zur Navigation springen

Bruder von Bambus-Klaus : Er hält das Sylter Bambus-Versprechen

vom

Er wurschtelt sich durch: Wolfgang Gdanietz, Bruder vom verstorbenen Bambus-Klaus, hält den Betrieb in der Sylter Bambus-Bar aufrecht.

shz.de von
erstellt am 05.Mai.2013 | 06:04 Uhr

List | Wenn die Frage kommt: "Wo ist Klaus?", und die Frage kommt regelmäßig, und er muss dann sagen: "Klaus ist tot", in diesen Momenten findet Wolfgang Gdanietz seine Aufgabe blöde. Denn er vermisst seinen kleinen Bruder doch auch, und sitzt jetzt seit gut zwei Wochen in der Bar, die Klaus gehörte, und wo alle zwei Meter ein Foto von ihm an der Wand hängt. Weil er Klaus an dessen Sterbebett versprochen hat, dass es die Bambus-Bar am Lister Ellenbogen auf jeden Fall noch eine Saison geben wird.
Wolfgang ist einer, der das dann macht, auch wenn er mit der Aufgabe manchmal hadert. Er stellt die Kunstpalme raus, und die Holzstühle, die es schon so lange gibt wie die Bambus-Bar selbst, und überlegt, wie Klaus das eigentlich mit dem Essen hingekriegt hat. Auf jeden Fall muss er noch Puderzucker für irgendwas einkaufen - "bloß keine Panik". Der große Bruder wurschtelt sich durch.

"Geld ist eher egal"


Ruhig und freundlich werden die ersten Gäste bedient, die an diesem kalten, sonnigen Vormittag in die Bambus-Bar kommen, zwei Kölner, für die das alles hier Kult ist, und die erst Fotos machen und dann jeder ein Aloha trinken wollen. Der neue Barmann rollt die Ärmel seines Wollpullis hoch, sucht und findet die Mode-Brause, aber wie viel die kostet, steht nirgends, "das passt nicht zu Klaus. Ach, zwei Euro", sagt der 59-Jährige. Und überlegt beim Reingehen kurz, "war zu wenig, oder?" - aber so was ist auch nichts, worüber er lange nachdenkt, Geld ist eher egal, sagt er.
Was ihn nervt: Zu Hause in Essen, wo er und seine Frau eigentlich leben, da war er die letzten Monate kaum, denn im Winter hat er ja Klaus Après-Ski-Hütte in Österreich bewirtschaftet: "Überall bleibt was liegen." Und jetzt tropft hinter der Bar auch noch der Abfluss. Doch da helfen die Gemeindemitarbeiter aus List, die mit dem nächsten Schub Radfahrer vorbei kommen. "Die sind echt nett hier." Sowieso - die Arbeit mit den Gästen kennt Wolfgang aus dem Kiosk, den das Grafiker-Ehepaar nebenbei in Essen betrieben haben: "Da kamen die Leute morgens rein, auf dem Weg zur Arbeit, und waren gestresst. Nach der Arbeit kamen sie zum Entspannen wieder, da musste man sie erstmal runter fahren."

"Das Stück hier oben ist unveränderlich"


Dass dieser Mann, der gleichzeitig exzentrisch und ziemlich besonnen wirkt, Leute entstressen kann, glaubt man sofort. Dass es ihm sehr recht ist, dass bei den Sylter Gästen nicht machen zu müssen, weil bei denen der Nordseewind den Stress meist schon weggepustet hat, wenn sie am hintersten Winkel der Insel angekommen sind, auch. Dann kann er sich selbst draußen auf den Barhocker setzen, eine Zigarette drehen und in die Lister Landschaft gucken - "das Stück hier oben ist unveränderlich, so ein Immer-Ort". Mit dem kantigen Gesicht und den grauen Haaren, die in "diesem Wind hier!" wehen, ist Wolfgang einer, dem das grüblerische In-die-Ferne-Gucken ganz gut steht.
Die Außenbar, die hat er dem Klaus vor 27 Jahren gebaut, sagt er, und streicht über den ausgeblichenen Bambus, die Bar ist war immer da, und sein kleiner Bruder auch, und jetzt kommen manchmal Leute im Auto, die hören Klaus Musik und fahren einmal um die Bambus-Bar rum und wieder weg. "Dann fühl’ ich mich hier so was von überflüssig", sagt Wolfgang, "wie der Grabmal-Pfleger." Blöde Aufgabe.

Erstmal ruhig bleiben


Aber nicht nur. Denn andererseits scheint Wolfgang auch ganz gerne zu planen. Die nächste Vollmond-Party zum Beispiel, am 25. Mai. "Da soll der Mond wieder mehr im Vordergrund stehen", findet Wolfgang, "der ist doch so toll hier." Eigentlich fände er es schön, wenn da Sylter Bands spielen würden, die und höchstens 150 Leute, das reicht für den Anfang. Außerdem könne die Bambus-Bar ein paar Flammen vertragen, also zumindest an den zehn Tagen, an denen "dieser Wind!" mal nicht weht. Die netten Lister Gemeindemitarbeiter haben schon mal eine Feuertonne vorbei gebracht.
Auch wenn er das nicht so sagt: Wenn Wolfgang von den Plänen redet, dann klingt das doch so, als freue er sich auf seine Saison in der Bambus-Bar. Die dann wirklich die letzte ist, dann hat er sein Versprechen ja gehalten und kann selbst ein bisschen Abstand gewinnen? Na ja, sagt Wolfgang, das wird sich zeigen. Solche Fragen muss er sich doch jetzt nicht stellen. Erstmal ruhig bleiben.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen