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Dauerwohnraum : Entspannung auf dem Sylter Wohnungsmarkt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Wohnungsnot der Insulaner scheint zumindest leicht gemildert. Doch für Familien mit Durchschnittseinkommen bleibt es schwer, auf Sylt zu leben.

Der insulare Wohnungsmarkt auf Sylt entspanne sich, sagte Bürgermeister Nikolas Häckel vergangene Woche im Interview mit der Sylter Rundschau. Über das Kommunale Liegenschafts-Management (KLM) der Gemeinde bekomme er mit, dass die Zahl der Wohnungssuchenden tendenziell zurückgehe. Beziehungsweise, dass unter den Suchenden mehr Menschen sind, die schon eine Wohnung haben und sich verbessern wollen.

Wer allerdings in Internetforen wie die Facebook-Gruppe „Wohnung für Sylter“ schaut, der kann diese Bestandsaufnahme zumindest auf den ersten Blick kaum glauben: Auf fast jedes Wohnungsangebot, und scheint es noch so überteuert, regnet es dort Nachfragen und Nachrichten. Zudem beklagen sich dort immer wieder Insulaner, dass sie mit ihrer Familie nun leider aufs Festland ziehen müssten, weil sie auf Sylt keine Wohnung gefunden haben.

Diesen vermeintlichen Widerspruch kann Marcus Riel, dessen Immobilienbüro 150 Dauerwohnungen auf der Insel betreut, zumindest zum Teil auflösen: Ja, sagt der Immobilienmakler, in gewisser Weise habe sich der Wohnungsmarkt innerhalb der vergangenen zwölf Monate entspannt. Er merke es daran, dass Vermieter dazu übergehen, ihre Wohnungen in ordentlichen Zustand zu versetzen, bevor sie sie nach einem Auszug wieder auf den Markt geben. Und daran, dass es nicht mehr ganz so einfach ist, neue Mieter gerade für große Wohnungen zu finden. Als Beispiel nennt Riel eine 120 Quadratmeter große Doppelhaushälfte auf großem Grundstück in Tinnum, für die es drei Monate gedauert habe, einen Nachmieter zu finden. Dabei sei die Warmmiete von rund 1400 Euro bei dieser Wohnung nicht höher als für vergleichbaren Wohnraum in größeren Städten. Anders als in größeren Städten allerdings sind überproportional viele Sylter in Gastronomie oder Einzelhandel beschäftigt: Gerade Familien können sich eine angemessen große Wohnung für 1  400 Euro Miete nur schwer leisten. Im Gegensatz zu teureren Mietgegenden auf dem Festland, in denen sich diese Familien dafür entscheiden könnten, in die günstigeren Vororte zu ziehen, bedeuten hohe Mieten für familiengerechte Wohnungen auf Sylt schnell das Ende des Insellebens. Ein Haus auf der Insel zu kaufen, ist für Normalverdiener bekanntermaßen kaum möglich. Bevor eine Familie aber 1  400 Euro Miete für eine Wohnung zahlt, finanziert sie sich für das Geld vielleicht lieber ein Haus auf dem Festland.

Diese Rechnung kennt auch Marcus Kopplin, der KLM-Betriebsleiter. Er weiß: Geförderte große Wohnungen der Gemeinde lassen sich bisher gut an den Mieter bringen. „Ich bin aber auch gespannt, was passiert, wenn wir im Sommer die Vergabe für die größeren frei finanzierten Wohnungen am Bastianplatz starten“, sagt Kopplin. Bei denen werden die Kaltmieten knapp unter zehn Euro pro Quadratmeter liegen – weniger, betont Kopplin, gehe einfach nicht. Wie viele Sylter Familien wirklich solch eine Wohnung anmieten wollen, da ist man sich bei KLM offensichtlich nicht ganz sicher: „Wir sind im Moment an den Planungen für die Wohnbebauung am Hans-Böckler-Weg. Mit genau dieser Frage – wie groß sollen die Wohnungen sein – beschäftigen wir uns da auch“, so Kopplin.

Eine allgemeine, leichte Entspannung auf dem Wohnungsmarkt kann auch Marcus Kopplin verzeichnen. Er führt dies auch auf die Arbeit seines Hauses zurück: „Wir werden auch in diesem Jahr 141 neue Wohnungen fertig stellen.“ Grund zum kollektiven Aufatmen sieht er trotzdem nicht: „Man darf nicht vergessen, dass parallel dazu jeden Tag auf Sylt Wohnraum verloren geht, wenn wieder ein Sylter Haus verkauft wird.“

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erstellt am 12.Apr.2016 | 05:57 Uhr

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