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Sylter Köpfe : Er ist ein echtes Sylter Urgestein

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der Reihe „Sylter Köpfe“ geht es heute um Peter Petersen – ein echtes Urgestein der Insel.

Die Kluft sitzt noch immer. Das robuste Jackett, der schwarze Hut und korrekt am Hals die „Ehrbarkeit“, der Schlips der rechtschaffenden Fremden. Vor 60 Jahren warf sich Peter Petersen so erstmals in Schale und ging in die Welt hinaus. Drei Jahre und einen Tag währte die Wanderschaft des jungen Maurergesellen, bevor er die vertraute Heimat wiedersah.

Geboren wurde Peter Petersen 1936 in Westerland „bei Flut, wie es sich für einen Friesen gehört“. 15 Jahre später stand er erstmals auf dem Bau. Bei den Gebrüdern Holst in Wenningstedt hatte Petersen eine Lehre zum Maurer begonnen, ein Knochenjob bisweilen. „Was haben wir Steine auf den Rücken geschleppt. Hilfreiche Maschinen gab’s damals ja kaum.“

Die Gesellenprüfung gerade in der Tasche machte sich der junge Mann 1954 auf. Geregnet und gewittert hat es bei der Abfahrt am Bahnhof, erinnert er sich, und um die Ecke schlug der Blitz in ein Haus ein. Bremen, die erste Station. Schuften im Europahafen für 1,50 Mark Stundenlohn. Eines abends um halb sieben, Petersen werkelte noch mit der Maurerkelle, drang aus einer benachbarten Kneipe lauter Jubel. „Da wussten wir, dass Deutschland Fußball-Weltmeister war.“

Kreuz und quer ging es in den folgenden Jahren durch die Republik, von Lüneburg bis Lörrach, von Wedel bis Saarbrücken. Zu tun gab es überall reichlich – die Wanderschaft führte den jungen Gesellen durch ein lädiertes Land, das noch immer unter den Nachwehen des Krieges litt. „Ich habe vieles gesehen, das noch in Schutt und Asche lag.“

Nur der Abstecher in die Schweiz, der gefiel Petersen gar nicht. Denn auch dort war der Krieg nicht vergessen. „In der Straßenbahn wurde ich bespuckt und als Hitlerjunge beschimpft.“ Aber immerhin setzte es keine Prügel wie andernorts. „In so manchem Tanzlokal flogen die Fäuste, denn die Mädchen standen auf uns Wandergesellen, was den anderen Jungs gar nicht behagte“, schmunzelt Petersen.

Unschuldig im Knast – was für andere ein Albtraum gewesen wäre, war für den jungen Sylter ein Geschenk. „Ja, auch im Gefängnis hat man mal übernachtet oder bei der Heilsarmee oder in einer alten Scheune – Hauptsache, man hatte ein Dach über dem Kopf.“ Was sich daheim tat, davon wusste Peter Petersen indes nichts. Die Eltern hatten kein Telefon, ab und an schickte der Sohn von irgendwoher einen Brief. Nach drei Jahren dann konnten sie ihn wieder in die Arme schließen.

Peter Petersen arbeitete auf Sylt noch eine Zeitlang als Maurer, ging dann zur Flughafen-Feuerwehr und wurde schließlich Hausmeister der Nordkamp-Schule, die er einst als Lehrling mitgebaut hatte. Immer fand er daneben die Zeit für ehrenamtliches Engagement: 23 Jahre lang war er Versichertenältester, seit 45 Jahren – davon 16 Jahre als Vorsitzender – gehört er dem Freiwilligen Rettungscorps an, seit 2006 ist der rüstige Rentner Vorsitzender des Seniorenbeirats der Gemeinde Sylt.

Bei der SPD ist er seit 53 Jahren Mitglied und versäumt noch heute keine Fraktionssitzung. Nur die Hobbyimkerei hat er aufgegeben, als die Sehkraft nachließ. Verwitwet ist Peter Petersen seit 19 Jahren, geblieben sind ihm die beiden Söhne – der eine wohnt gleich nebenan, der andere hat sich in Mecklenburg-Vorpommern eine Existenz aufgebaut.

Tradition bedeutet Peter „Petje“ Petersen viel und gern blickt das Sylter Urgestein zurück. „Man hat doch viel erlebt und ich kann wohl von mir sagen, immer einen geraden, ehrlichen Weg gegangen zu sein.“



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erstellt am 14.Aug.2014 | 05:18 Uhr

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