kronshagen. „Neun Wochen lang war ich ja in einer Art Wahlkampf-Urlaub gewesen. Jetzt muss ich dringend in mein Büro. Es wartet viel Arbeit auf mich.“ Vor allem müsse zügig seine Nachfolge geregelt, eine Ausschreibung auf den Weg gebracht werden. „Es soll ja auch dort einen reibungslosen Übergang geben.“ Bis 30. April ist Häckel in Kronshagen noch offiziell im Amt, am 1. Mai beginnt seine Tätigkeit im Westerländer Rathaus. „Aber bis dahin werde ich sicher oft auf der Insel sein, um peu à peu in das Bürgermeisteramt hinein zu gleiten.“ Dazu gehören für ihn besonders weitere Gespräche mit Syltern, um nach der Entscheidung möglichst viel an Stimmungen und Meinungen für seinen Amtsantritt mitzunehmen, aber zum Beispiel auch die Teilnahme an Ausschuss- und Gemeindevertretersitzungen. Häckel wird bis Ende April auch seine Wohnung in Kiel auflösen. „Eine Wohnung auf Sylt habe ich ja schon. Die behalte ich, eine Bürgermeisterwohnung der Gemeinde ist also nicht erforderlich.“ Bevor seine Sylter Amtszeit beginnt, hofft der Inselrückkehrer jedoch, ein oder zwei Wochen verreisen zu können: „Das wäre sehr entspannend. Mir stehen ja noch zehn Tage Resturlaub im alten Job zu.“

„Ich hätte erwartet, Gabriele Pauli würde knapp vorne liegen.“

Häckels deutlicher Wahlsieg habe sie „doch sehr überrascht“, sagte Bürgermeister Petra Reiber am Montag. „Ich hätte ehrlich gesagt erwartet, Gabriele Pauli würde knapp vorne liegen.“ Noch mehr überrascht habe sie jedoch, dass es in allen Wahllokalen der Gemeinde ein nahezu gleiches Stimmenverhältnis zwischen beiden Kandidaten gegeben habe. „Vielleicht ein Indiz dafür, dass die Fusion bei den Bürgern doch angekommen ist“, findet auch Reiber. Mit Nikolas Häckel werde ein junger fleissiger Mann ihr Nachfolger, der bodenständig sei, viel Sachverstand und ein offenes Herz habe. Allerdings würde sie ihm empfehlen, noch entspannter zu werden: „Doch das kommt bestimmt, wenn er feststellt, dass er eine hervorragend aufgestellte und funktionierende Verwaltung übernimmt. Mit einem Führungspersonal, das kompetent und hochmotiviert ist, auf das er sich hundertprozentig verlassen kann.“ Viel Umbau wäre da wohl eher nicht erforderlich: „Nikolas Häckel muss das Rad nicht neu erfinden, sondern er kann den guten Weg weitergehen, den ich bereits seit 20 Jahren beschreite.“ Falls ihr Nachfolger es wünsche, könne sich Reiber sogar vorstellen, ihn noch eine Weile hilfreich beratend zur Seite zu stehen. Eine „tolle spontane Geste“ sei es gewesen, dass Nikolas Häckel gleich am gestrigen Vormittag zu ihr ins Rathaus gekommen wäre, sagte die Bürgermeisterin. „Das lässt sich ja gut an“ habe sie gedacht, als ebenso spontan auch Bürgervorsteher Peter Schnittgard dazu kam. „Wir hatten ein sehr nettes Gespräch in dieser Dreier-Runde“, so Reiber, das dem künftigen Bürgermeister „bestimmt ein erstes hautnahes Erlebnis der guten Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Selbstverwaltung“ verschafft habe.

„Ja, das passte, war jedoch mehr oder minder Zufall“, bestätigt Schnittgard. „Aber quasi wenige Stunden nach der Wahl konnten wir uns dadurch bereits über wichtige Themenbereiche abstimmen und erste kleine Schritte in Richtung dessen gehen, was als Nächstes getan werden muss.“ Der Sylter Bürgervorsteher begrüßte es ausdrücklich, dass der lange Wahlkampf zu Ende sei und die eigentliche Arbeit endlich beginnen könne. Offiziell los ginge es dann am 16. April, wenn Nikolas Häckel während einer Gemeindevertretersitzung als Amtsnachfolger von Petra Reiber vereidigt würde, kündigte Schnittgard an.

