Konzert in der Segelkirche : Emotionen zum Ende der Saison

Andy Buch, Maike Schrader, Christina Glede und Jürgen Borstelmann (v. li.)
Andy Buch, Maike Schrader, Christina Glede und Jürgen Borstelmann (v. li.)

„Große Gefühle“ war das Motto der Abendmusik in der Hörnumer Segelkirche, die unseren Autor verzauberte.

shz.de von
14. September 2018, 16:46 Uhr

Die Abendmusik in Hörnums imposanter Segelkirche St. Thomas am vergangenen Donnerstag stand unter dem Motto „Große Gefühle“. Nanu, war mein erster Gedanke, Emotionen zum Ende der Saison? Und große noch dazu? Wo doch auf Sylt in diesen Tagen eher an das Wegräumen der Strandkörbe, zunehmenden Abreisen und leerer werden Gästebetten zu denken ist. Und wo sich Zinnien und Astern, die typischen Boten des ausklingenden Sommers, mehr und mehr unter die Blumensortimente auf dem Markt mischen.

Kein anderer als der große Lyriker Gottfried Benn besingt in seinem Gedichte „Astern“ den sich verabschiedenden Sommer und die nach Süden fliegenden Schwalben. Aber er weiß auch von der „zögernd Stunde“, die den Abschied hinauszögern möchte. Warum dieser kurze Ausflug in die Lyrik, wo es hier doch um ein Konzert gehen soll? Genau diese Gestimmtheit beim Dichter, die von Wehmut, Abschied und Verklingen erzählt, die vermittelte der Abend in Hörnum. Und geriet zu einem beeindruckenden Erfolg, den die zahlreichen Besucher mit kräftigem, lange anhaltendem Beifall bedachten. Stimmlich klar und kräftig gestaltete sich der gesangliche Beginn,den Jürgen Borstelmann an der Hillebrand-Orgel begleitete ( Hubert Parry „Jerusalem“). Insgesamt 18 musikalische Beiträge gelangten zu Gehör, wobei die Schwerpunkte auf der Vokalmusik lagen. Christina Glede, Maike Schröder sowie Andy Buch leisteten da gekonnt ein enormes Pensum und erfreuten die Besucher durch ihr eindrucksvolles gesanglich Können. „Vom Barock bis in die Gegenwart haben alle musikalischen Beiträge einen hohen Gefühlswert“, so Jürgen Borstelmann. Der an diesem Abend, etwa bei den Variationen über Beethovens 9. Sinfonie oder durch eigene Bearbeitung irischer Musik sein kompositorisches und spielerisches Können abermals unter Beweis stellte.

Klar, dass bei einem Konzert unter diesem Motto „The last Rose of summer“, dieses wehmütig, an Abschied gemahnende Stück von Thomas Moore, nicht fehlen durfte. Maike Schraders Akkordeon-Begleitung unterstrich dabei nachhaltig die Emotionalität des Stückes. Äußerst melodisch und getragen auch: die Vertonung des Vaterunsers durch den aus Estland stammenden Arno Pärt.

Die Kürze der jeweiligen Musikstücke sowie der Wechsel der Mitwirkenden von der Empore in den Altarraum nach der Pause taten ein Übriges, den Konzertabend abwechslungsreich zu gestalten. So trat manch einer den Heimweg an bewegt von Dankbarkeit und einer besonderen Gestimmtheit. Und auch mit der sich erneut bestätigten Gewissheit, dass sich der Weg nach Hörnum zu den musikalischen Aktivitäten aufs Neue als lohnend erwiesen hat.

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