„Es gab eine große Spannung, die viele Bürger erfasst hat.“

Beide Wahlgänge hätten deutlich gezeigt, dass es zwei Kategorien von Kandidaten gab, urteilte der Bürgervorsteher rückblickend: Die einen, die neu kamen, um die Infrastruktur der Insel zu verstehen – und die anderen, die Institutionen und Denken der Insel bereits gut kannten. „Da gab es häufig Pro und Kontra und eine große Spannung, die viele Bürger erfasst hat“, sagte Schnittgard. „Von Woche zu Woche musste so mancher darüber nachdenken, wen er denn wählt. Einige Entscheidungen sind sicher spät, vielleicht erst am Sonntag im Wahllokal gefallen.“ Als umso bemerkenswerter bezeichnete Schnittgard die „erkennbar durchgehende Linie“ in den neun Wahlbezirken: „Das zeigt die hohe Kontinuität in der Aussage, wer künftig unser Bürgermeister sein soll und ist eine Bestätigung des übereinstimmenden Wählerwillens in allen Ortsteilen der Gemeinde.“ Mit der Wahlbeteiligung auch in der zweiten Runde ist Schnittgard allerdings nach wie vor unzufrieden. „Ich hätte mir mehr gewünscht. Das hätte das Interesse der Bürger und auch die Bedeutung ihrer Entscheidung noch stärker unterstrichen.“ Nun sei es die Aufgabe aller Gemeindevertreter, den Zielvorstellungen des neuen Bürgermeisters aufgeschlossen gegenüber zu stehen. Allerdings mahnte der Bürgervorsteher auch den sorgsamen Einsatz vorhandener Mittel an: „Denn nach wie vor befinden wir uns in einer schwierigen finanziellen Situation.“

„Ein ganz großes Ergebnis, auf das Nikolas Häckel mit Recht stolz sein kann – à la bonheur“, sagte Carsten Kerkamm am Montag nach der Wahl. Mit solch einer klaren Mehrheit habe er nicht wirklich gerechnet, eher mit einem knapperen Ausgang. „Aber auch Gabriele Pauli hat sich durchaus achtbar geschlagen.“ Er schätze Nikolas Häckel als Mensch sehr und freue sich auf die Zusammenarbeit: „Das wird mit Sicherheit genauso hervorragend laufen wie all die vielen Jahre auch mit Petra Reiber“, erklärte der stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Sylt. Er erwarte jedoch, dass sich Häckel künftig neutral verhält. „Wir als CDU werden weiter die Sachthemen vorantreiben und falls wir dafür in der Politik eine Mehrheit erhalten, ist es wiederum seine Aufgabe als Verwaltungschef, alles zielgerichtet umzusetzen.“

„Ich kann mit dem Ergebnis gut leben“, sagte die unterlegene Kandidatin Gabriele Pauli. „Es hat klar gemacht, dass die Sylter einen Sylter wollten.“ Aber mit 45 Prozent habe „immerhin fast die Mehrheit“ jemanden von außen gewollt, der auch die heißen Eisen anpackt: „Das finde ich schon enorm.“ Die bayrische Politikerin ist überzeugt, in allen Eigenschaften im Vergleich zu Häckel gepunktet zu haben. „Nur eine Eigenschaft, die eines Insulaners, habe ich eben nicht.“ Ihre Inselverbundenheit jedoch bleibe über die Wahl hinaus erhalten. „Ich werde mich für die Stiftung einer Geburtenstation einsetzen und meinen Ting für Frauen auf Sylt fortführen.“ Aber Pauli will auch neue Projekte außerhalb der Insel angehen: „Ich brauche ja weiter Aufgaben, und die finde ich nicht nur auf Sylt.“ Dazu gehört zum Beispiel die Teilnahme an Talkshows, deshalb könne sie leider nicht zum Neujahrsempfang der Gemeinde am Donnerstag kommen und reist stattdessen zur Aufzeichnung des SWR-Nachtcafés. Der neue Moderator Michael Steinbrecher hat Gabriele Pauli und weitere Gäste aus Politik und Gesellschaft nach Baden-Baden eingeladen – das Thema des Abends lautet: „Hauptsache berühmt!“

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